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Presseschau vom 8.9.2008: Fannie und Freddie oder das Ende einer Ära

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Entscheidung der US-Regierung, die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac unter Zwangsverwaltung zu stellen. Der Daily Telegraph befürchtet eine chinesische Invasion. Das Journal des Finances ergründet die Erfolgsmethoden des Investors Romain Zaleski. Fundstück: Microsoft bäckt köstlichen Kuchen.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Das "Ende einer Ära", urteilt das amerikanische Börsenportal MarketWatch.com zur Rettung der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. "Beide wurden geschaffen, um Finanzierungen auf dem Immobilienmarkt zu unterstützen und forcieren, doch ihnen wurde erlaubt, weniger Reservekapital vorzuhalten als andere Finanzinstitute. Als die Krise dann ausbrach, verfügten sie über ein dünneres Sicherheitspolster." Es sei heftig darüber debattiert worden, ob die Regierung einspringen solle, Kritiker hätten vor allem angeführt, dass vornehmlich das Missmanagement die beiden Banken in den Niedergang geführt habe - und diese deshalb bankrott gehen sollten. "Doch schädliche Bilanzskandale, inadäquate Kapitalreserven und der zusammenbrechende Immobilienmarkt waren selbst für die Bush-Administration zu viel. Im Wahljahr wurde der Häusermarkt plötzlich zum zentralen Thema, der Markt verlor sein Vertrauen in die Hypothekenverleiher und ihre Finanzkosten stiegen auf ein unhaltbares Niveau."

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Als "vorsorglichen Konkurs" wertet die Süddeutsche Zeitung die Entscheidung der US-Regierung. Die schlechte Nachricht dabei sei, dass die Finanzkrise schwerer sei und länger dauere, als viele bis vor kurzem noch gehofft hätten, die gute Nachricht, dass Washington jetzt die volle Verantwortung übernommen habe: "Es gibt kein Schöntun, kein Kleinreden mehr." So sei die Zwangsverwaltung für Fannie und Freddie Teil eine umfassenden gesellschaftlichen und ökonomischen Korrektur: "Der Aufschwung der Bush-Jahre war zu einem erheblichen Anteil ein Aufschwung auf Pump, möglich dank äußerst niedriger Zinsen." Damit sei nun Schluss: "Die Vereinigten Staaten müssen zu solidem Finanzgebaren zurückkehren." Dazu zählten u. a. konservative Standards in der Hausfinanzierung, die Sanierung der Staatsfinanzen oder die Neuregulierung der Finanzmärkte. Dieser Prozess der Umstellung werde hart werden: "Aber er hat immerhin begonnen."

Die International Herald Tribune sieht in der Hilfsaktion für Fannie und Freddie nur das letzte in einer Reihe von Finanzmanövern der US-Regierung, deren Anfänge bis zur Rettung von Lockheed Aircraft und Penn Central Railroad unter US-Präsident Richard Nixon zurückreichten. Trotz der anhaltenden Rhetorik von Republikanern und Demokraten, den Freien Markt zu wollen und zu forcieren, blicke Washington auf eine lange Geschichte von Finanzhilfsaktionen zurück. "Es hat ganz den Anschein, dass die Hypothekenkrise die Regierung erneut dazu gebracht hat, die Ideologie beiseite zu schieben und zum ?bailout business? zurückzukehren." Sollte auch nur irgendjemand daran geglaubt haben, dass die USA ein freies Finanzmarkt-System pflegten, solle er das noch mal überdenken. Zu den Kosten bemerkt das Blatt: "Auch wenn es Zehntausende Milliarden Dollar kosten sollte, Fannie und Freddie zu erhalten, dürfte der Einsatz für Farm Credit und seine Spar- und Darlehenssysteme in den späten 80ern die teuerste Hilfsaktion bleiben." Eine Wahl habe der Staat letztlich nicht gehabt: "Fannie und Freddie sind nun mal Geschöpfe des US-Staates. Da hatte die US-Regierung kaum Spielraum in ihrer Entscheidung."

BusinessWeek beleuchtet die Konsequenzen für die Steuerzahler. "Noch ist es unmöglich abzuschätzen, wie viel Steuergelder die Rettungsaktion kosten wird. Sollten die Immobilienpreise sich wieder erholen und die Anzahl an Vollstreckungserklärungen nicht allzu stark zunehmen, könnte die Aktion den Staat wenig oder gar nichts kosten - weil das Finanzministerium Gewinne für seine Anteile erhielte und sich die gesicherten Darlehen bezahlt machten." Dennoch sei Kritik vorprogrammiert, denn die Aktion gefährde in erster Linie die Steuerzahler - während der Wert von Fannie-und-Freddie-Obligationen und der auf Hypotheken basierenden Sicherheiten stiegen. "Und diese werden von Banken und Investoren auf der ganzen Welt gehalten. Die einzigen, die keinen Nutzen aus der Rettungsaktion ziehen dürften, sind die gewöhnlichen Anteilseigner von Fannie und Freddie: Sie stehen in der Warteschlange ganz hinten."

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