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Presseschau: Guttenberg-Comeback nach der Dolchstoßlegende?

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt fast einhellig den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg. Doch die Medien diskutieren kontrovers, ob er sich im Wahljahr 2013 zurückmeldet - als Kanzlerkandidat.

Verteidigungsminister zu Guttenberg tritt zurück. Die internationale Presselandschaft begrüßt die Entscheidung. Quelle: dapd
Verteidigungsminister zu Guttenberg tritt zurück. Die internationale Presselandschaft begrüßt die Entscheidung. Quelle: dapd

Düsseldorf„Echter Baron aber falscher Doktor“, überschreibt Frankreichs La Tribune ihren Kommentar zum Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers. Nach 13 Skandaltagen um seinen Doktortitel habe Karl-Theodor zu Guttenberg, der „aufstrebende Stern“ der deutschen Politik, nun das Handtuch geworfen. Die gut funktionierende Medienmaschinerie des Ministers sei der Plagiatsaffäre nicht gewachsen gewesen. Gestolpert sei er letztendlich über ein Medium, das er wohl unterschätzt habe, so die Zeitung: das Internet. Die Verteidigungslinie des Ministers sei angesichts der Beweise auf der Webseite „Guttenplag Wiki“ sang- und klanglos zusammengebrochen. Dennoch scheine zu Guttenberg auf eine Wiederkehr in die Politik zu setzen. Nicht zuletzt dank der Unterstützung der Bild-Zeitung könne er nach wie vor mit einem großen Rückhalt in der Bevölkerung rechnen. Und mit seiner zweiten Verteidigungsstrategie, sich als Opfer der intellektuellen Eliten und Berliner Journalisten zu stilisieren, sei er vielleicht schon im Wahljahr 2013 ein ernst zu nehmender Konkurrent für Angela Merkel.

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Die Süddeutsche Zeitung kritisiert das für zu Guttenberg typische Verhaltensmuster, den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Diesmal habe sich laut zu Guttenberg die „öffentliche und mediale Betrachtung“ so sehr verschoben, dass es „auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person“ gegangen sei. „Ausgerechnet der Mann, der die Talk-Show an den Hindukusch gebracht hat, hadert mit der Öffentlichkeit“, retourniert die SZ. Und argumentiert, dass Medien und interessierte Bürger ausführlich über das Verhalten eines Politikers nachdenken und berichten müssten, der seinen Aufstieg eben jener Öffentlichkeit verdankt habe. Als in der Politik seltener „Promi“ werde der Franke nicht den Rest seiner Tage auf dem Stammschloss verbringen. Prognose der Münchner: Zu Guttenberg werde ein Buch schreiben, vielleicht über „Politik in der Erregungsgesellschaft“, und Bild werde es abdrucken – und bis 2013, den Wahlen in Bayern und im Bund, vergingen noch Jahre der Läuterung.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte langfristig gesehen als die Siegerin aus Skandal um Karl-Theodor zu Guttenberg hervorgehen, analysiert die russische Nesawissimaja Gazeta. „Die seit eineinhalb Jahren ununterbrochen höchsten Popularitätswerte für den ehemaligen Verteidigungsminister sind für die Bundeskanzlerin ungünstig gewesen“, schreibt das Blatt. Merkel sei dadurch immer weiter ins Hintertreffen geraten. Guttenberg seien gute Zukunftsperspektiven prophezeit worden, bis hin zur Kanzlerkandidatur, 2013 oder später. Dies nähre den Verdacht, dass die Plagiatsaffäre nicht ohne Grund an die Oberfläche getreten sei. Andererseits habe ausgerechnet Angela Merkel bis zum Schluss zu ihrem Minister gehalten, denn seine Popularitär wäre für die Christdemokraten eine Trumpfkarte bei den anstehenden Landtagswahlen gewesen. Letztendlich sei die Karriere von zu Guttenberg nur in Stocken geraten. „Der 39-jährige Baron ist von den konservativen Kreisen noch lange nicht abgeschrieben worden, und das nicht nur im heimatlichen Bayern“, meint die Zeitung.

Auch Sicht der Börsen-Zeitung war die Dramaturgie des Rücktritts symptomatisch für den Niedergang des Shootingstars – noch am Morgen sei in den Zeitungen das neuerliche Bekenntnis zu Guttenbergs zu lesen gewesen („Ich fülle mein Amt mit Freuden aus“), während wenige Stunden später der bevorstehende Rücktritt des Bundesverteidigungsministers zunächst in der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung – und nicht aus dem Mund der Bundeskanzlerin oder des Ministers selbst – gemeldet wurde. Jetzt sitze die Enttäuschung auch in der Wirtschafts- und Finanzwelt tief, da dort viele Verantwortliche gehofft hätten, dass in der Politik eine Persönlichkeit zum Kanzlerkandidaten reifen würde, die man in der Wirtschaft einen „ehrbaren Kaufmann“ genannt hätte. Doch dieser könne sich nicht halten, wenn er der Bilanzmanipulation dringend verdächtigt werde – und daher dürfe es auch für Guttenberg nach der noch nicht ausgestandenen Plagiatsaffäre ein Comeback als Spitzenpolitiker geben.

  • 02.03.2011, 11:44 UhrAnonymer Benutzer: KriminelleMachenschaften

    Genau: 2013 als Kanzlerkandidat.
    Dann hat die Bundeswehrreform ein anderer vergeigt. Wenn er nicht erdolcht worden waere damals... haette er sie ja zum Erfolg fuehren koennen. Wiedermal wird Verantwortung weggeschoben.
    Stattdessen legt er auf der Burg die Beine hoch (mangels einer Berufsaubsildung bleibt ihm nichts anderes ueber).

    Gutti: Nutze die Zeit und versuche Dich mal am 2. Staatsexamen.

    Der Typ wird Kanzler ohne sein gesamtes Leben jemals etwas geleistet zu haben. Ein Hochstapler halt.
    Wenn er es schafft beglueckwuensche ich ihn.
    Das Deutsche Volk hat es dann wohl nicht anders verdient und haette tatsaechlich den besten Repraesentanten gefunden. Naja, was soll nach IM Erika schon anderes folgen?!

  • 02.03.2011, 11:41 UhrAnonymer Benutzer: HFB2011

    Wenn, wie veröffentlicht, die CDU/CSU vom politischen Talent des Herrn KTG - also einem Betrüger - abhängig ist und den "Herrn" so sehr braucht, liegt in der deutschen Parteienlandschaft viel mehr im Argen.

  • 02.03.2011, 11:36 UhrAnonymer Benutzer: ELIASS

    Wie soll ein Comeback für Guttenberg aussehen? Vielleicht als Bildungsminister?

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