62. IAA
Toyota hat keine Angst vor Hybrid-Konkurrenz

Den japanischen Autokonzern Toyota schreckt die wachsende Konkurrenz bei Autos mit Hybridantrieb nicht. „Wir begrüßen, dass andere jetzt nachziehen“, sagte Toyotas Europachef Tadashi Arashima dem Handelsblatt. „Je nachdem, welchen technischen Weg unsere Wettbewerber einschlagen, könnte das die Technik für die Käufer günstiger machen.“

FRANKFURT. Die Japaner wollen den Absatz von Autos mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor steigern. Möglichst bald nach dem Jahr 2010 rechnet er mit insgesamt einer Million verkaufter Einheiten pro Jahr, teilte Arashima auf der Automobilausstellung IAA mit. Bislang bietet Toyota in Europa unter seiner Kernmarke nur das Kompaktmodell Prius an. Arashima bestätigte, dass an weiteren Fahrzeugkonzepten mit Hybrid gearbeitet werde, wollte sich aber nicht zu Einzelheiten äußern.

Beim Ziel, den von der EU-Kommission erwarteten Grenzwert für den Ausstoß von CO2 zu erreichen, setzt Toyota parallel auf Diesel-Technik. Der Nachholbedarf ist groß. Aktuell liegt der Diesel-Anteil bei den in Deutschland verkauften Modellen der Japaner lediglich bei 33,7 Prozent. Im Schnitt fährt aber jeder zweite hier zu Lande verkaufte Neuwagen mit Diesel.

In der CO2-Debatte plädiert wie der europäische Branchenverband ACEA auch der Automanager dafür, die geplanten Grenzwerte zu verschieben. „Das Emissionsziel von 140 Gramm pro Kilometer erreichen wir auf Flottenbasis bis 2009, für 120 Gramm brauchen wir mehr Zeit“, sagte Arashima dem Handelsblatt. Er schlage vor, „den Fahrplan bis 2015 zu strecken“. In Japan haben die Hersteller bis dahin mit der Umsetzung Zeit, in Europa sollen sie die Emissionsziele bereits bis zum Jahr 2012 erreichen.

Meldungen, der im April mit gewaltigem Marketingaufwand eingeführte Kompaktwagen Auris bleibe unter den Erwartungen, widersprach der Europa-Chef. „Das Auto ist ein Erfolg“, sagte er. Der Absatz liege derzeit 20 Prozent über dem des Vorgängermodells im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2006. Gemeint ist die Fließheckvariante des Toyota Corolla, die sich allerdings zum Ende ihres Modellzyklus immer schlechter verkaufte. Vom Auris will Arashima europaweit in diesem Jahr 160.000 Exemplare absetzen, im kommenden Jahr sollen es 200.000 sein.

Angesichts der starken Konkurrenz heimischer Autobauer rechnet Arashima nicht mit großen Zuwächsen. „Deutschland ist für uns der schwierigste Markt in Europa“, sagte er. Toyotas Anteil am hiesigen Automarkt liegt für dieses Jahr kumuliert bei 4,3 Prozent. Das von VW-Chef Martin Winterkorn in den vergangenen Tagen immer wieder bekräftigte Vorhaben, Toyota international einzuholen, sieht er gelassen. „Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte“, sagte Arashima. Toyota, ist in diesem Jahr dabei, den bislang amtierenden Weltmarktführer General Motors abzulösen, und strebt für das Jahr 2009 mit mehr als zehn Millionen verkauften Neuwagen weltweit einen neuen Branchenrekord an. Zukäufe anderer Hersteller lehnen die Japaner weiter ab. „Wir haben keine Übernahmepläne, sondern gehen unseren eigenen Weg weiter“, sagte Arashima. Allerdings sei der Konzern offen für Kooperationen.

Das Engagement in der Königsklasse des Motorsports sieht der EUropachef kritisch. Die Formel 1 habe Toyota in den ersten Jahren geholfen, den Bekanntheitsgrad in Europa zu steigern. „Die Flitterwochen sind allerdings vorbei“, sagte Arashima in Anspielung auf die anhaltenden Probleme von Toyota, in der Formel 1 nach vorn zu fahren. „Der Enthusiasmus bei den Händlern ist verflogen. Noch beschädigt die Formel 1 die Marke aber nicht“, sagte er.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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