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Internationale Presseschau vom 18.11.2008: Die Märtyrer der Wall Street

Die internationale Wirtschaftspresse warnt davor, die Bonusverzichtserklärungen bei Goldman Sachs, UBS & Co. als ernsthafte Anzeichen für einen Wandel zu werten. Dominique Strauss-Kahn erklärt in Les Echos der globalen Depression den Kampf. Der Sydney Morning Herald fände eine Übernahme von Coca Amatil-Cola durch Lion Nathan gut. Fundstück: Chinesen lernen endlich Teetrinken.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Einen neuen Trend könnte nach Meinung des Wall Street Journals die Ankündigung der sieben Goldman Sachs-Topmanager, auf ihre Boni zu verzichten, auslösen: "Goldman ist das erste Institut, das erkannt hat, zu welch kraftvollen Reuebekenntnissen Bonuszahlungen in diesem Jahr genutzt werden können. Und es werden nicht die letzten sein: Die schweizerische UBS hat angekündigt, alle Boni nahezu treuhänderisch zu verwalten, und bei der Citigroup, die soeben die Entlassung von 50.000 Angestellten in Aussicht gestellt hat, müssen sich die Führungskräfte wohl ebenfalls auf Kürzungen der üblichen Boni einstellen." Das tröste zwar die Aktionäre, weil es ihnen suggeriere, dass Firmen wie Goldman & Co. nicht profitierten, während sie selbst litten. Doch letztlich habe die neu entfachte Kritik an Boni nur einen symbolischen Wert: "Denn der Verzicht auf diese Gratifikationen bringt den Aktionären auch nicht das, was sie sich am meisten wünschen: die Rückkehr zur Rentabilität."

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"Die Wall Street-Boni müssen dieses Jahr sterben, um wieder leben zu können", lautet der lakonische Kommentar des US-Magazins Portfolio. "Goldman Sachs stellt Märtyrer auf - weil die Bank erkannt hat, dass die Öffentlichkeit zum Ende dieses Jahres nicht in der Stimmung ist, über Millionen schwere Zahltage in den Zeitungen zu lesen, während die Wirtschaft in Schwierigkeiten steckt und die Wall Street vom Staat gerettet werden muss." Dieser Schritt werde mit Sicherheit andere Institute an der Wall Street unter Druck setzen, so sei denkbar, dass Morgan Stanley folge. Und auch unter Politikern wachse die Sensibilität für die Rechtfertigung von Bonuszahlungen. Doch die Finanzwelt solle sich nichts vormachen, am Gratifikationssystem werde sich kaum etwas ändern: "Oder zeichnen sich etwa alternative Modelle am Horizont ab? Modelle, die auf einen längeren Zeitraum als ein fiskalisches Jahr ausgelegt sind?" Auch künftig werde gelten, dass Manager bei Erfolg mit Geld überschüttet werden - und bei Misserfolg ihren Schreibtisch räumen müssen. "Spätestens 2010 wird an der Wall Street alles so sein wie immer."

Die Neue Zürcher Zeitung gratuliert dagegen der Schweizer Bank UBS zu ihrem "mutigen Schritt". Das neue Vergütungsmodell für Konzernleitung und Verwaltungsrat bringe "tiefgreifende Veränderungen" mit sich: "Es verspricht, die Schwachstellen des bisherigen Vergütungssystems zu beheben und die entsprechenden Fehlanreize zu korrigieren." So stünden bei den neuen Vergütungsgrundsätzen Langfristigkeit und tatsächliche Leistung im Mittelpunkt; verkürzte Kündigungsfristen und die Möglichkeit, Bonuszahlungen zurückzufordern, schafften mehr Gerechtigkeit; das Modell biete insgesamt mehr Transparenz. Maßgeblich aber sei nun, ob die UBS mit dem neuen Entlohnungssystem im internationalen Branchenumfeld konkurrenzfähig bleiben könne. "Das ist in der Tat die wohl entscheidende Herausforderung dieses Pakets, die nur gemeistert werden kann, wenn andere Institute der UBS folgen und beginnen, die Anreize ebenfalls richtig zu setzen."

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