_

Presseschau: S&P-Drohung ist unangenehm, aber harmlos

Die internationale Wirtschaftspresse sieht die Drohung der Ratingagentur S&P, die Bonität der Euroländer zu senken, gelassen. Skeptisch blicken die Blätter einmal mehr auf die Pläne von Merkel und Sarkozy.

Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy. Quelle: AFP
Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy. Quelle: AFP

Das höchste Rating für in Europa könnte binnen drei Monaten nur noch AA statt AAA heißen, schreibt die britische Financial Times. Die Warnung der US-Ratingagentur S&P an die verbliebenen sechs Staaten mit bester Bonität sei lediglich das Eingeständnis des Offensichtlichen: „Es gibt keine risikofreie Anlage mehr in der Eurozone“. Für die Länder selber sei die Warnung zwar unangenehm, jedoch keine echte Bedrohung. Selbst bei einer Herabstufung auf AA würden Staatspapiere noch immer die sicherste Anlagemöglichkeit darstellen. Außerdem hätten sie kaum Konkurrenz zu fürchten. Die USA und Japan, längst auf AA herabgestuft, könnten noch immer zu rekordverdächtig niedrigen Zinssätzen frische Kredite bekommen. Für die EFSF gelte dies jedoch nicht. Eine Herabstufung würde ihre Fähigkeit, schwächelnden Peripheriestaaten unter die Arme zu greifen, weiter einschränken.

Anzeige

Auch der australische Business Spectator sieht in der Drohung von S&P nichts Anderes als eine „Bestätigung des Offensichtlichen“. Sie könne jedoch den Staaten mit dem höchsten Rating helfen, sich auf den Gipfel am Freitag besser zu konzentrieren. Man habe nicht erst S&P gebraucht, um zu erfahren, dass einige Staaten mit steigenden Risikoaufschlägen zu kämpfen hätten. „Wenn sogar Deutschland Probleme hat, Geld zu einem vernünftigen Preis zu beschaffen, wissen doch alle, dass die Gläubiger eine mögliche Katastrophe in Europa bereits einpreisen“, kommentiert das Blatt. Die Drohung einer Herabstufung mache die Krise noch komplizierter. Zunächst gebe es Institutionen, die nur AAA-Papiere halten dürften. Auch die Kreditkosten der EFSF dürften damit steigen. Die drohende Herabstufung werde die Gipfelteilnehmer daran erinnern, dass sie dieses Mal etwas Konkretes und Überzeugendes präsentieren müssen.

Das US-amerikanische Wall Street Journal kritisiert unterdessen die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich im Vorfeld des Gipfels am Freitag. Trotz der positiven Reaktion der Märkte scheine es noch immer keine umfangreiche Lösung zu geben. Diese wäre jedoch notwendig, um einige langfristige Fragen zu klären. Vielleicht seien die Märkte aber auch einfach froh, dass Merkel und Sarkozy überhaupt zu einer Übereinkunft gekommen seien, angesichts der Tatsache, dass ihre Positionen in den vergangenen Wochen weit voneinander entfernt gewesen seien. Beide Seiten wollten die Regeln der Eurozone durch automatische Strafen für übermäßige Schuldentreiber verschärfen. Die Verantwortung für die Einhaltung der Disziplin verbleibe jedoch bei den Staaten, wie von Sarkozy gewollt. Ob dieser Plan die EZB zum Handeln bewegen könne, hänge davon ab, ob sie die Lage der Eurozone als dermaßen düster betrachte, dass sie über die Schwächen des Plans hinwegsehen könne. Schließlich ähnele dieser dem bisherigen Stabilitätspakt, der sich als ineffektiv erwiesen habe. Auch gebe es keinen Mechanismus, der die Staaten zur Disziplin zwinge, sobald sich der Druck der Märkte löse. Staaten, denen das Sparen jetzt bereits schwer falle, könnten auf die Geldstrafen unempfindlich reagieren.

 Auch die Börsen-Zeitung gibt sich skeptisch. Dem Duo Merkel und Sarkozy sei es zwar gelungen, die Hoffnungen auf eine Wende in der Eurokrise zu wahren. Viel mehr sei die Ansage vom Wochenende jedoch nicht wert. Es bleiben noch eine Reihe von Fragen, etwa, ob das Euroland auch Frankreich bei unsolider Haushaltsplanung „in die Parade fahren“ werde. Außerdem sei unklar, wie das Duo die Vorbehalte der anderen Länder gegen eine EU-Vertragsänderung zerstreuen wolle. Allerdings komme es vielen Investoren auch nicht auf den Inhalt der Gipfel-Ergebnisse an, sondern auf das politische Signal. „Ein Kalkül dabei ist, dass die Rückendeckung der EZB größer werden könnte, je strenger sich die Euro-Staaten gegenseitig in die Pflicht nehmen“, analysiert die Zeitung.  

Die russische Zeitung Vedomosti kritisiert den Präsidenten Dmitri Medwedew für seine Unfähigkeit, Fehler einzuräumen. Er sei nicht umsonst der Ziehsohn von Wladimir Putin. Im Tandem der Beiden, existierten schlechte Nachrichten prinzipiell nicht. Wenn etwa über die Finanz- und Wirtschaftskrise gesprochen werde, dann nur über die Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen der Regierung. Wenn die Kremlpartei einen Viertel ihrer Unterstützer verliere, dann sei das nur das Ergebnis von Demokratisierung. Hätte Einiges Russland wieder 64 Prozent geholt, würde dies zum Zeichen der Zufriedenheit des Volkes deklariert. Der Präsident habe gestern Gouverneure gerügt, deren Regionen schlechte Ergebnisse für die Regierungspartei geliefert hätten. Fazit: Medwedew verstehe nicht, dass die Menschen gegen diese Herangehensweise, sich zu weigern, die Dinge beim Namen zu nennen, abgestimmt hätten.

  • 06.12.2011, 11:14 UhrJuma

    Die Spitzenpolitiker streben eine Transferunion mit gemeinsamer Haftung an - jetzt erhalten sie die Rechnung.

  • 06.12.2011, 10:26 UhrAnonymer Benutzer: globalecho


    EUROPA muss sich vom Diktat der USA und FED-Gründer-Clans befreien !

    Friedensvertrag bestimmen " Ami go home "

    Eigene Rating-Agenturen aufstellen.

    Zockerei/Spielcasino an den Börsen Europas verbieten.

    Abgrenzen dass wir nicht mit Billig-Dollars überschwemmt werden

    Nicht jeden Billigschrott aus China importieren/konsumieren

    Schulden und Zinsen einfrieren - ob das den Investoren passt oder nicht .

    Wirtschaftlich-soziale machbare Konzepte erarbeiten und umsetzen - ohne korrupte Vermittler

  • 06.12.2011, 10:11 UhrUmoppelopter

    Was heißt denn hier "harmlos" ? Es wurde in x Kommentaren hier in dieser Zeitung eigentlich schon alles gesagt: --> Das Verlustrisiko bei Anlagen in der Euro-Zone nimmt zu, da das merkwürdige Konstrukt "Euro-Raum" mit seinen politisch Handelnden ein zahnloser Bettvorleger ist, der mit zunehmender Wahrscheinlichkeit zu Lösungen, die von der jeweiligen Bevölkerung mitzutragen wären, nicht fähig ist. Bald ist's vorbei. War eine gute Idee, aber trotz frühzeitiger Warnungen absolut dilettantisch angegangen. Also: Abriss und Neuaufbau!

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.