27. Mai 2012 

Handelsblatt

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Presseschau: Neue Runde in der Schlacht um NYSE Euronext

von Peggy Pfaff

Die internationale Presse kommentiert die Entscheidung der NYSE Euronext, Nasdaq/ICE einen Korb zu geben und weiter mit der Deutschen Börse zu verhandeln. Der Kampf um die New Yorker Börse sei noch nicht vorbei.

Reto Francioni, der Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, kämpft weiter für die Fusion mit der Nyse. Quelle: dpa
Reto Francioni, der Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, kämpft weiter für die Fusion mit der Nyse. Quelle: dpa

Nach der Entscheidung der New York Stock Exchange (NYSE) Euronext, das Angebot der Technologiebörse Nasdaq und der Intercontinental Exchange (ICE) abzulehnen und eine Fusion mit der Deutschen Börse weiterhin zu favorisieren, wägt das Wall Street Journal Für und Wider ab: Aufsichtsratmitglieder der NYSE hätten dem Nasdaq/ICE-Plan sekptisch gegenüber gestanden, auch wenn ihr Gebot 1,6 Milliarden Dollar über dem der Deutschen Börse liegt. "Sie fürchteten, dass ein Zusammengang mit Nasdaq/ICE auf Widerstand in Washington stößt, zum einen aufgrund kartellrechtlicher Bedenken, zum anderen wegen drohender Arbeitsplatzverluste." Doch die "hastige Absage" an Nasdaq/ICE berge auch Risiken, gibt das Blatt zu Bedenken: "NYSE-Anteilseigner könnten protestieren, in der Hoffnung, einen höheren Preis für ihre Anteile zu erreichen." Gegen die Fusion der NYSE Euronext mit Nasdaq/ICE habe aber auch eine Personalie gesprochen: NYSE-CEO Duncan Niederauer sei ein scharfer Konkurrent von Nasdaq-CEO Robert Greifeld: Wenige Börsenexperten glaubten, dass die beiden zusammenarbeiten können.

"Der Kampf um NYSE Euronext ist zu einer Schlacht um Worte geworden", kommentiert Market Watch die Erklärung von NYSE-CEO Duncan Niederauer gegenüber dem Wall Street Journal, das Angebot von Nasdaq/ICE sei ein "lose formulierter Vorschlag, der die Demontage, wenn nicht gar die Verstümmelung, des Unternehmens" bedeute. Die Schlacht sei noch nicht vorbei, Nasdaq/ICE hätten sofort "zurückgefeuert" und gewarnt, dass die Rückweisung ihres Angebots die Interessen der NYSE-Anteilseigner ignoriere." Nasdaq-CEO Robert Greifeld werde sich weiter mit NYSE-Anteilseignern treffen. Nach Einschätzung von Analysten würden beide Deals - entweder mit Nasdaq/ICE oder mit der Deutschen Börse - Risiken bergen, das um rund 15 Prozent höhere Angebot von Nasdaq/ICE könnten die NYSE-Anteilseigner aber nicht einfach ignorieren. Niederauer sei sicher, dass die meisten von ihnen für die Fusion mit der Deutschen Börse sind. Diese sei in den Verhandlungen aber wenig von sich aus aktiv geworden. "Wir haben es mit zwei unterschiedlichen Kulturen zu tun", zitiert Market Watch Niederauers Erklärung für diese Zurückhaltung. Nun sollten die Gespräche intensiviert werden.

Die NZZ am Sonntag porträtiert Reto Francioni, den CEO der Deutschen Börse, als ruhigen, unprätentiösen Börsenexperten, der mit seinem Fusionsangebot an NYSE Euronext eines zum Ziel habe: die Schaffung einer transatlantischen Mega-Börse und eine weitgehende Integration der europäischen Handelsplätze. "Schon heute bringt es die Deutsche Börse auf einen Marktwert von über 10 Mrd. ?. Und mit dem angestrebten Zusammenschluss mit der NYSE Euronext entstünde die weltweit führende Börsenorganisation." Dabei schwebe Francioni kein zentralistischer Machtapparat vor, sondern eine föderale Struktur: Jede nationale Börse des fusionierten Unternehmens solle ihren Namen in ihrem jeweiligen Markt behalten und weiterhin unter der lokalen Regulierung und Aufsicht operieren. Für den Deal zwischen NYSE Euronext und Deutscher Börse spreche noch mehr: Letztere habe eine Fusion angeboten, und nicht eine Übernahme wie Nasdaq/ICE. Zwischen NYSE-CEO Duncan Niederauer und Francioni stimme die Chemie. "Francioni weiss sich zudem in einer Position der Stärke, weil die Deutsche Börse bereits in den 1990er Jahren die ganze Wertschöpfungskette unter einem Dach vereint hatte: vom Handel über das Verrechnen und die Abwicklung der Aufträge sowie die Bereitstellung der Marktinformationen bis zum Betrieb der elektronischen Handelssysteme." Eine solche vertikale Integration gebe es in London, New York oder Tokio bis heute nicht.


Obamas merkwürdige Ehe mit GE
Den Rücktritt von Jeff Immelt von seinen Posten als Vorsitzender der Job-Initiative von US-Präsident Barack Obama und als Wirtschaftsberater der US-Regierungfordert Forbes. Der CEO und Chairman von General Electrics (GE) gerate in Interessenkonflikte, ohnehin wirke die offenkundige Nähe zwischen dem Konzern und der Regierung wie eine "ungeweihte Ehe". Nicht nur, weil GE keine Steuern zahle, trotz weltweit erwirtschafteter Gewinne in Höhe von 14,2 Milliarden Dollar, sondern auch, weil der Konzern von der Regierung profitiere. So habe der "DC Examiner" festgestellt: "Obama will den Emissionshandel, GE will ihn auch. Obama lässt begrenzte Stammzellenforschung zu, GE steigt ins Stammzellengeschäft ein. Obama fordert Subventionen für die Eisenbahn, GE engagiert die Eisenbahn-Lobbyistin Linda Daschle." Es falle auf, dass eine politische Ankündigung Obamas stets mit Geschäftsinitiativen von GE korrelierten. Und schließlich müsse auch beunruhigen, dass Immel Anhänger einer Regierung sei, die den Schulterschluss mit der Wirtschaft suche, ganz nach dem deutschen Modell: "Regierung und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand", so sein Credo. Doch die USA als Land, das seinen wirtschaftlichen Erfolg Innovation und Unternehmergeist verdanke und der geringen Einmischung von oben nach unten, sollte dies nicht unterstützen.

Schwellenländern gelingt neuer Triumph
Der in Wirtschaftskreisen vorherrschenden Überzeugung, westliche Unternehmen könnten in den Schwellenländern auftrumpfen,wurde aus Sicht von Les Echosmit einem markanten Sieg von HTC über Nokia ein Ende bereitet. Der taiwanesische Mobilfunkspezialist habe seit letzter Woche einen größeren Börsenwert als der finnische Konkurrent. Zwar verfüge HTC über einen deutlich geringeren Umsatz und deutlich niedrigere Absatzzahlen. Doch seine Handys seien teurer und damit rentabler. "HTC hat als erstes Unternehmen eines Schwellenlandes die Regeln der westlichen Mobilfunkindustrie angewandt: Fokussierung auf die Software und das Design, keine Fabriken, hochqualitative, wertvolle Handys. Es scheint fast ein Paradox zu sein, dass ein Schwellenland mit einer Luxusmarke die Europäer aussticht." In Zukunft sei damit zu rechnen, dass Luxuskarrossen, Luxuszüge oder hochwertige Computer aus China oder Indien kommen. "Das bedeutet nicht das Ende der Welt, aber das Ende der Illusion, Schwellenländer seien leicht zu eroberndes Terrain."

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko muss sich um seine Währung sorgen. Quelle: dpa
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko muss sich um seine Währung sorgen. Quelle: dpa

Lukaschenkos Weißrussland steht vor Währungkrise
Die russische Zeitung Vedomostisieht eine Währungskrise in Weißrussland als unvermeidlich. Die Regierung habe zu lang versucht, das Preisniveau zu drücken und den Kurs des weißrussischen Rubels zu stützen, ohne jedoch über genügend Deviseneinnahmen zur Finanzierung zu verfügen. Eines der deutlichsten Anzeichen für diese Entwicklung seien die verzweifelten Maßnahmen der Regierung, etwa ein Verbot auf Bankauszahlungen in Devisen oder der eingeschränkte Verkauf westlicher Währungen wie Euro oder Dollar an die Bevölkerung. Mittlerweile betrage die Differenz zwischen dem offiziellen Dollarkurs der Zentralbank und dem auf dem Schwarzmarkt 20 bis 25 Prozent. Die Importeure hätten gar die Lieferung ihrer Waren eingestellt, weil sie auf einen Kurssturz des weißrussischen Rubels warteten. "Das Modell Lukaschenko ist wirtschaftlich am Ende", kommentiert das Blatt. Um politische Konsequenzen abzuwenden, bleibe dem weißrussischen Herrscher nur noch die Möglichkeit, im Tausch für Zugeständnisse die russische Regierung um Mittel anzupumpen. "Damit würde er sein Ende jedoch nur hinauszögern", schreibt das Blatt.

Hedgefonds im Insiderhandel ausgebremst
Die US-Untersuchungen über Insiderhandel bei Hedgefondsbegrüßt der australische Business Spectator ausdrücklich. Die Vorwürfe, die im prominentesten Fall den Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam betreffen, würden die Elite an der Wall Street auf den Boden zurückholen. Denn bemerkenswert sei, dass selbst Goldman Sachs-CEO Lloyd Blankfein in den Zeugenstand musste, weil ein ehemaliger Direktor der Bank Rajaratnam Insiderinformationen zugespielt haben soll. "Die Anwälte der Beklagten werden versuchen nachzuweisen, dass die Informationen bereits öffentlich zugänglich waren." Ob ihnen tatsächlich Insiderhandel nachgewiesen werden könne, sei ungewiss. "Dennoch zeigen die Untersuchungen der US-Regierung Wirkung: Einige Fonds wurden geschlossen, andere haben ihre Unternehmensgrundsätze angepasst, um nervöse Investoren zu beruhigen. Und es ist nun deutlich schwerer geworden für Hedgefonds, an jene vertrauliche Informationen zu gelangen, die ihrem Aktienhandel bislang einen Vorteil verleihen konnten", jubelt das Blatt.


Mehr Macht für Frauen in Asien
Dass Frauen in Führungspositionen auch im asiatisch-pazifischen Raum zu selten zu finden seien,stellt die Business Times aus Singapur fest. "Asien braucht mehr Frauen in Führungspositionen", gerade jetzt, wo sich der Schwerpunkt der globalen Wirtschaft gen Osten verlagere. Die Gründe dafür lägen in der asiatischen Kultur und Tradition verankert, meint das Blatt: Komplett vernunftgesteuerte Entscheidungen zu treffen, sei heute laut neuesten Forschungsergebnissen veraltet. Die auf Ganzheitlichkeit setzende asiatische Tradition jedoch, basierend auf der Verbindung von Geist und Körper so wie Vernunft und Intuition, habe sich beim Aufbau der Wirtschaft in Asien als erfolgreich erwiesen. Und vor allem Frauen bewahrten solch uralten Werte und gäben sie weiter. Umso wichtiger sei es, diese durch weibliche Führungskräfte in die wirtschaftliche Entwicklung einfließen zu lassen. Das Potenzial dafür stehe zur Verfügung, denn in vielen asiatischen Ländern erlangten immer mehr Frauen Universitätsabschlüsse. Trotzdem seien in Asiens Vorstandsetagen oder in hohen Regierungspositionen Frauen immer noch rar. Es gebe noch zu viele Hürden, die sie zu nehmen hätten. Und doch könne es sich Asien kaum leisten, dieses Problem zu ignorieren.

Fundstück: Sparschweine in Gefahr
Das US-Finanzverbraucherportal Walletpop warnt vor Steuerbetrügern. Eine Studie der Werbe- und Marketingsfirma DDB Worldwide Communications Group habe herausgefunden, dass der typische Steuerhinterzieher männlich, bis 45 Jahre alt und Single sei und lieber Geld ausgebe als es zu sparen. "In einer Umfrage unter 6400 Erwachsenen gaben 15 Prozent an, bei ihrem Lohnsteuerjahresausglich betrügen zu wollen. Auf 64 Prozent dieser Möchtegern-Betrüger traf diese Beschreibung zu." Erschreckend sei, dass die Befragten zugaben, auch in anderen Dingen unehrlich zu sein: So würden sie bei der Angabe ihres Gehaltes schwindeln, sich staatliche Zuschüsse erschleichen, Versicherungen betrügen oder im Restaurant vorgeben, das etwas mit ihrem Essen nicht stimme, um nichts zahlen zu müssen. "Und: Sie sind zehn Mal mehr als andere bereit, sich am Sparschwein ihrer Kinder zu vergreifen." Männlich, bis 45 Jahre alt und Single - bei solchen Personen solle man künftig auf der Hut sein, schlussfolgert das Portal.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt vonecolot.de. Mitarbeit: Kerstin Herrn, Maxim Kireev.