_

Presseschau: Sehnsucht nach der Endzeit

Die Wirtschaftspresse zeichnet eine düstere Kulisse für das heute beginnende Weltwirtschaftsforum in Davos. Auf der Agenda stehen die Krisen von Euro und Kapitalismus und der Vertrauensverlust der Entscheidungselite.

Ein Schweizer Polizist untersucht das Gelände des Weltwirtschaftsforums. Quelle: Reuters
Ein Schweizer Polizist untersucht das Gelände des Weltwirtschaftsforums. Quelle: Reuters

Das Wirtschaftsblatt untersucht die in Davos kultivierten Endzeitfantasien. Dass der aktuelle WEF-Risikoreport den wohlig-gruseligen Titel „Seeds of Dystopia“ trage und darin vom Fall Westeuropas die Rede sei, werten die Österreicher als „klammheimliche Sehnsucht“ nach der Endzeit. „Für Europa würde der Niedergang - politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial - keine Katharsis auslösen, an deren Schlusspunkt ein frischer, erstarkter Kontinent steht“, hält das Blatt dagegen. Zurück bliebe ein „ausgelaugter, ausgebluteter Flecken Erde“, der für Generationen im Schatten anderer, dynamischerer Regionen stehen würde.

Anzeige

Selten hätten sich Politiker und Wirtschaftsführer vor solch einer düsteren Kulisse getroffen, meint der britische Guardian und verweist ebenfalls auf den „Global Risks Report“ des WEF. Als Ausweg skizziert das Blatt die Perspektive eines „Neuen Zeitalters der finanziellen Transparenz und Verantwortlichkeit“. Konkret schlägt der Guardian vor, dass die Steuerbehörden der Länder automatisch Daten austauschen, um illegal gehaltenes Offshore-Geld aufzuspüren. Außerdem solle jedes Unternehmen, das in einem bestimmten Land über fünf Millionen Dollar erwirtschafte, gezwungen werden, Details zu Umsatz, Gewinn, Kosten, Mitarbeitern und Steuern aufzuführen. Schließlich müssten die Geldwäsche-Gesetze international harmonisiert werden.

Internationale Organisationen Aus welchen Ländern die Chefs kommen

  • Internationale Organisationen: Aus welchen Ländern die Chefs kommen
  • Internationale Organisationen: Aus welchen Ländern die Chefs kommen
  • Internationale Organisationen: Aus welchen Ländern die Chefs kommen
  • Internationale Organisationen: Aus welchen Ländern die Chefs kommen


Die Neue Zürcher Zeitung glaubt, dass in Davos mitunter „ein klein wenig Weltgeschichte“ gemacht werden könne, auch sei das World Economic Forum zu einer einzigartigen Diskussions- und Networking-Plattform geworden, die längst weit über das Jahrestreffen hinausreiche. Gleichwohl seien die Ängste von Globalisierungsgegnern und Hoffnungen von Weltverbesserern völlig überhöht: „In Davos wird die Welt nicht neu erfunden und kaum verändert.“

Die Tageszeitung vergleicht die unterschiedlichen Stimmungen in Davos – wo die Systemkrise der Industriestaaten bemerkbar sei –, und beim Weltsozialforum im sonnigen Porto Alegre, wo von Krise allenfalls abstrakt die Rede sei, da sich der globale Süden im Aufwind sehe: einerseits die Länder Lateinamerikas, Indien und selbst Afrikas, die sich zu Motoren der Weltwirtschaft gemausert hätten, andererseits die einstigen Kolonialmächte, die nun die Bittsteller seien. Angesichts des Rollentauschs würde dem reicheren Norden „mehr Demut und Bescheidenheit“ nicht schaden, lautet das Fazit der Berliner.

  • 25.01.2012, 12:17 UhrAnonymer Benutzer: weltenbrand

    Dieses Globaalaballa-Irrenhaus wird den Teufel tun und vielmehr alles mit in den Abgrund reißen - und das ist auch gut so!!! Denn ob wie bei Ihnen jeglicher objektiver Prozess(Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate - der "Kapitalismus" alias "Marktwirtschaft" ist nach seinen eigenen "Kriterien" schon lange "unrentabel" und wurde in den letzten dreißig Jahren nur durch die größte Wechselreiterei aller Zeiten künstlich beatmet.) durch esoterisch-psychologische Verkürzung ausgeblendet wird, oder wie im anschliessenden Kommentar gar Verfolgungswahn zur "Weltverschwörungstheorie" mutiert - nie steht der den Menschen objektiv gegenüberstehende "Verwertungszwang" alias "Gewinne machen" zur Disposition, also das System, das auf ewiger Anhäufung menschlicher wertschöpfender Arbeitszeitmengen, dargestellt in der Geldform, beruht, gleichzeitig aber diese menschliche Arbeitskraft durch die konkurrenzgetriebene Produktivkraftentwicklung sukzessive überflüssig macht. Und deshalb wird weder ein weinerliches, ein vermeintlich "ganzheitliches Individuum" halluzinierendes Gutmenschengeschwafel etwas bewirken noch ein wie im nächsten Kommentar zurechtgedengelter "Das-gute-Geld-und-der-böse-Zins-Schwachsinn" (Der tolle "Zins" ist ja, wie auch "Steuern", "Dividenden" u.ä., nur ein Teil des "Profits". Der jedoch ist wiederum das Produkt aus "Profitrate" multipliziert mit der "Anzahl der Arbeiter". Und wenn nun ein Faktor eines Produkts gegen Null tendiert, dann auch das Produkt. Merke: „Die Größe des Mehrwerts ist die Schranke der Größensumme der Teile, worin er zerfallen kann.“) etwas bewirken, sondern nur ein ultrakrasser Weltfaschismus. Da das jedoch ein Pfui-Wort ist, mündet das letzte Kapitel der "Reise nach Jerusalem" (Der Großteil der so genannten "Nationalökonomien" ist auf dem tollen "Weltmarkt" schon "niederkonkurriert" worden - alias "Failed States) im wunderschönen Gattungsharakiri.

    Mit aufrichtiger Schadenfreude
    und apokalyptischem Gigatodgruß

    weltenbrand

  • 25.01.2012, 11:10 UhrAnonymer Benutzer: www.steuerembargo.co.de

    Es ist schon erschrecken und es feheln einem fast die Worte, immer wieder zu hören und zu lesen, wie eingefahren die Denkmuster der menschen geworden sind, durch massive systemkonforme Medien!
    Da meinen doch allen Ernstes Menschen, dass die sog. Erungenschaften Europas und speziell Deutschlands, das Maß der Dinge seien und dass alle Welt dies genau so nachmachen müsse!
    Auch wenn man als Mensch nicht sehr viel in der Welt rum kommt, so hat man doch eine Überfülle anderer Möglichkeiten, sich wenigstens ein wenig objektiv zu informieren. Deutschland sei das Land der Touristen, das mag zwar quantitativ stimmen, aber wenn man mal den Tourismus in die beliebtesten Touristengebiete abzieht (deutsche exclaven) und die All-inclusiv Destinationen ebenfalls, deren Anlagen meist nicht verlassen werden, so bleibt von der Weltoffenheit nicht mehr viel übrig, wie man immer wieder erfahren muss, wie hier bei dem Kommentator auch!
    Die Unfähigkeit die Fakten zu sehen und sie auch noch zu akzeptieren ist offensichtlich eine Hürde, die durch jahrzehntelange Gehirnwäsche aufgebaut wurde und die sich die wahren Politiker über ihre Politmarionetten zunutze machen.

    Jede Kultur hatte und hat einen Anfang und ein Ende und die Industriekultur der bisherigen Industrieländer läuft eben in zunehmendem Tempo aus. Bis auf ein paar exclusive Luxusgüter, die aber meist auch schon in den sog. Schwellenländern produziert werden, gibt es doch dort nichts mehr, was nicht anderswo besser und weil in Massen, auch noch billiger produziert werden kann. In Massen, so lange bis auch das Luxusprädikat dahin ist!
    Alles was in diesen bisherigen Industrieländern bleibt, ist der Ersatzbedarf, weil neuer Bedarf kaum noch zu generieren ist und wenn, dann zu Marketingkosten, die den damit zu erzielenden Profit oft übersteigt.
    Hingegen gibt es in den Schwellenländern mit ihren rd. 5 Milliarden Menschen einen immensen Binnenmarkt für Produkte, die sie aber selbst produzieren können.

  • 25.01.2012, 10:22 UhrAnonymer Benutzer: NWO_versus_Bibel

    Das alles ist so gewollt, weil der ganzen Welt ein neues System übergetülpt wir, das unter globaler Herrschaft einiger Weniger (der so genannten Illuminaten) steht.

    Wer wissen will, wie weshalb was so ist kann lesen unter

    www.wasistlosindieserwelt.de
    http://lupocattivoblog.wordpress.com

    Das Ganze hat viel tiefere Zusammenhänge als manch Einer sich vorzustellen vermag. Nichts ist ohne Grund so - es steckt eine böse Planung dahinter.

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.