Morning Briefing 9. Mai Trumps Isolationismus

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Quelle: dpa
US-Präsident Donald Trump: Das wilde Drohverhalten bestärkt seine Rolle als Lord Voldemort.

den Vertragsbruch des Jahrzehnts zelebriert US-Präsident Donald Trump. Er steigt tatsächlich aus dem Atomabkommen mit dem Iran aus und kündigt Sanktionen gegen den „Top-Sponsor des Terrors“ (Trump) an. Das wilde Drohverhalten bestärkt seine Rolle als Lord Voldemort der Außenpolitik und Vorbehalte, er nähre Isolationismus. Tatsächlich wollen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China den Deal mit Teheran beibehalten. Direkt nach Trumps Tirade gestern Abend nannte Irans Staatspräsident Hassan Rouhani die USA einen „unzuverlässigen Staat“, der dem Nahen Osten „immer feindlich gesonnen war“. Rouhani & Co. müssen um Ölgeschäfte fürchten, die USA um ihren guten Ruf.

Gegen Trump und für die #Metoo-Bewegung - so hat sich der langjährige New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman mit schneidiger Beharrlichkeit am liebsten inszeniert. Wo das Böse der amerikanischen Gesellschaft unter dem Teppich hervorquoll wie in einem John-Updike-Roman, war er Mister Moral. Dazu jedoch passte nicht, dass gleich vier befreundete Frauen detailliert von Gewalttätigkeiten und Exzessen sprachen. Schneiderman verlor seinen Job und das liberale Establishment eine weitere Illusion.

Quelle: Reuters
Rupert Stadler: Niemand muss überrascht sein, wenn der Audi-Chef demnächst ausgewechselt wird.

Dafür, dass sich Rupert Stadler in der Diesel-Affäre seit 30 Monaten mit der Konstanz eines Scheibenwischers als Saubermann inszeniert, passiert ziemlich viel bei der von ihm geleiteten Audi AG. Nun musste der Autobauer kurz vor der heutigen Hauptversammlung sogar die Auslieferung von Dieselmodellen der Baureihen A6 und A7 (beliebt als Dienstwagen) stoppen. Bei den betroffenen 60.000 Autos funktioniert die Abgasreinigung nicht. Wie es bei der VW-Tochter weitergeht, entscheidet der neue Konzernchef Herbert Diess, der sich bei Audi prompt als Oberaufseher einsetzt. Niemand muss überrascht sein, wenn Stadler demnächst ausgewechselt wird, etwa durch einen BMW-Manager. „Was dem Schwarm nicht nützt, nützt auch der einzelnen Biene nichts“, wusste Marc Aurel.

Als „Cable Cowboy“ ritt John Malone vor einigen Jahren ein, als kauziger Milliardär mit einem Hang zur Hunderasse Mops, der in seiner Heimat USA größter Landbesitzer ist. Am heutigen Mittwoch jedoch wird seine Firma Liberty Global den Rückzug aus dem deutschen TV-Kabel (Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg) und aus Osteuropa verkünden, Vodafone übernimmt für 18 Milliarden Euro. Für Malone, der sich alles einfacher (ungefähr wie im Wilden Westen) vorgestellt hat, bleibt hierzulande noch die Medientochter Discovery (Eurosport) sowie eine Erkenntnis des Ökonomen John Stuart Mill: „Fragt Euch, ob ihr glücklich seid, und ihr werdet aufhören, es zu sein.“

Quelle: AP
Springer Nature: Für den Börsengang des Wissenschaftsverlags läutet kein Begrüßungs-, sondern ein Sterbeglöcklein.
(Foto: AP)

Am heutigen Mittwoch, neun Uhr, war ein großer Börsen-Event für Springer Nature angekündigt. Doch für den IPO des Wissenschaftsverlags läutet kein Begrüßungs-, sondern ein Sterbeglöcklein. Die Aktion wurde im letzten Moment abgesagt. Nun müssen die Hauptgesellschafter - Holtzbrinck Publishing Group sowie BC Partners - und CEO Daniel Ropers nach neuen Wegen suchen, um sowohl die Drei-Milliarden-Schuldenlast als auch den Abstand zum Marktführer Reed-Elsevier (Relx) zu verkürzen.

Wenn wir über die USA und China, über Trump und Xi Jinping diskutieren, reden wir auch immer über Europa - beziehungsweise darüber, was dieser Kontinent und seine Union alles im globalen Wettbewerb nicht sind. Über die „Mission Europa“ wollen wir am nächsten Montagabend in Berlin mit Experten wie Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Fraktionsvize im Bundestag, und Rewe-Chef Lionel Souque sprechen. Ein paar Karten konnte ich zurücklegen, das Los entscheidet. Schreiben Sie einfach an jakobs@morningbriefing.de.

Quelle: dpa
Boris Becker: Mit den Begrenzungen des Geldes kämpfen der Ex-Tennisstar und und die Zentralafrikanische Republik seit langem.

Mit den Begrenzungen des Geldes kämpfen Boris Becker und die Zentralafrikanische Republik seit langem. Mag sein, dass der Mann, der einmal für alle „der 17-jährige Leimener“ war, deshalb für das arme Land als Attaché in der EU wirken soll. Mag sein, dass es auch einfach nur um einen Diplomatenstatus geht. Man weiß ja nie.

Ich wünsche Ihnen einen aufschlagstarken Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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  • "Trumps Tirade...wildes Drohverhalten...Lord Voldemort der Außenpolitik" warum versucht das Handelsblatt konstant seine intelligenteren "Noch"Leser zu konditionieren?

    Als UnternehmerInnen halten wir wenig vom betreuten Denken der Medien in Deutschland. Die Rede und Position von Trump in diesem Zusammenhang ist glasklar. Seine Strategie auch. Vom Handelsblatt erwarte ich Hintergrund und Reflexion, sonst lesen wir nur noch NZZ.

    Ob man Trump als Person gerne mag oder nicht, er denkt strategisch als Unternehmer und liefert Ergebnisse. Stichwort: Nordkorea, Steuerreform etc. Deutschlands Regierung besteht aus "Lame Ducks".

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