Reisetagebuch China (2)
Auf den Spuren von John Rabe

Die Heldentaten des damaligen Siemens-Managers John Rabe in der chinesischen Metropole Nanjing während des Zweiten Weltkriegs sind unvergessen. Wie der Gutmensch deutschen Firmen in Jiangsu bis heute zum Erfolg verhilft.
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Über „Gutmenschen“ wird gerne mal gelächelt. Aber Tatsache ist auch: Ihre Taten können historisch einen großen Unterschied machen. Der Erfolg deutscher Unternehmen in Jiangsu, einer der reichsten Provinzen Chinas, hat letztlich auch mit einem Gutmenschen zu tun. Einem Deutschen, der sich hier in der Metropole Nanjing im Zweiten Weltkrieg verdient gemacht hat: John Rabe. Der damalige Siemens-Manager hat viele Chinesen vor der Ermordung durch zwischenzeitlich vor Ort dominierende Japaner gerettet.

John Rabes Heldentat ist in Nanjing unvergessen. Wiederholt taucht in Gesprächen über Wirtschaft und Wirtschaftsförderung der Name des Deutschen auf. Über den einstigen Siemensianer sind sogar zwei Spielfilme produziert worden. Einer in Deutschland, der andere in China - und das chinesische Werk hat allem Anschein nach hier jeder gesehen.

Natürlich, Deutsche werden in der Volksrepublik sofort mit Qualität und Kultur und Bier in Verbindung gebracht - aber eben auch mit einer positiven Art, sich für begangene Kriegsgräuel zu entschuldigen. Das ist in China das Gegenmodell zu den dort wenig geliebten Japanern. Der einstige Siemens-Manager Rabe steht für das Gute im Deutschen.

Auch der einflussreiche Politiker Xu, Vizepräsident des Volkskongresses sowie der Industrie- und Handelskammer, erwähnt Rabe im persönlichen Gespräch. Er nennt auch BASF und Bosch als Musterbetriebe deutsch-chinesischen Schaffens.

Rund die Hälfte der deutschen Investitionen in China entfallen auf die Provinz Jiangsu. Auch Siemens, Thyssen-Krupp und Mercedes produzieren in der Region, die insgesamt 80 Millionen Menschen beheimatet. Die offizielle Wachstumsrate liegt bei 8,5 Prozent, das ist ein Punkt mehr als der Zuwachs für Gesamtchina.

Wenn das so bleiben soll , dann muss die Industrialisierung im Norden und in der Zentralregion von Jiangsu weitergetrieben werden, sagt Xu. Der Süden mit BASF Co hat bereits ein hohes Niveau erreicht - auf diesem Niveau wächst man nicht mehr so stark. Dort ist man mit einem Pro-Kopf-Jahreseinkommen von 20 000 US-Dollar in ganz China spitze. Im Norden haben die Menschen nur ein Drittel davon.

Im Hinterland also muss etwas passieren, und vielleicht entdeckt ja auch ein deutscher Betrieb diese Chance. Volkskongresses-Vize Xu empfängt an diesem Dienstagmittag im Jinling Hotel in Nanjing und stößt nach chinesischer Sitte mit jedem der Gäste der Handelsblatt Tour an - es gibt Rotwein. Er findet übrigens, dass es zwischen Deutschen und Chinesen schon sehr gut läuft, dass sie sich aber noch mehr über Steuer- und Finanzpolitik austauschen könnten.

Am Schluss empfiehlt Xu noch ein Museum ganz in der Nähe. Es ist das alte Haus von John Rabe.

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor

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