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Internationale Presseschau vom 30.9.2008: Tsunami über Europa

Die internationale Wirtschaftspresse glaubt, dass Europa die Finanzkrise verschlafen und die Crashs bei europäischen Banken mitverschuldet hat. Newsweek wertet das Nein des US-Repräsentantenhauses zum US-Hilfspaket als Sieg der Demokratie. Die französische Capital porträtiert die Marketing-Ikone Brigitte Liberman. Fundstück: Hundehaufen für Olympia.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Europas Lage sei mit der in den USA nicht vergleichbar, ein Hilfspaket wie das von Paulson nicht nötig - habe man bislang gemeint. "Die Realität hat die Lenker in den europäischen Hauptstädten schnell eingeholt", kommentiert der Standard aus Wien Europas Arroganz. Die Woche habe mit einem beispiellosen Krachen im Gebälk der Banken begonnen, von Island über Großbritannien, Dänemark und Frankreich bis Deutschland seien Geldinstitute zusammengebrochen wie Kartenhäuser - und von den zu Hilfe eilenden Regierungen aufgefangen worden. "Allein am Montag wurden weit über 100 Milliarden Euro in marode Institute gesteckt. Somit erscheinen Befürchtungen, wonach die europäischen Steuerzahler ähnlich stark wie die amerikanischen zur Kasse gebeten werden könnten, gar nicht mehr so unrealistisch." Mit dem Unterschied, dass die Aktionen in Europa unkoordiniert wirkten. "Die auf bis ins kleinste Detail gehende Regulierungen spezialisierte EU hat sich bisher nicht ernsthaft mit der Krise auseinandergesetzt, die jetzt wie ein Tsunami über den Kontinent fegt." Es sei höchste Zeit, nun rasch einen Notfallplan auszuarbeiten: "Europa hat die Finanzkrise bisher verschlafen. Die Turbulenzen sind ein später Weckruf."

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Der Business Spectator aus Australien rät insbesondere Finanzminister Peer Steinbrück zu mehr Demut und Bescheidenheit: Er solle nicht darüber schwadronieren, dass die USA ihren Supermacht-Status verlieren werden, sondern sich glücklich schätzen, dass die Krise nicht in Berlin, Paris oder Rom passiert sei. "Das europäische Bankensystem ist längst nicht so gesund, wie es scheint", das Drama um die belgische Bank Fortis zeige dies beispielhaft. Fakt sei, dass viele europäische Banken inzwischen viel zu groß seien, als dass eine Regierung im Falle einer Krise wie der in den USA noch aushelfen könne. "Fraglich wäre auch, von wo aus ein Hilfspaket schnell und unbürokratisch geschnürt werden könnte. In der Zeit, die es braucht, um alle europäischen Minister in Brüssel zusammen zu bekommen, wäre der Finanzmarkt doch schon längst kollabiert", höhnt das Blatt. Auch wenn die Amerikaner einen noch besseren Rettungsplan gebrauchen könnten - was Europa noch viel mehr brauche sei ein System, mit dessen Hilfe ein solches Hilfspaket überhaupt möglich wäre.

Das amerikanische Wirtschaftsportal MarketWatch.com geht der Frage nach, ob die Zusammenbrüche von Fortis (Belgien) und Bradford and Bingley (Großbritannien) allein auf die US-Finanzkrise zurückgeführt werden können. "Die Fortis-Story ist einfach: Die Bank wollte ABN Amro übernehmen, und dieser Deal brachte sie nun, in der wahrlich ungünstigsten aller Zeiten, zu Fall." Bradford and Bingley sei dagegen vor allem ein Opfer der Hypothekenkrise in Großbritannien. Das Bankhaus habe den Fehler gemacht, sich auf GMAC einzulassen, ein Finanzunternehmen von General Motors, das sich von Darlehen für Autos auf Darlehen für Häuser verlegte. Bradford and Bingley habe das Hypotheken-Portfolio von GMCA, trotz dessen mangelnder Erfahrung in diesem Geschäft, übernommen - und sich dann gewundert, als es nicht so gut funktionierte. "Die Probleme von Fortis und Bradford and Bingley mögen von der amerikanischen Finanzkrise herrühren.. Doch es war europäische Dummheit, die ihnen den Rest gab."

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