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Internationale Presseschau vom 20.7.2009: Finale furioso bei Porsche

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert kontrovers die Nachricht, dass Porsche-Chef Wendelin Wiedeking möglicherweise seinen Hut nehmen muss. Der Economist warnt vor riesigen, in Asien schlummernden Verlusten. Vedomosti empfiehlt eine Insolvenz für Lada. Der Business Spectator hält Australien für ein glückliches Land. Fundstück: Big Mac à la carte.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

"Mit dem Weggang Wendelin Wiedekings wäre für VW der Weg frei, um mehr Kontrolle über Porsche zu bekommen. Und: eine mehr als drei Jahre andauernde Schlacht zwischen den beiden deutschen Autoherstellern wäre beendet", lautet der Kommentar des Wall Street Journals zu den Meldungen, der einstige Porsche-Retter werde sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Der Abschied Wiedekings wäre ein klarer Sieg Ferdinand Piëchs, dem "autokratischen" Aufsichtsratsvorsitzenden von VW, über seinen Cousin Wolfgang Porsche, aber auch das "logische Ergebnis" eines Deals, der das komplette Gegenteil von Wiedekings Bemühungen, VW zu übernehmen, darstelle.

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In einem weiteren Artikel übt das Blatt Kritik an den Familien: "Es ist ein harter Sommer für die Porsches und Piëchs. Wenn sich die Führungen beider Konzerne am Donnerstag treffen, werden sich wohl die Emotionen durchsetzen, und nicht industrielle Logik." Deshalb sehe es so aus, als müssten beide die volle Kontrolle über Porsche abgeben, egal, ob nun Katar oder VW zum Zuge komme. "Porsche mag vor Herausforderungen stehen, doch noch ist der Autobauer im operativen Geschäft gesund. Die Tatsache ist nun mal, dass Piëch zur Familie gehört, und Wendelin Wiedeking nur ein Angestellter ist. Seine Flügel werden gestutzt, damit sich Porsche und VW umarmen können."

"Auf den Nachfolger von Wendelin Wiedeking wartet eine so gewaltige wie heikle Aufgabe", meint die Financial Times Deutschland. Der neue Porsche-Chef müsse sein Unternehmen nicht nur durch die schlimmste Automobilkrise seit Jahrzehnten führen, sondern auch zwischen misstrauischen Betriebsräten und der neuen Konzernmutter Volkswagen vermitteln. Produktionsvorstand Michael Macht erfülle allerdings die Voraussetzungen. Macht genieße die größte Anerkennung bei Piëch und Winterkorn, am Porsche-Sitz in Stuttgart werde stest sein gutes Verhältnis zu VW hervorgehoben. Auch von der Stammbelegschaft bei Porsche werde Macht akzeptiert: "Der im Stuttgarter Vorort Bad Cannstatt geborene Macht hat fast seine gesamte Karriere bei Porsche verbracht und wird von den Arbeitnehmern wegen seiner sachlichen Art geschätzt. ?Der poltert nicht so wie Wiedeking?, hieß es." Als Vorstand für Produktion und Logistik habe Macht die Vorgaben Wiedekings leise und wirkungsvoll umgesetzt - bis Porsche der profitabelste Autohersteller der Welt gewesen sei. Zurzeit arbeite Porsche trotz des hohen Schuldenstands zwar immer noch mit stattlichem Gewinn, doch die Absatzzahlen würden sinken, das Geld fließe nicht mehr wie früher. "Damals ließen sich die Porsche-Mitarbeiter mit hohen Jahressonderzahlungen dazu bewegen, radikale Strategiewechsel mitzutragen. Derartige Spielräume, so Beobachter, werde der neue Porsche-Chef nicht mehr haben."

Verständnis für die Ankündigung des "provokationsbereiten" Betriebsratschefs Uwe Hück, die Belegschaft werde um die Eigenständigkeit Porsches kämpfen, äußert die Süddeutsche Zeitung . In all dem Tohuwabohu, das Wiedeking und Konsorten, Familienvertreter der Porsches und Piëchs sowie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff veranstaltet hätten, sei kaum an die 11.000 Mitarbeiter des Zuffenhausener Sportwagenbauers gedacht worden. "Dass sie die Aussicht, zehntes Rad am Wagen des VW-Konzerns mit seiner 30mal so großen Belegschaft zu werden, alles andere als in Freudentaumel versetzt, ist nachvollziehbar." Wie überhaupt nachvollziehbar sei, dass sich Beschäftigte immer häufiger mit sehr unkonventionellen Mitteln Gehör und Respekt zu verschaffen versuchen, wenn sie zum Spielball machtstrategischer Fusions-, Übernahme oder Restrukturierungspläne ihres Topmanagements werden. Die "galaktischen Kämpfe", so Hück, werde es allerdings nicht geben, sollen in der verlängerten Sommerpause im August die Bänder doch ohnehin stillstehen. Mehr als ein "Finale furioso" als Solidaritätsbekundung für ihren sehr wahrscheinlich scheidenden Chef Wendelin Wiedeking wäre das Protestereignis also nicht. "Auch für die Porsche-Belegschaft heißt es, Abschied von der zuletzt fast sonnenkönighaft anmutenden Macht ihres gefeierten Chefs zu nehmen."

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