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Internationale Presseschau vom 19.3.2009: „Fed zieht in den Krieg“

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die massive Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank. Expansión läutet eine neue Ära bei Endesa ein. Vedomosti kritisiert die Verstaatlichung russischer Unternehmen. Portfolio zeigt, dass Private-Equity-Firmen weit von einer Kernschmelze entfernt seien. Fundstück: Ferrari der Kirschen.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Die Federal Reserve (Fed) hat gestern den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar (770 Milliarden Euro) angekündigt. Aus Sicht der britischen Financial Times hat die US-Notenbank bei ihrem jüngsten Schachzug die „Powell-Doktrin“ verfolgt: Ein Krieg ist nur das letzte Mittel; wenn der Krieg aber geführt wird, dann mit einer überwältigenden Kraft. Auch dass die Fed dabei auf das Element der Überraschung gesetzt habe, sei eine militärische Strategie – niemand habe mit einem so drastischen Schritt gerechnet, da sich zuletzt die Inflationsdaten sowie die Stimmung an der Börse verbessert hätten. „Nachdem die AIG-Boni die öffentliche Meinung gegen Bailouts gerichtet hat, scheint dies der einzige Weg zu sein, um mehr öffentliches Geld in den Kreditmarkt pumpen zu können“, sucht das Blatt nach den Motiven der US-Notenbank für ihre „Schrecken und Ehrfurcht“-Strategie. „Der Kongress wird dies aber nicht billigen. Es sei denn, die Fed weiß etwas über das Banken-System, das andere nicht kennen.“

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Nach Einschätzung des Wall Street Journal ist durch die Entscheidung, bis zu 300 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen (Treasuries) mit längeren Laufzeiten zu kaufen, der zuletzt im Federal Open Market Committee isolierte Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, Jeffrey Lacker, wieder aufs Feld gerückt. Lacker sei schon im Januar von der Meinung der Mehrheit abgewichen und habe sich für den Aufkauf von Staatsanleihen anstelle gezielter Kreditprogramme ausgesprochen. Bis zuletzt sei jedoch Fed-Chef Ben Bernanke skeptisch gewesen. Der Stimmungswandel sei damit zu erklären, dass sich die Umsetzung der „Term Asset-Backed Lending Facility“ (TALF) zur Ausweitung der Konsumentenkredite deutlich verzögert habe. Dennoch bleibe die Sorge, dass die Fed-Bilanz in großen Sprüngen anwachse und am Ende vielleicht „entspannt“ werden müsse – was in einer sich erholenden Wirtschaft schwierig sein könnte. „Aktuell scheint aber die Sorge, diese Erholung herbeizuführen, größer zu sein.“

„Die Größe der Fed-Intervention lässt die 165 Millionen Dollar an AIG-Boni mickrig erscheinen“, meint BusinessWeek – auch wenn ihr moralischer und politischer Stellenwert dadurch nicht geringer erscheine. Nach Einschätzung von Analysten sei die gute Nachricht, dass die Fed aggressiv auftrete – die schlechte aber, dass hinter dem Schritt die Einschätzung stehe, dass die Wirtschaft schwächer sei als gedacht. Den Gesinnungswandel mit Blick auf das Instrument der Staatsanleihen erklärt BusinessWeek ebenfalls mit der Aussicht, dass der Kongress – unter dem Einfluss der öffentlichen Empörung über die AIG-Boni – kein weiteres Geld für Bailouts von Finanzinstituten zur Verfügung gestellt hätte, obwohl dieses weiterhin nötig sei, um zu einer Gesundung der Märkte beizutragen.

Die Neue Zürcher Zeitung rückt die Risiken der Fed-Strategie in den Fokus. So drohe eine massive Ausweitung der Notenbank-Bilanz und damit der Geldmenge – das Finanzsystem werde mit Liquidität überschwemmt. „Die US-Notenbank nimmt damit aber auch eine Schwächung des Dollars in Kauf, auch wenn sie dies im Gegensatz zur Schweizerischen Nationalbank nicht offen sagt. Das alles ist nicht ohne Gefahren, sowohl für den mittelfristigen Inflations-Ausblick als auch im internationalen Kontext.“ Die USA und die Schweiz betrieben eine Politik der „kompetitiven Abwertung“. „Das alles kümmert die Amerikaner zurzeit jedoch wenig. Krisenbekämpfung à tout prix scheint derzeit die Losung zu sein.“

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