Autoindustrie in Genf in der Defensive
Grüner Salon

Die Autoindustrie steckt in der Defensive: In der Klima-Diskussion stehen vor allem die deutschen Hersteller mit ihren Sprit schluckenden Premiummodellenin der Kritik. Auf dem Automobilsalon in Genf kontert die Branche mit neuen Sparkonzepten.

GENF. Der Tag, an dem der Genfer Autosalon für das Fachpublikum seine Pforten geöffnet hat, ist mild. Die Meteorologen hatten für Dienstag zwölf Grad für den Ort in der Schweiz vorausgesagt. Doch die gefühlte Temperatur auf der Autoshow, die als wichtiges Stimmungsbarometer für die Branche im Frühjahr gilt, dürfte ein paar Grad höher liegen. Denn die Gemüter sind erhitzt. Nicht die Freude über noch mehr PS und noch dickere Reifen wird die Messe am Lac Leman beherrschen. Eine heiße Debatte über Klimaschutz und CO2-Ausstoß bestimmt stattdessen auf der Autoshow die Diskussion – und vor allem die deutsche Industrie kämpft um ihren Ruf.

Denn das von der Industrie angeführte Argument, die Kunden kauften die großen, leistungsstarken Autos, zieht nach Ansicht des Gelsenkirchener Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer nicht mehr: „Mit den Klimazielen ist der Branche klar, wo es langgehen muss.“ Dudenhöffer kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem Versäumnisse des Branchenverbandes VDA. „Die Industrie würde besser dastehen, wenn der VDA eine andere Richtung eingeschlagen hätte.“ Die Hersteller verfügten über alle Techniken. „Die Industrie hätte schon vor einem Jahr mit einem eigenen Vorschlag in der CO2-Debatte kommen müssen.“

Für die Messe in Genf verspricht der VDA nun eine Vielzahl verbrauchsärmerer Modelle in allen Segmenten. Es werde eine„Innovationsoffensive zur Einführung klimafreundlicher Technologien“ geben, kündigte VDA-Präsident Bernd Gottschalk an. Die deutsche Industrie, in den vergangenen Tagen erneut von Politikern und Verbänden scharf kritisiert, will so schnell wie möglich aus der Schusslinie. Bei den rund 80 Welt- und Europapremieren stehen deshalb diesmal nicht in erster Linie PS-starke Boliden, sondern auch schadstoffarme und Sprit sparende Autos im Mittelpunkt des Interesses. „Für die Autohersteller ist es wichtig zu zeigen, dass man bereit ist, die Spritspar-Innovationen schnell in den Markt zu bringen“, fordert Dudenhöffer.

Und so beeilt sich die Branche, mit neuen verbrauchsarmen Modellen ihr Image als vermeintlicher Klimakiller, so gut es geht, zu korrigieren. Audi zeigt den auf sparsam getrimmten A3 TDIe, wobei das e für economy steht. Der 1,9-Liter-Diesel-Motor soll es auf nur noch 120 Gramm CO2 je Kilometer bringen, also schon heute den von der EU geplanten Grenzwert für 2012 unterschreiten. Die Konzernmutter Volkswagen setzt auf den serienfertigen Passat mit „BlueMotion“-Technik, der auf 100 Kilometern 5,1 Liter Diesel verbraucht, was einem für diese Klasse sehr niedrigen Kohlendioxid-Ausstoß von 136 Gramm entspricht. Mercedes glänzt bei der C-Klasse mit der Abgasreinigungstechnik unter dem Markennamen „Bluetec“, die die erst in einigen Jahren verpflichtende Euro-Sechs-Norm schon heute erfüllen soll.

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