_

Internationale Presseschau vom 29.7.2009: Keine Entwarnung für die Deutsche Bank

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert verhalten optimistisch die Quartalszahlen der Deutschen Bank und analysiert ihr Geschäftsmodell. Die Financial Times sieht in der Allianz von Microsoft und Yahoo einen ernst zu nehmenden Google-Gegner. Vedomosti befürchtet Massenentlassungen in der russischen Autoindustrie. Fundstück: Deutsche zu doof für Kapitalismus?

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Die Deutsche Bank hat gestern einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro im zweiten Jahresviertel vorgelegt. Dennoch: Wer geglaubt habe, die Krise sei angesichts der guten Ergebnisse der US-Banken wenigstens auf der Finanzebene ausgestanden, für den könnte der aktuelle Report aus dem Hause von Josef Ackermann eine desillusionierende Lektüre sein, kommentiert die Börsen-Zeitung. Für den "einen oder anderen Herren" im Vorstand gebe es jenseits ihres Egotrips also Wichtigeres zu tun. Die Verwerfungen auf den Kapitalmärkten hätten tiefe Spuren in der Erfolgsrechnung der Deutschen Bank hinterlassen. "Hinter dem miserablem Privatkundengeschäft, der hochkatapultierten Kreditrisikovorsorge und einem Sammelsurium an positiven und vor allem negativen Sondereffekten sind - bei genauerer Analyse -, durchaus erfreuliche Perspektiven zu sehen", schreibt das Blatt. Für den konjunkturellen Winter habe die Bank sich bereits im kalendarischen Hochsommer warm angezogen und sei auf dem Weg, die Verschuldungsquote zu reduzieren und die Kernkapitalausstattung zu steigern. "Es müssen ja nicht immer 25 Prozent Eigenkapitalrendite sein, 20 Prozent tun's ausnahmsweise auch", resümiert die Zeitung.

Anzeige

Es sei gut, dass Deutschlands größtes Geldhaus überwiegend Investmentbank geblieben sei, meint die Financial Times Deutschland . Banker, Berater und Ratingagenturen hätten es in den letzten Jahren wie ein Mantra wiederholt: "Banken brauchen dringend Privatkundengeschäft". Das bringe Sicherheit. "Die Ergebnisse der Deutschen Bank zeigen allerdings, dass sich in diesem Segment schlecht Geld verdienen lässt", meint die Zeitung. Im zweiten Quartal habe die Bank lediglich 55 Millionen Euro mit Privatkunden verdient, bei einem Gesamtvorsteuergewinn von 1,3 Milliarden. "Die Deutsche Bank konnte nur deshalb einen Milliardengewinn einfahren, weil sie trotz öffentlicher Kritik an ihrem Geschäftsmodell einer Investmentbank festgehalten hat", analysiert das Blatt. Institute im deutschen Privatkundengeschäft würden nie so hohe Gewinne abwerfen wie die Investmentbanken. Stattdessen müssten sie sich wegen steigender Kreditausfälle und sinkender Risikobereitschaft der Anleger warm anziehen.

Auch das Wall Street Journal sieht die Stärke der Deutschen Bank in seinem Investmentgeschäft, durch das die Schwäche im Privatkundengeschäft kompensiert werde. Die Ergebnisse der Deutschen Bank zeigten, dass die Geldhäuser, die im letzten Jahr gebeutelt wurden, noch weitere Monate an den faulen Krediten zu knabbern hätten. "Gleichzeitig sucht die Bank wie andere Institute mit Investmentabteilungen nach einem sicheren Bereich für Spekulationen auf dem Kapitalmarkt", glaubt die Zeitung. Analysten gingen davon aus, dass das Wachstumspotenzial für dieses Jahr aber ausgeschöpft sei. Auch könnten die faulen Kredite der Bank in Zukunft weitere Probleme bereiten.

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.