
München (SID) - Der Prozess gegen Formel-1-Pilot Adrian Sutil wegen gefährlicher Körperverletzung geht in einen zweiten Verhandlungstag. Nach ersten Aussagen unter anderem von Sutil und dem von ihm mit einem Glas am Hals verletzten luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux könnte Richterin Christiane Thiemann am Dienstag bereits ein Urteil fällen, falls sich die Verteidigung und die Anklage nicht noch vorher auf einen "Täter-Opfer-Ausgleich" einigen. Gespräche darüber waren am Montag bereits unmittelbar nach Sitzungsende noch direkt vor dem Gerichtssaal aufgenommen worden. Gericht und Staatsanwaltschaft müssten einer Einigung zustimmen.
Der 29 Jahre alte Sutil aus Gräfelfing hatte sich zu Beginn der Verhandlung vor dem Amtgericht München bei Lux für den Vorfall entschuldigt, aber zugleich betont, dass er nicht absichtlich gehandelt habe. "Es tut mir leid, wahnsinnig, ich wollte es nicht", sagte der Rennfahrer.
Sein Anwalt Jürgen Wessing, Deutschlands Strafverteidiger des Jahres 2010, war in der Verhandlung darauf aus, zumindest den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung zu entkräften, wofür ein Vorsatz gegeben sein müsste. "Freisprüche sind nicht das, was man hier häufig hört, aber wir gehen in die Richtung", sagte Wessing in einer Verhandlungspause.
Neben Sutil und Lux, Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Rennstalls, wurden weitere Zeugen vernommen, unter ihnen auch der Belgier Jérôme d'Ambrosio, der nach dem Aus bei Virgin für 2012 bei Lotus als Ersatzfahrer angeheuert hat. McLaren-Pilot Lewis Hamilton, eigentlich ein guter Freund von Sutil, hatte sich als Zeuge entschuldigen lassen und vorab mitgeteilt, er habe nichts gesehen. Anders der als Zeuge aussagende Youssef Hammad, der als Gast von Lux in dem Club war. Er hatte die fragliche Situation gesehen und von einer Art Ohrfeige gesprochen. Ein im Saal gezeigtes Überwachungsvideo aus der Disco brachte nicht viel Klarheit über den Ablauf.
Sutil hatte Lux am Abend des 17. April 2011 nach dem Großen Preis von China in einer Disco in Shanghai mit einem Glas am Hals verletzt. Die neun Zentimeter lange Wunde musste mit 24 Stichen genäht werden, zwei Narben von 7,5 und 1,8 Zentimetern blieben zurück. Später hatte Lux Sutil angezeigt und für eine außergerichtliche Einigung offenbar hohe Forderungen, auch finanzieller Art, gestellt. Sutil erklärte, dass er nach dem Vorfall mehrfach versucht habe, sich bei Lux zu entschuldigen. Der habe diese Versuche aber lange abgeblockt. Erst am 26. November war es in Brasilien zu einem persönlichen Treffen gekommen.