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Presseschau: Berlins Imponiergehabe gegenüber Spekulanten

Die internationale Wirtschaftspresse torpediert Berlins Verbot ungedeckter Leerverkäufe und vermutet politische statt ökonomische Motive. Die EZB sei keine Geisel deutscher Ängste, mahnt Les Echos. Die FTD rät von Staatshilfen für Opel ab und will die Werke in Eisenach und Bochum schließen. Fundstück: Berlin reguliert WM.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Das Verbot ungedeckter Leerverkäufe ("Naked Short Selling") von Staatsanleihen der Euro-Länder sowie auf Aktien der zehn größten deutschen Finanzinstitute hat international ein verheerendes Echo ausgelöst. Laut Wall Street Journal haben akademische Studien längst gezeigt, dass ein temporäres Short-Selling-Verbot auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Situation eher verschlechtert hätte. Zwar hätten sich einzelne angeschlagene Aktien vorübergehend beruhigt, doch Forscher gingen davon aus, dass diese Maßnahme für mehr Verwirrung und Besorgnis unter Investoren gesorgt hätte. Durch den Berliner Vorstoß werde Investoren das Besorgnis erregende Signal gesendet, dass europäische Banken selbst nach den 1,7 Billionen Dollar schweren globalen Bankenrettungspaketen noch geschützt werden müssten.

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"Viel bringen wird das Verbot nicht", kommentiert die Wirtschaftswoche unter der Überschrift "Imponiergehabe gegenüber Spekulanten". So dränge sich der Verdacht auf, dass hier in erster Linie ein politisches Signal für Wähler und das eigene Parteivolk gesetzt werde. Denn der CDS-Handel laufe nicht in Deutschland, sondern in London und New York. Fazit der Wiwo: Indem Berlin die Spekulanten aussperre, werde deren Geld dem Markt entzogen. Doch damit Wertpapiere möglichst günstig und ohne große Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen gehandelt werden können, brauche es viel Liquidität, also möglichst viele potenzielle Käufer und Verkäufer. "Wer Risiken absichern will, könnte dafür in Zukunft höhere Preise zahlen."

Auch die britische Financial Times geht davon aus, dass weniger regulatorische als politische Motive hinter dem Berliner Schritt stehen. Angela Merkel habe versucht, im Vorfeld der in dieser Woche vom Bundestag zu beschließenden Gewährleistungen, die Deutschland für Kredite eines europäischen Stabilisierungsmechanismus an notleidende Euroländer übernehmen soll (Volumen: bis zu 123 Milliarden Euro), den Gesetzgeber auf ihre Seite zu ziehen. Der Vorstoß von Berlin demonstriere, dass der 750 Milliarden Euro schwere Euro-Rettungsplan keineswegs die Streitereien der europäischen Staatenführer zur Frage, wie man die Eurozone vor dem Zerfall schützen könne, beendet hat.

Die spanische Wirtschaftszeitung El Economista meint, Merkel gefährde durch ihre Alleingänge besonders das deutsch-französische Verhältnis und bringe womöglich das Macht-Gleichgewicht zwischen Paris und Berlin und damit die gesamte politische Stabilität Europas in Gefahr. Am besten lasse sich der Eifer der deutschen Staatschefin wohl damit erklären, dass sie von ihrer schwachen Innenpolitik ablenken wolle, mutmaßt die Zeitung. Glaube man aktuellen Umfrageergebnissen, so habe Angela Merkel dazu auch allen Grund; denen zufolge sei kaum ein Deutscher mit der Leistung der schwarz-gelben Koalition zufrieden.

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