Auto-Absatztrends
SUV = Senioren und Versehrte

Glaubt man Marketingabteilungen und der Werbung, so haben alle Autohersteller junge Kunden. Die Realität sieht anders aus. Und das bringt die gute alte Stufenheck-Limousine vielleicht in ein frühes Grab. Ein Kommentar.
  • 37

DüsseldorfDie Springer-Kollegen haben ja so was von recht. SUV stehe gar nicht für Sports Utility Vehicle, hieß es neulich in der Auto Bild, die drei Buchstaben bedeuteten Senioren und Veteranen. Sorry, liebe Tiguan-Fahrer, aber das stimmt und dafür gibt es neue Beweise.

Den ersten liefert Auto-Professor Dudenhöffer, der aktuell in einer Untersuchung belegt, dass die aufgeplusterten Möchtegern-Geländewagen 2011 allen anderen Fahrzeugformen bei den Zulassungen weit enteilten. Die klassische Stufenheck-Limousine droht bald sogar auszusterben, angeblich finden nur Chinesen und schrullige Youngtimer-Sammler die Sänftenform von Santana bis Phaeton noch so richtig geil.

15,7 Prozent Marktanteil für SUVs im Januar 2012 bei den Neuzulassungen, das ist ein eindeutiger Trend. Und wer kauft so was? Der Erfahrungsaustausch mit anderen Auto-Journalisten zeigt: Junge Menschen ganz gewiss nicht. Selbst bei flammneuen Wunschautos, die die Hersteller den Redaktionen für 14-tägige Testfahrten vorbeibringen, vollgetankt vor die Tür stellen und wieder abholen, winken (fast) alle ab, wenn es um Off-Roader für die Stadt geht.

Viele könnten sich privat die überdimensionierten Spritschlucker sowieso nicht leisten, sie leben in Großstädten mit Parkplatznot, sind an Fahrrad, Zug, Kleinwagen und Car-Sharing gewöhnt, da fällt es schon schwer positive Argumente aufzuschreiben.

Die fallen meinem Nachbarn dafür sofort ein, er kann gar nicht mehr damit aufhören, seitdem er seinen alten 7er BMW gegen einen X3 eingetauscht hat. Den Wagen braucht der rüstige selbstständige Unternehmer, der pro Jahr weniger als 10.000 Kilometer fährt, weil er jetzt offiziell das Rentenalter erreicht hat. Seit zwei Jahren und trotz drei Operationen schmerzt zudem das rechte Knie.

Offen gibt er zu, dass sein Auto Eindruck auf andere machen soll, aber er schätzt auch den bequemen Einstieg, die erhabene Sitzposition und das Gefühl, sicher aufgehoben zu sein in einem deutschen Premiumprodukt, das stets in Übereinstimmung mit geltenden Verkehrsvorschriften bewegt wird. Allradantrieb sei ja auch sicherer, verrät er mir, vor allem im Winter. Winter? In Krefeld? In Urlaub fährt er mit dem Auto ja nicht, ist einfach zu weit. Auch wegen des Knies.

Klar, der X5 wäre ihm schon noch lieber gewesen, der macht ja auch mehr her. Probe gefahren hat er ihn. Und mir verraten: Der Wagen passt nur knapp in die alte Garage, die Türen würden aber an der Wand anschlagen, schon beim rückwärts raussetzen wäre er unsicher. Zu unübersichtlich das Trumm.

Da war ich dann wieder ein bisschen beruhigt. Ist das der Anfang vom Ende der SUV-Dinosaurier? Nicht der Klimawandel, der Spritverbrauch, die Stoßstange auf Höhe eines Kleinkindkopfes oder der überflüssige Vierradantrieb. Nein, die schiere Größe, ist es, die nun auch die Senioren erschreckt. Dabei haben die als einzige noch das Geld.

Statistisch gesehen erreichen SUV-Absätze ja gerade ein neues Allzeithoch. Und Autoexperte Dudenhöffer spricht sogar von 18 Prozent SUV-Neuwagenanteil bis 2015.

Ich glaube, es geht bald abwärtsmein ganz persönlicher Rentner-Indikator spricht dafür. Haltet durch, liebe Limousinen und Sportwagen, noch gibt es Hoffnung.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Auto-Absatztrends: SUV = Senioren und Versehrte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich als 22 jähriger fahre einen Audi Q7 und wenn ihr den SUV ""hausfrauenpanzer" nennt ist das reine einferfersucht. Ich nenne die hesslichrn ford oder vw minibuse hausfrauenpanzer weil sie wenig ps aber dicke Karosserie haben und billig sind sie zugleich !! Also denkt lieber noch einmal nach ob ihr SUV so nennt den manchr haben dampf unter der haube mehr als man erwartet !!

  • schön und gut, aber wie spricht das jetzt für diejenigen ohne gehwagen?
    Ich denke über die wird hier gewitzelt.

  • Guten Morgen Deutschland, heute schon Mißgunst gepflegt ?
    Mitleid bekommt Mann, sorry Gleichstellungsgesetz(Frau), geschenkt. Neid muß man sich verdammt schwer erarbeiten. Aber in Germany hat ja jeder die Chance einen SUV zu fahren. Entweder durch Arbeit oder über Kinderreichtum. Ab 7 Stück ist Gauck dann Euer Patenonkel und darf im SUV auch mal mitfahren. Also schafft Euch mehr Kinder an, das ist ne prima Sicherheit für Euer SUV Darlehn bei den Bänkern. Die Senjoren wird`s auch freuen, die bekommen dann endlich wieder Ihre Rentenerhöhung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%