_

Presseschau: Banken müssen weg vom Blutsauger-Image

Die internationale Wirtschaftspresse zieht eine Zwischenbilanz zu den Quartalsergebnissen der großen US-Banken und überlegt, wie diese ihr Image aufpolieren können. Die Financial Times sorgt sich um Chinas Wirtschaft. Veckans Affärer verfolgt Ericssons Wandel vom Netzwerklieferanten zum Dienstleistungskonzern. Fundstück: Brachiales Ende eines Bankraubs.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Das Manager Magazin zieht eine Zwischenbilanz zu den Quartalsergebnissen der großen US-Banken. Aufsteiger des Jahres unter den vier Riesen im Publikumsgeschäft Bank of America, J.P. Morgan Citigroup und Wells Fargo sei Wells Fargo. DAs Institut habe sich mit der Übernahme des gescheiterten Wettbewerbers Wachovia verdoppelt: 12,3 Milliarden Dollar habe das Institut aus San Francisco 2009 verdient - Rekord - und mit einer Eigenkapitalrendite von zehn Prozent gezeigt, dass auch eine reine Filialbank ohne starkes Investmentbanking hochprofitabel sein könne. Schlimm stehe es indes um den einstigen Marktführer Citigroup, der als einziger der großen Vier noch nicht ganz den Staat als Großaktionär losgeworden sei. "Die Citi ist heute um ein Viertel kleiner als bei meinem Antritt 2007", zitiert das Magazin Bankenchef Vikram Pandit. Doch gesund sei sie damit noch nicht, und viele Geldgeber würden ungeduldig, analysiert das Blatt. "Wenn einer der vier Bankchefs um seinen Job fürchten muss, dann ist es Pandit."

Anzeige

Das Wall Street Journal wundert sich über Goldman Sachs. In der Quartalsbilanz sei unter "Annual Highlight" auch der Anteil der Personalkosten an den Nettoerträgen ausgewiesen - der Anteil sei im Vorjahresvergleich von 48 auf 35,8 Prozent gesunken; seit 2007 sei dieser Posten um 20 Prozent gesunken. Gleichwohl drohe den Goldman-Mitarbeitern keineswegs die Armut - die durchschnittlichen Bezüge lägen bei 498.000 Dollar; 2008 habe diese Summe noch bei nur 340.600 Dollar gelegen. "Jetzt ist die Frage, ob die Almosen von Goldman und die Gehaltskürzungen hoch genug ausfallen, um den Zorn der Öffentlichkeit und in der Politik zu dämpfen, oder ob noch mehr Opfer erforderlich sind", schließt das WSJ.

Für den Wirtschaftsdienst Reuters ist der "U-Turn" von Goldman bei den Gehaltskosten eine Zäsur. Bislang hätten viele Institute ihre hohen Boni damit begründet, dass die Mitarbeiter andernfalls zu anderen Banken wechseln würden. Sollte sich bei Goldman jetzt aber zeigen, dass die Mitarbeiter trotz Boni-Kürzungen bleiben, könnte dies auf die gesamte Wall Street abfärben. "Die Frage ist aber, ob der Schritt von Goldman ein einmaliger PR-Stunt war oder ob das Institut tatsächlich davon ausgeht, dass eine Compensation Ratio unter 40 Prozent langfristig tragfähig ist."

Die Financial Times Deutschland glaubt, dass die größte Herausforderung der Banken in diesem Jahr darin besteht, ihr Image aufzupolieren. Nach den Rettungspaketen und Milliardenbonuszahlungen seien die Sympathiewerte der Branche im Keller, was sich im vierten Quartal gezeigt habe. Bei Morgan Stanley sei der neue Vorstandschef James Gorman zwar stolz über die Ergebnisse, doch das interessiere erst einmal kaum jemanden. Im Fokus lägen die Bonuszahlungen - 62 Prozent der Erträge seien an die Mitarbeiter ausgeschüttet worden. Es gebe nur einen Ausweg aus der "Rufmisere": Stärkere Regulierung, und zwar in drei Schritten: Die Banken müssten über Steuern an den Rettungskosten beteiligt werden; sie müssten im Notfall abgewickelt werden können, damit es keine Erpressung der öffentlichen Hand gebe; schließlich müsse das Wettbewerbsrecht, das während der Krise beispielsweise im Fall der Fusion von Lloyds und HBOS ausgehebelt worden sei, wieder stärker greifen.

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.