Auto
Neue LKW-Technik soll Unfälle vermeiden

dpa/gms MüNCHEN/STUTTGART. Die Nutzfahrzeughersteller und ihre Zulieferer stecken in der Zwickmühle: Auf der einen Seite rechnet die Europäische Union bis zum Jahr 2030 mit einem Anstieg des Güterverkehrs um 75 Prozent.

Auf der anderen Seite soll die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr bis 2010 auf der Basis von 2001 um die Hälfte sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, werden nun auch Lastwagen mit elektronischen Assistenz- und Sicherheitssystemen aufgerüstet.

Die elektronischen Schutzengel, die auch ein Schwerpunkt auf der Internationalen Automobilausstellung für Nutzfahrzeuge (21. bis 28. September) in Hannover sind, haben nach einer Studie der Allianz in München das Potenzial, die Zahl bestimmter Unfalltypen um bis zu 70 Prozent zu senken. Davon profitieren nicht nur LKW: „Aufgrund der großen Masse von LKW sind die Folgen für die Unfallgegner deutlich schwerer als für die LKW-Insassen“, so ein Mercedes-Sprecher.

Dominiert wird die Statistik insbesondere auf Autobahnen von Auffahrunfällen, auf die etwa jeder zweite Personenschaden entfällt. Abhilfe verspricht ein Abstandsregeltempomat, wie er etwa bei MAN und Mercedes angeboten wird. Dieses System hält nach Angaben von MAN in München automatisch einen konstanten Abstand zum Vordermann und beschleunigt oder bremst selbstständig auf das jeweilige Wunschtempo.

Wären alle Laster damit ausgestattet, könnten 24 Prozent aller schweren LKW-Unfälle vermieden werden, hat die Allianz ermittelt. „Bezogen auf die Autobahn, liegt die Vermeidbarkeit sogar bei rund 70 Prozent“, sagt Johann Gwehenberger, Leiter der Allianz-Unfallforschung. Mercedes hat das System zum „Active Break Assist“ weiterentwickelt. Er soll bei drohenden Auffahrunfällen eine Notbremsung einleiten und den Crash verhindern oder entschärfen.

Nach Angaben von Gwehenberger hilft die Elektronik auch gegen Unfälle, die durch unfreiwilliges Abkommen von der Fahrbahn passieren. Wenn eine Videokamera die Spur kontrolliert und Trucker bei Abweichungen etwa mit einem Nagelbandrattern zur Korrektur auffordert, könnten laut Gwehenberger rund die Hälfte dieser Unfälle vermieden werden. Im nächsten Entwicklungsschritt sollen die Systeme das Fahrzeug auch wieder auf Kurs bringen können.

Zudem arbeiten die Hersteller für den Spurwechsel auf der Autobahn und vor allem für den Verkehr in Städten an Sensoren, die das Umfeld kontrollieren. Auch das elektronische Stabilitätssystem (ESP) kann im Lastwagen einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, zeigten die Stuttgarter Sachverständigenorganisation Dekra und die Schweizer Winterthur Versicherung bei einem Crashtest in Wildhaus. Im Gegensatz zum PKW sind Assistenzsysteme beim LKW aber noch die Ausnahme, kritisieren die Experten. Im Transportgewerbe werde „der Wirtschaftlichkeit gegenüber der Sicherheit häufig Priorität eingeräumt“.

„Für uns steht außer Frage, dass dem Thema Verkehrssicherheit eine hohe Priorität eingeräumt werden muss“, entgegnet Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) in Frankfurt/Main. Doch dürften dadurch keine Nachteile entstehen. Außerdem bezweifelt er den Sicherheitsgewinn: „Es ist unbestritten, dass aktive und passive Assistenzsysteme zur Erhöhung der Sicherheit stetig an Bedeutung gewinnen werden.“ Doch die Technik allein könne keine Unfälle verhindern. Erst wenn der Fahrer die erhaltenen Informationen umsetzt, sei er sicher unterwegs.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%