Handelsblatt on Tour
Zwischen Faszination und Furcht

Derzeit ist China Gewinnbringer, und auch die Zukunftsaussichten sind gut. Doch es bleiben Sorgen. Politische Risiken und die Falle der mittleren Einkommen machen die deutsche Abhängigkeit zum zweischneidigen Schwert.
  • 0

Wenn deutsche Manager von der Größe ihres China-Engagements sprechen, werden die Superlative knapp: Der Konsumgüterproduzent Henkel eröffnet das weltweit größte Klebstoffwerk in Schanghai. Ein kleines Kölner Architekturbüro plant ganze Stadtteile. Die drei Autohersteller VW, BMW und Daimler haben im vergangenen Jahr jedes dritte Auto im Reich der Mitte verkauft.
Die Bedeutung von China für die deutsche Industrie zieht sich quer durch alle Branchen. Deutsche Unternehmen forschen zunehmend im Reich der Mitte und produzieren für den chinesischen Markt. Der Anteil des Chinageschäfts am Konzernumsatz steigt. „In China muss man präsent sein, denn dort kann man höhere Margen erzielen als anderswo“, weiß Peter Fuß, Automotive-Experte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.


Doch ein allzu großes Engagement kann leicht zu einer gefährlichen Abhängigkeit führen und ist somit ein zweischneidiges Schwert, warnt Fuß: „Wenn China hustet, bekommen wir alle eine Lungenentzündung.“ Wer zu sehr auf einen einzelnen Markt setze, werde leicht abhängig und leide im Krisenfall überproportional.
Eine „Gespensterdebatte“, nennt Rainer Gehnen von der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung diese Diskussion. Schließlich zaubere China noch immer ein Lächeln auf die Gesichter seiner Verbandsmitglieder.

Ein Lächeln, das auch Henkel-Chef Kasper Rorsted teilt. Mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro gehört China konzernweit zu den Top-3-Ländern. 2013 legte der China-Umsatz hoch einstellig zu. „Die Angst vor einem China-Crash ist übertrieben“, sagt Rorsted. „Die asiatischen Märkte haben langfristig großes Potenzial. Das Land bietet für global aufgestellte Unternehmen in Deutschland auch künftig beachtliche Chancen.“
Noch glänzender sieht Volkswagen die chinesische Zukunft. Der Autobauer hat in den ersten vier Monaten 1,2 Millionen Fahrzeuge in China verkauft, das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis Ende des Jahres bringen die Wolfsburger 30 neue Modelle, Nachfolger und Produktaufwertungen auf die chinesischen Straßen. In den kommenden vier Jahren soll das Vertriebsnetz auf 3.600 Händler und eine halbe Million Mitarbeiter anwachsen. „China bleibt der größte Treiber des globalen Marktwachstums“, freut sich denn auch VW China-Chef Jochem Heizmann. „Die stärksten Wachstumsimpulse sehen wir in den kleineren und mittleren Städten. Dort besteht ein enormer Bedarf nach individueller Mobilität, die wir auch weiterhin mit einer großen Auswahl an neuen Modellen bedienen wollen. Dafür bauen wir unsere Kapazitäten in den Fabriken weiter aus.“
Die derart engen Wirtschaftsbeziehungen haben auch zu einer qualitativen Veränderung der deutsch-chinesischen Beziehung geführt, sagt Martin Brudermüller, BASF-Vorstand und China-Sprecher der deutschen Wirtschaft: „Aus Handelspartnern werden nun Innovationspartner.“

Kommentare zu " Handelsblatt on Tour: Zwischen Faszination und Furcht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%