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Presseschau: „Atomwölfe werden zu Ökolämmern“

Die internationale Presse diskutiert die weltweiten Reaktionen auf den atomaren Notstand in Japan und lotet bereits Zukunftsperspektiven für das Land aus. Hierzulande erntet Merkel viel Kritik für ihre Atom-Politik.

Kanzlerin Angela Merkel spricht während einer Pressekonferenz. Quelle: dapd
Kanzlerin Angela Merkel spricht während einer Pressekonferenz. Quelle: dapd

Die Financial Times Deutschland wirft Angela Merkel Populismus und Selbstbetrug vor, nachdem die Kanzlerin gestern eine Kehrtwende in der schwarz-gelben Atompolitik verkündet habe. Dass die Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke bereits vier Tage nach dem Beben in Japan gestoppt worden sei, zeige, wie dramatisch die Lage bei den Wählern sei. Das erklärte Moratorium sei dagegen unlogisch. „Entweder waren die deutschen Atomanlagen schon bisher so sicher, wie die Bundesregierung immer behauptet hat (...), oder die Standards waren schon vorher nicht auf extreme Ereignisse ausgelegt, und Schwarz-Gelb hat diese Tatsache (...) mutwillig ignoriert“, schreibt das Blatt. Ohnehin sei dies nur eine Maßnahme, um die wichtigen Wahlen in Baden-Württemberg nicht zu gefährden, denn die Ereignisse in Japan hätten bisher verdrängte Risiken ins Bewusstsein geholt. Nur durch Selbstbetrug ließen sich heute Kraftwerke in dicht besiedelten Regionen rechtfertigen. Diesen Selbstbetrug sollte die Kanzlerin schnellstmöglich beenden, falls sie ihre Handlungsbereitschaft ernst meine.

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„Deutlicher hat sich schon lange keine Regierung mehr von einem Projekt verabschiedet, für das sie erst wenige Monate zuvor gekämpft hatte“, kommentiert die Süddeutsche Zeitung das Atom-Moratorium von Merkel. Die Betriebsamkeit der Regierenden verschleiere den Grad jahrelanger Untätigkeit. Am Ende der Prüfung werde die Regierung zu dem Schluss kommen müssen, dass die ältesten, anfälligsten Kernkraftwerke abzuschalten sind. „Sie werden Deutschland nicht fehlen.“

Ex-Bild-am-Sonntag-Chef Michael Spreng analysiert, dass das „Aussetzen“ der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke nur dann Folgen haben könne, wenn die Industrie mitspiele. So mache sich die Politik erneut von der Energieindustrie abhängig, die allerdings so unter Druck stehe, dass sie zu diesem Deal bereit sein werde. „Es ist erstaunlich, wie schnell aus wahltaktischen Gründen Atomwölfe zu Ökolämmern werden“, blickt Spreng zu  Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Stefan Mappus, der überhaupt keine Tabus mehr kenne. Mit Blick in die Zukunft fordert Spreng eine totale Abschaltung älteren Atommeiler, ein massives Programm zum Ausbau erneuerbarer Energien und eine Verkürzung der Restlaufzeit der neueren Kernkraftwerke.

Der britische Guardian appelliert an die Vernunft bei der Beurteilung der katastrophalen Entwicklungen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima. „Das ist eine Angelegenheit, bei der wir auf ein vernünftiges Urteil über die Bedürfnisse der Zukunft bauen sollten“, mahnt das Blatt. Die erste wichtige Lektion sei, dass sich die Praxis der Laufzeitverlängerung für ältere Kraftwerke und somit die Verhinderung neuer Anlagen als gefährlich erwiesen habe. Darüberhinaus müssten die Nachteile der nuklearen Technologie, darunter die Kosten, das Risiko und der Müll, gegen die Giftemission durch Kohleverbrennung abgewogen werden. Fossile Brennstoffen seien schließlich die wichtigste ökonomische Alternative. „Alle anderen Wege sind illusorisch“, meint das Blatt. Die Energieeffizienz werde bereits seit 200 Jahren gesteigert, produziere jedoch nur noch mehr Nachfrage nach Energie; und Windparks im Meer blieben noch zu teuer. Ein interessanter Ansatz für eine nicht-nukleare Zukunft sei die Förderung von alternativen Gasvorkommen, die zumindest eine genauere Prüfung verdient habe.

Auch die russische Zeitung Vedomosti sieht bisher keine Alternative zur atomaren Energie. Die beiden wichtigsten Gründe seien die Kosten für Energie und der Klimaschutz. Würde die gesamte Leistung der Atomkraftwerke weltweit von Kohleanlangen erzeugt, würde dies zusätzliche 600 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen. Daher würde man auch weiterhin mit den Risiken der AKW leben müssen. Viel werde auch über die küstennahe Lage von Fukuschima 1 diskutiert. Die Gefahr der Meeres-Standorte habe bereits die Überflutung der zweitgrößten Atomanlage in Indien im Jahr 2004 gezeigt. Auch in Großbritannien stünden Kraftwerke nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Doch auch im Landesinneren seien die AKW nicht sicherer. So habe Frankreich einmal über 17 Reaktoren wegen starker Hitze abschalten müssen, da das Kühlwasser zur Neige gegangen sei. Ähnliches habe auch Spanien erlebt.

Selbst wenn die japanischen Ingenieure die nukleare Katastrophe eindämmen könnten, werde der Unfall vielerorts den Bau neuer Atomkraftwerke verhindern, prophezeit der australische Business Spectator. Und das, obwohl neuere Reaktorgenerationen längst nicht mehr so abhängig von externer Stromversorgung seien wie die 40 Jahre alte Anlage in Fukushima. Atomkraft sei gerade dabei gewesen, ein Comeback hinzulegen. China, Indien, USA und Japan hätten neue Anlagen geplant oder bereits gebaut. Sogar in Australien, wo das Thema lange Jahre ein Tabu gewesen sei, hätten Diskussionen über den möglichen Einstieg in die Atomenergie begonnen. Atomstrom sei für Grundlasten deutlich besser geeignet und viel wirtschaftlicher als andere Formen alternativer Energie. „Langfristig gesehen wird die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern höher ausfallen, was in einem anhaltenden Boom der Nachfrage nach Kohle und Gas resultiert“, analysiert das Blatt. Dies untergrabe die Anstrengungen zur Reduzierung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen.

  • 15.03.2011, 11:06 UhrGung Bong

    So wie Guttenbergs keinen Fehler gemacht hat, sondern schamlos betrogen und gelogen hat, so sind nun auch Merkels und Westerwelles wahren Gesicherter zu sehen. In vorauseilendem Gehorsam haben sie der Atomlobby zugearbeitet und die Bürger vorsätzlich belogen. Merkel und Westerwelle nahmen nicht nur die finanzielle Ausplünderung der Bürger in Kauf, sondern auch den Verlust von Gesundheit, Heimat und Leben. Merkel und Westerwelle haben nicht Schaden vom deutschen Volk abgewendet sondern, bewusst einkalkuliert. Das bewegt sich schon im Bereich von Untreue. Die daraus folgenden Konsequenzen gehen weit übereinen einfachen Rücktritt hinaus.

  • 15.03.2011, 10:07 UhrPeterScholz1

    Das ist das Dilemma unserer arbeitsteiligen Welt.

    Wenn ich davon ausgehe, daß Merkel in Hamburg Verwandtschaft hat, dann hat sie auch Kenntnis von der Sturmflut von 1962. Damals stand eine weitaus größere Landfläche unter Wasser als jetzt in Japan. Holland und Dänemark, aber auch an Rhein, Donau, Oder und Elbe einschließlich der Nebenflüsse boten sich ähnliche Überschwemmungen. Lediglich durch die Leichtbauweise in Japan sehen die Bilder etwas anders aus.

    Als Physikerin muß Merkel auch von den Ursachen (Expansion und Kontraktion) der Materialermüdung wissen, wobei bei Reaktor-Stählen, Photonen und Wasserstoff zusätzlich das Material verspröden.

    Und von den Klimaveränderungen weiß Merkel auch.
    Sobald mehrere Bedingungen/Ereignisse gleichzeitig zutreffen, ist der Weg ins Chaos frei.

    Da Merkel bislang alles ignorierte, ist es kaum zu glauben, daß sie urplötzlich kurz vor den Wahlen einen geistigen Quantensprung vollzogen hat. Sie windet sich, die ganze Union windet sich. Der Sprung aus der eigenen Denke endet im Nichts, denn Korrelationen sind zu eng geschnürt.

    Fairerweise muß ich auch sagen, daß die SPD auch seit 4 Jahrzehnten die Löffel dicht hat, denn so alt ist mein Konzept „weg vom Öl“.
    Nun muß man hinsichtlich der E-Mobilität auch fragen, woher der Strom bei gleichzeitiger AKW-Abschaltung kommen soll? Wo ist das Netz für den Energiemix?

    Seit fünf Jahren sitzt Merkel auf diesem Konzept:

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/191/2/

    Merkels Placebos sind bekannt. Die atomare Verseuchung in Japan wird als lokales Problem dargestellt. Doch auch japanisches Küstengewässer verdampft und kann über den Jetstream zu uns gelangen. Ja, alles ist Gift, nichts ist Gift, die Menge machst!

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