Presseschau

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Presseschau: Griechenland braucht einen Marshall-Plan

Nach Einschätzung der internationalen Wirtschaftspresse ist die Einigung auf ein neues Rettungspaket erst der Anfang der tatsächlichen Arbeit. Europas Anführer müssten einige bittere Wahrheiten akzeptieren.

Auch wenn das Tauziehen um die Griechenland-Rettung erfolgreich zu Ende gegangen sei, sei dies erst der Anfang, schreibt das Wall Street Journal. Der Forderungsverzicht werde nur erfolgreich sein, falls Europas Politiker verstünden, dass dies nur der erste Schritt in einem langen Prozess zur Bekämpfung der Mängel der Währungsunion sein könne. Die Märkte würden einen solchen Deal als Beweis werten, dass nach wie vor ein politischer Wille bestehe, Griechenland zu retten. Wenn die Politiker den Verzicht jedoch als Beweis des besagten Willens betrachten würden und meinten, ihr Job sei getan und weitere Reformen unnötig, dann würden die Märkte mit voller Wucht zurückschlagen. Die EU müsse dringend den gemeinsamen Markt noch weiter vertiefen und die Europäische Investmentbank weiter aufbauen, die einen echten Marshall-Plan für Griechenland und andere Peripherie-Staaten auflegen müsse.

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Die Wirtschaftsagentur Bloomberg beobachtet mit Sorge, dass sich viele europäische Offizielle die Frage stellten, ob der Euro nun nicht stark genug wäre, die Bailout-Agonie Griechenlands zu beenden und das Land ziehen zu lassen. „Die kurze Antwort lautet: Nein!“, schreibt das Blatt. Tatsächlich sei Europa heute anfälliger denn je für eine griechische Katastrophe. Die Lage in Europa scheine sich zwar zu verbessern. So sei der Geschäftsklimaindex in Deutschland gestiegen und die EZB habe die Märkte mit Krediten für Europas Banken in Höhe von 500 Milliarden Euro beruhigt. Beim genaueren Hinsehen, entpuppten sich diese Verbesserungen als Kosmetik. Das EZB-Geld habe es etwa Spanien und Italien erlaubt, mehr Schulden zu machen, da die Zinsen gesunken seien. Die Finanzinstitute seien dadurch noch stärker durch Staatspleiten bedroht. Europas Anführer müssten einige bittere Wahrheiten akzeptieren: Portugal und Griechenland brauchten einen noch größeren Forderungsverzicht, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Banken müssten Hunderte Milliarden Euro an neuem Kapital heben, um Vertrauen wiederherzustellen, und nur ein massiver Garantie-Fonds in Höhe von etwa 3000 Milliarden Euro könne Staaten vor spekulativen Angriffen schützen.

Die britische Financial Times zitiert aus einem Dokument, das eigentlich für die Finanzminister der Euro-Länder bestimmt worden sei. Das Schreiben zeige, dass die Sparbemühungen Griechenlands im Sande verliefen und dass das Land ein weiteres Rettungspaket brauchen werde, nachdem nun der Schuldenschnitt in Brüssel verhandelt worden sei. Dass die Sparmaßnahmen Griechenland aufgezwungen worden seien, könnte zu einer noch tieferen Rezession im Land führen. Ein Szenario zeige, dass der Schuldenabbau Griechenlands deutlich langsamer vonstatten gehen könne. Statt 120 Prozent Schuldenquote im Vergleich zum BIP werde das Land es lediglich auf 160 Prozent schaffen.

Die Kür des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck habe die Kanzlerin beschädigt und gezeigt, dass sie ihren Laden nicht mehr im Griff habe, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Merkel könne zwar mit Gauck als Bundespräsidenten gut leben, aber sie hätte ihre Gründe gehabt, warum sie gegen ihn gewesen sei. Merkels wirkliches Problem sei aber das Präludium zu Gaucks Nominierung. Die große Gemeinsamkeit der Demokraten minus die Linke sei erst zustande gekommen, nachdem es in der Koalition gekracht hatte. Union und FDP seien über viele Sitzungen und Stunden nicht in einer Personalfrage klargekommen. „Wo, bitte, kommt da der Anspruch her, das Land noch zu regieren?“, ätzt das Blatt.

  • 21.02.2012, 10:26 UhrThomas-Melber-Stuttgart

    Nachdem was man hört braucht GR keinen Marshall-Plan, da es kein tragfähiges Fundament gibt. GR braucht "state building".

  • 21.02.2012, 13:15 Uhrwatsolles

    Ein Marshallplan kann dem Land auch nicht mehr helfen. Nur noch die Rückkehr zur Drachme. Und das möglichst schnell. Aber die Nullis in Brüssel werden den Levantinern immer mehr Milliarden in den Allerwertesten schieben und auf Besserung hoffen. Mehr bleibt ihnen im Grund auch nicht übrig. Das Land ist so tot, dass eine finanzielle Reanimation wohl nicht mehr möglich ist.

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