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Presseschau: Stresstest: Applaus für öffentlichen Striptease

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt die Ergebnisse des "Stresstests" durch die US-Regierung. Der Weg der Transparenz sei richtig. Jetzt komme es darauf an, ob es den Instituten gelinge, ihre Kapitalreserven aufzustocken. Außerdem müsse die Niedrigzinspolitik der Fed sowie die staatliche Kontrolle des Finanzmarkts zurückgefahren werden.

Quelle: ap
Quelle: ap

Die US-Regierung hat die Ergebnisse ihres "Stresstests" offengelegt. Demnach müssen die großen US-Banken ihre Kapitalreserven um 74,6 Milliarden Dollar aufstocken; zehn der 19 untersuchten Institute haben demnach zusätzlichen Kapitalbedarf. Das Wall Street Journal erkennt in der Tatsache, dass das US-Finanzsystem den "öffentlichen Striptease" besser verkraftet habe als von den meisten Analysten vor drei Monaten erwartet, die gute Nachricht des Tages. Angesichts der positiven Entwicklung der Wertpapiere von Banken seit Januar habe sich das vertrauensstiftende Bemühen der US-Regierung um Transparenz offenbar ausgezahlt. Die größte Frage sei nun, wie sich das Risiko des Leitzinses entwickele. Die durch die Notfall-Operationen der Federal Reserve auf beinahe Null gesenkten kurzfristigen Zinsen könnten längerfristig nicht auf diesem Niveau bleiben, meint die Zeitung - je länger die Fed die Zinsen so niedrig halte, desto höher müssten die Zinsen am Ende steigen, um Inflation zu verhindern. Fazit des WSJ: Das Beste, was zu den Stress-Tests gesagt werden könne, sei, dass sie nun vorüber sind. "Jetzt besteht die dringlichste Aufgabe darin, das Finanzsystem wieder von staatlichen Garantien, Steuergeld und politischer Kontrolle zu befreien."

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Nach Einschätzung der New York Times sind besonders die Zahlen einzelner Asset-Kategorien "schockierend": So drohe beispielsweise die Bostoner State Street bei den Unternehmenskrediten 23 Prozent des Portfolios bis 2010 zu verlieren; bei den Kreditkarten reichten die prognostizierten Ausfälle von 17 (Sun Trust) bis 38 Prozent (KeyCorp). Diese Zahlen zeigten zwar nicht, wie hoch am Ende die Kreditausfälle tatsächlich seien, vermittelten aber ein Bild, wie sehr"Easy Credit" einst außer Kontrolle geraten sei. "Das ist sicherlich eine Anklage für die Managements, die die Kredite kreiert haben, sowie für die Regulatoren, die untätig daneben standen, als die Kreditvergabestandards ein historisches Tief erreicht haben." Vor diesem Hintergrund seien die "Stress-Tests" erfolgreich gewesen: Die Öffentlichkeit habe zumindest aktuell - und anders als seinerzeit beim Kollaps von Lehman Brothers - den Eindruck, dass die Regierung die Situation beherrsche. "Das wird helfen, aber am Ende sind es die Wirtschaft und die aktuellen Verluste, die darüber entscheiden, wie schnell sich das Finanzsystem wieder erholt.

Auch die Financial Times begrüßt das Instrument des "Stress-Tests". Selbst diejenigen, die die Berechnungen der Regierung angezweifelt hätten, verfügten nun über weitaus bessere Informationen, um den Zustand der Banken zu beurteilen. Außerdem sei mit einer Verhaltensänderung bei den Banken zu rechnen - diese hätten nun wenig Anreize, ihre toxischen "legacy assets" zu behalten. Außerdem würden schwächelnde Banken jetzt angehalten, ihre Nicht-Kerngeschäfte zu verkaufen, um Kapital zu beschaffen, statt den Staat als Anteilseigner an Bord holen zu müssen. Auch für die US-Regierung sei das Resultat der Tests überzeugend. Während anfangs, angesichts des sich verdüsternden wirtschaftlichen Ausblicks, unklar gewesen sei, ob die Tests tatsächlich "stressig genug" seien, wirkten die Analysen nun, da die Banken wieder starke operative Ergebnisse vorlegten, beruhigend.

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