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Presseschau: Der „Geiz-ist-geil-Präsident“

Die internationale Presse ist von Christian Wulffs Bußgang nicht überzeugt: Er habe das Amt beschädigt und werde wohl kein großer Bundespräsident mehr werden. Die Entschuldigung sei das Mindeste, was man erwarten konnte.

Wulff hat sich öffentlich für seinen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt. Die internationale Presse überzeugt das trotzdem nicht. Quelle: dapd
Wulff hat sich öffentlich für seinen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt. Die internationale Presse überzeugt das trotzdem nicht. Quelle: dapd

„Eine Entschuldigung war das, was man wenigstens erwarten durfte“, urteilt die Financial Times Deutschland über Christian Wulffs Erklärung am Donnerstag. Denn erst habe der Bundespräsident das Parlament Niedersachsens „gelinkt“, dann habe er in den letzten Tagen der Öffentlichkeit ein „moralisch angreifbares Selbstbildnis“ vermittelt: „Da war ein Bußgang nötig.“ Dennoch bleibe die Frage: „War’s das?“

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Immerhin sei seine „Vorweihnachtsansprache“ von neuen Enthüllungen begleitet worden. Wulff habe inzwischen das Image eines „schnöden Schnäppchenjägers“, eines „Geiz-ist-geil-Präsidenten“. Mit jedem Vorwurf, den er nicht ausräumen könne, werde ihm seine Würde mehr und mehr geraubt. „Wulff hat sich in eine Lage manövriert, aus der er - trotz Entschuldigung - nur noch schwer herauskommt.“

„Gerade noch gerettet“, befindet die Zeit nach der Erklärung Wulffs. Als Katharsis könne diese jedoch nicht dienen: „Zu durchsichtig ist Wulffs Versuch zu trennen zwischen seiner Vergangenheit als Landespolitiker und Ministerpräsident und seiner Gegenwart als Bundespräsident.“ Und zu deutlich bediene sein Hinweis auf 250 „nach bestem Wissen und Gewissen“ beantwortete Einzelfragen die vorweihnachtliche Stimmung: „Nun lasst es doch mal gut sein!“

Da bleibe ein ambivalenter Eindruck zurück: Er habe sich entschuldigt, er solle im Amt bleiben. Doch der selbst gewählte Auftrag Wulffs, einen Beitrag dazu zu leisten, die „anstehenden Herausforderungen zu bewältigen“ in Deutschland, Europa und der Welt, wirke deutlich zu groß. „Ein Bundespräsident, so wie ihn sich die Mehrheit der Bürger vorstellt, wird Christian Wulff wohl nicht mehr werden.“

„Christian Wulff hat Vertrauen verspielt. Eine Entschuldigung kann das nicht mehr reparieren. Ein Rücktritt wäre konsequent“, meinen dagegen die Salzburger Nachrichten. Deutschland müsse sich fragen, ob es den „richtigen Mann“ zum Bundespräsidenten gewählt habe. „Kanzlerin Angela Merkel entschied sich für einen puren Parteipolitiker, den jetzt eine klassische Politikaffäre ins Schleudern bringt.“ Das könne dem Amt nur schaden, weil sein Inhaber über dem Parteienstreit stehen sollte. Doch Wulffs enttäuschender Umgang mit dieser Geschichte zeige ihn als einen Parteipolitiker, der in kleinster Münze zurückzahle.

250 Einzelfragen habe Wulff beantwortet, doch Antworten auf die „immer noch bohrenden Fragen“ vermisst die Wirtschaftswoche nach wie vor: „Wieso durfte der väterliche Freund Egon Geerkens nach seiner Mithilfe bei der Hausfinanzierung auf Delegationsreisen der Landesregierung mitfahren? Wieso war er zu Zeiten dabei, in denen er gar nicht mehr aktiv unternehmerisch tätig war?“ Zudem seien mit seiner Erklärung neue Fragen aufgetaucht, z. B. ob Wulff bei der BW-Bank Sonderkonditionen erhalten hat. Doch der Bundespräsident habe die Chance verpasst, gleich aktuell Antworten zu geben.

  • 28.12.2011, 02:07 UhrAnonymer Benutzer: Dakine

    Wer schützt den Bürger eigentlich vor dem Staat?

  • 24.12.2011, 10:52 UhrAnonymer Benutzer: Winter

    "Was dem Ochsen erlaubt ist, ist dir noch lange nicht erlaubt", und dies gilt schon seit tausenden von Jahren, mag Herr Wulff auch noch so sehr von Gleichheit sprechen. Leider!
    ("Lateinisches Sprichwort")

  • 24.12.2011, 09:25 UhrAnonymer Benutzer: B.Dehnhardt

    @webmax
    Es ist eben nicht so, dass "alle" so handeln wie Wulff es getan hat. Sollte es dennoch so sein, dass eine Mehrheit in Deutschland nur aus Vorteilsnehmern besteht, wird es Zeit dieses Land zu verlassen.

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