27. Mai 2012 

Handelsblatt

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Presseschau: Microsofts überteuerter Milliardendeal

von Von Daniel Lenz

Ist Skype wirklich 8,5 Milliarden Dollar wert? Die internationale Presse zeigt sich äußerst skeptisch. Als eigentlichen Nutznießer haben die Journalisten das Netzwerk Facebook ausgemacht, an dem Microsoft beteiligt ist.

Microsoft übernimmt mehrheitlich Skype - und zahlt dafür einen hohen Preis. Quelle: dpa
Microsoft übernimmt mehrheitlich Skype - und zahlt dafür einen hohen Preis. Quelle: dpa

Aus Sicht der Wirtschaftswoche zeigt der größte Deal in der 36-jährigen Geschichte von Microsoft, wie verzweifelt der einst so dominante Software-Hersteller versuche, in wichtigen Zukunftsmärkten wieder den Anschluss an die Marktführer zu erhalten. Skype können den Redmondern gleich auf mehreren Feldern helfen, darunter das Handy-Geschäft, in dem Microsoft trotz der mit allerlei Marketinggetöse im vergangenen Jahr vorgestellten neuen Handy-Plattform Windows Phone 7 nicht recht vom Fleck komme. Den stärksten Rückenwind erhalte Microsoft aber möglicherweise im Geschäftskundensegment: Skype ergänze in der hochprofitablen Office-Sparte das Produkt "Lync", das E-Mail, Instant-Messaging sowie Audio- und Video-Telefonie in einem einzigen Angebot bündele.

Die Financial Times geht davon aus, dass Skype dazu beitragen wird, die Mobiltelefon-Strategie von Microsoft wiederzubeleben. Im Schulterschluss mit Nokia könne dies auch gelingen, da die Integration von Skypeanwendungen bei iPhones und Android-Geräten aktuell lückenhaft sei. Ein "Microsoft-Nokia-Skype-Telefon" würde allerdings die Telekom-Betreiberfirmen herausfordern, da Skype herkömmliche Telefonate kannibalisiere.

Techcrunch: Microsoft zu kompromisslos

Das Technik-Blog Techcrunch hält den Kaufpreis für überzogen. Nach eigenen Recherchen habe Microsoft fast das Doppelte im Vergleich zum zweiten Interessenten Google angeboten, während Facebook de facto nie im Rennen gewesen sei - möglicherweise hätten aber die von Facebook absichtlich nicht dementierten Gerüchte dazu beigetragen, dass Microsoft den Deal durchgezogen habe. Dass Google nur rund vier Milliarden Dollar geboten habe, wertet das Blog als Beleg dafür, dass Microsoft mehrere Milliarden Dollar zu viel bezahle.

Der Deal lohne sich vor allem für Facebook, kommentiert die Financial Times Deutschland . Das soziale Netzwerk profitiere einerseits davon, dass Google bei Skype nicht zum Zuge gekommen sei. Andererseits werde Microsoft als Anteilseigner jetzt Facebook Zugang zur Skype-Technologie gewähren. Ob sich die Übernahme am Ende auch für Microsoft auszahle, sei ungewiss. Das Blatt vergleicht den Deal mit Nokias Milliardenzukauf von Navteq. Seitdem die Finnen das Kartenmaterial ihren Handynutzern kostenlos zugänglich gemacht hätten, bestehe die vage Hoffnung, den Absatz beim Endkunden dadurch anzukurbeln.

Der Spiegel geht davon aus, dass Skype besonders bei den Bemühungen, zahlende Unternehmenskunden zu gewinnen, von Microsofts Vertriebsmacht und der Integration in andere Microsoft-Angebote für Firmen profitieren werde. Auch im Privatkundengeschäft profitiere Skype insofern vom neuen Partner, als Microsofts Konsole Xbox 360 mit der Erweiterung "Kinect" Skype-Anrufe unterstützen könnte.

Die New York Times listet die Gewinner der Skype-Deals auf, darunter Ebay. Zwar habe das Unternehmen beim Verkauf von Skype 1,4 Milliarden Dollar weniger erlöst, als 2005 für den Internettelefonierer investiert worden waren. Doch da Ebay noch einen Anteil von 30 Prozent halte, der durch die Übernahme durch Microsoft mit 2,3 Milliarden Dollar bewertet werde, habe Ebay unter dem Strich viel Geld verdient.

SZ: Deal war dumm

Dass Microsoft inmitten einer unsicheren Wirtschaftswelt 8,5 Milliarden Dollar für Skype ausgebe, wertet die Süddeutsche Zeitung als Zeichen dafür, dass normale ökonomische Gesetze im Internet nicht gelten. Sich für diese Summe einen Jahresumsatz von zuletzt 860 Millionen Dollar einzukaufen, sei "eine Art Dummengeschäft für den finanzstarken Käufer und ein Weihnachtsfest im Mai für alle Verkäufer". Dem Versuch, die eigene Rückständigkeit damit aufzuholen, hält das Blatt entgegen: "Hoffnung kann man nicht kaufen."

Das Wall Street Journal feiert den Skype-Gründer Niklas Zennström, der gerade zum zweiten Mal Skype verkaufe und dabei rund 1,2 Milliarden Dollar verdiene. Unter dem "europäischen Firmament der Internetstars" gebe es kaum jemanden, der so hell leuchte wie Zennström, der ein über einen "track record" des Erfolgs verfüge, und zwar sowohl als Unternehmer als auch als Investor mit seiner eigenen Wagniskapitalfirma Atomico. Seine wesentlichen Charakterzüge seien überraschenderweise Ruhe und Understatement.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von ecolot.de.