
Barcelona (SID) - Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel scheint für das Unternehmen Titelverteidigung bestens gerüstet. An seinem vorletzten Testtag vor dem Saisonstart am 27. März in Melbourne fuhr der Red-Bull-Pilot am Mittwoch in Barcelona überlegen zur Bestzeit und untermauerte damit den Eindruck, dass die "Bullen" auch 2011 wieder die Messlatte in der "Königsklasse" sein dürften.
"Alles in allem war es ein guter Tag für uns. Wir haben versucht ein bisschen zu spielen und das ganze ein bisschen schneller zu machen. Ich denke, wir haben viel gelernt", sagte Vettel, der aber noch ein bisschen vorsichtig ist: "Ein Siegerauto ist es erst, wenn es ein Rennen gewonnen hat."
Am Dienstag war Vettels Teamkollege Mark Webber der Schnellste gewesen, doch dessen Zeit unterbot der 23-Jährige nochmals um rund sieben Zehntelsekunden. So schnell war in diesem Jahr auf dem Circuit de Catalunya, der als gute Referenzstrecke gilt, noch kein anderer Pilot.
Webber ist unterdessen die ständigen Fragen nach dem Verhältnis zu Vettel leid. "Wir zwei haben im letzten Jahr viel gelernt", sagte Webber am Rande der Testfahrten in Barcelona, als er wieder einmal auf den deutschen Weltmeister angesprochen wurde: "Es ist langsam wie eine hängende Schallplatte. Ich hoffe nur, wenn ich mal 70 bin, fragen mich die Leute nicht mehr, ob ich Sebastian mag."
Der 34 Jahre alte Australier hatte sich im vorigen Jahr mehrfach darüber beklagt, dass sein jüngerer Teamkollege intern bevorteilt würde. In der Schlussphase der Saison, als er selbst noch die WM-Wertung anführte, forderte Webber dann mehr Unterstützung für sich ein. Unvergessen sind der teaminterne Crash in Istanbul und Webbers sarkastischer Kommentar nach seinem Sieg in Silverstone. "Nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer", hatte er damals unmittelbar nach der Zieldurchfahrt über den weltweit per TV zu hörenden Boxenfunk gesagt.
Mateschitz versichert gleiche Behandlung
Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz versicherte allerdings in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), dass Webber und Vettel auch 2011 absolut gleich behandelt würden. "Ohne Frage. Das weiß der Mark, das weiß der Sebastian", sagte Mateschitz: "Von Hause aus sind beide dahingehend gleichberechtigt, dass beide dasselbe Material haben werden."
Wie in der vorigen Saison, als Red Bull im Titelrennen bis zuletzt beiden Fahrern freie Fahrt gewährte und so am Ende Vettels Titelgewinn möglich machte, gebe es "auch in diesem Jahr für uns keine Wertung, kein Rating". Mateschitz: "Es kann sich bestätigen, dass wieder Sebastian um diese Nuance vorne sein wird. Aber das findet dann ohnehin in den Ergebnissen und Punkten seinen Niederschlag."
Vettel sei aber auch keine Maschine, die immer zu diesen Höchstleistungen fähig sein werde, meinte der 66 Jahre alte Milliardär aus Österreich: "Es kommt ein bisschen Glück dazu, es kommen ein bisschen technische Probleme dazu. Ich hoffe, es bleibt wieder während des ganzen Jahres spannend. Wer dann zum Schluss die Nase vorn haben wird, hängt von so vielen Faktoren ab. Wir sind ja keine Wahrsager, dass wir das vorher wissen."
Buemi belegt Platz zwei hinter Vettel
Am nächsten an Vettel heran kamen am Mittwoch der Schweizer Sebastien Buemi im Toro-Rosso-Ferrari, dem aber auch mehr als eine halbe Sekunde fehlte, und Nick Heidfelds russischer Renault-Teamkollege Witali Petrow. McLaren-Pilot Lewis Hamilton (Großbritannien) hatte als Vierter schon eine Sekunde Rückstand, Nico Rosberg im Mercedes-Silberpfeil als Achter sogar knapp vier Sekunden.
Allerdings hatte das Mercedes-Werksteam am Mittwoch noch nicht alle Teile des geplanten großen Updates am Auto, am Donnerstag sollen unter anderem noch ein neuer Front- und Heckflügel dazukommen. Dann wird Rekordweltmeister Michael Schumacher im Silberpfeil sitzen.
Unterdessen wurde am Mittwoch das 24. und letzte Cockpit für die Saison 2011 vergeben. Der Italiener Vitantonio Liuzzi, im vorigen Jahr noch bei Force India Teamkollege von Adrian Sutil, bekam bei Hispania den vakanten Platz an der Seite des Inders Narain Karthikeyan. "Ich habe die Hoffnung auf einen Platz in der Formel 1 nie aufgegeben, weil ich über Erfahrung verfüge und die richtigen Voraussetzungen für ein junges ambitioniertes Team mitbringe. Es ist eine neue Herausforderung, ich bin begeistert", sagte Liuzzi.