Autobanken sehen neuen Trend
Kredit ist out, Leasing ist in

Bei der Anschaffung eines neuen Autos setzen immer mehr Privatpersonen lieber auf Leasing-Modelle anstatt der bisher üblichen Kredite. Die herstellerverbundenen Autobanken in Deutschland wollen diesen Trend nach Worten von Heinz-Peter Renkel, Sprecher der Branchenvereinigung AKA, nutzen, um mittelfristig die Hälfte des Gesamtmarktes kontrollieren.

HB FRANKFURT. „Wir erleben eine Verschiebung von der klassischen Finanzierung hin zum Leasing“, sagte Renkel am Donnerstag im Interview mit Reuters. „Die Wachstumsraten kommen dabei aus dem Privatbereich.“ Für viele trete der Besitz eines Fahrzeugs mittlerweile in den Hintergrund. Leasing-Kunden trügen kein Restwertrisiko und müssten sich nicht um den Verkauf des Gebrauchtfahrzeugs kümmern. Zugleich profitierten auch die Kreditinstitute dank höherer Margen von der Entwicklung. „Man verdient am Leasing-Geschäft besser und die Kundenloyalität ist ebenfalls höher“, sagte Renkel, der hauptberuflich in der Geschäftsführung der Ford Financial sitzt. „Wir treiben das bewusst voran.“

Dem Arbeitskreis der Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft (AKA) zufolge werden heute in Deutschland etwa vier Fünftel aller Neufahrzeuge geleast oder über Kredite finanziert. Bezogen auf die Neuzulassungen hielten die zwölf AKA-Mitgliedsinstitute - darunter VW Financial Services oder die DaimlerChrysler-Bank - in den ersten sechs Monaten 2005 ihren Marktanteil mit 39 % konstant. Renkel sieht hier mittelfristig noch Luft nach oben: „Wir wollen uns auf die 50 % zubewegen, das sehen wir als realistisch an.“

Im Neuwagengeschäft wurden im Halbjahr 664 986 neue Verträge abgeschlossen, 2,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei verbuchte das klassische Finanzierungssegment allerdings ein Minus von 10,7 %, während die Leasing-Aktivitäten um 14 % wuchsen und so den Rückgang überkompensierten. Auch bei den Gebrauchtwagen klaffte die Entwicklung zu Gunsten des Leasings deutlich auseinander. Hier wuchs die Zahl der Neuverträge insgesamt um 2,9 % auf 396 968. In Summe kommen die AKA-Mitgliedsbanken auf etwa 11 000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von knapp 80 Mrd. €.

Der zunehmende Preisdruck im deutschen Automarkt geht nach Renkels Worten auch an den Banken der Hersteller nicht spurlos vorbei. „Die Margen sind eigentlich immer unter Druck, aber bislang lassen sich die Margen erwirtschaften, die wir uns vorstellen“, sagte der Manager. „Von einer Rabattschlacht würde ich nicht sprechen.“ Tatsächlich trugen zuletzt etwa bei VW oder DaimlerChrysler die Finanzsparte sogar substanziell zum Konzerngewinn bei.

Die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen, die zuletzt versuchten, mit ihrem Leasing-ähnlichen „S-Auto-Kredit“ wieder an Boden zu gewinnen, sieht der AKA nicht als ernsthafte Konkurrenz. „Wir haben auch in der Vergangenheit solche Wellen gesehen, aber das ist stets wieder abgeebbt“, sagte Renkel. Er erwarte keinen nachhaltigen Vorstoß der Institute in den Bereich der Autofinanzierung. Für weitaus mehr Konkurrenz sorgten ausländische Institute. So sei die zur spanischen Großbank Santander gehörende CC-Bank, die als herstellerunabhängige Autobank agiert, der größte Wettbewerber. Diese kam 2004 im Kfz-Bereich alleine auf 817 000 Neufinanzierungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%