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Beißwut mit Folgen: Pannen- und Unfallrisiko durch Marderschäden

Springt der im Freien geparkte Wagen eines Morgens nicht mehr an, tippen viele Autofahrer auf die Batterie.

dpa/gms HANNOVER/MüNCHEN. Springt der im Freien geparkte Wagen eines Morgens nicht mehr an, tippen viele Autofahrer auf die Batterie.

Doch wenn der Blick unter die Motorhaube zerbissene Zündkabel, zerfetztes Dämmmaterial und beschädigte Kühlschläuche offenbart, ist schnell klar, dass ein Marder seine Beißwut an den Motor-Innereien ausgelassen hat. Die Schäden ziehen nicht nur kostspielige Reparaturen nach sich - sie können sogar die Verkehrssicherheit eines Autos gefährden.

„Frühjahr und Herbst sind die gefährlichen Zeiten“, sagt Manfred Groß vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). Dann seien die Marder besonders aktiv. „Wenn die Außentemperatur kühl ist, ist der Motorraum eines abgestellten Autos für die Tiere eine wunderbare Wärmequelle.“

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Berlin suchen die nachtaktiven Raubtiere, die längst auch in Großstädten heimisch geworden sind, Motorräume jedoch nicht nur als warme Verstecke auf: „Steinmarder sind äußerst neugierig und verspielt, und ein Motorraum hat allerhand zu bieten.“ Durch vorsichtiges, manchmal auch festes Zubeißen erkundeten die Tiere ihre Umwelt und befriedigten Neugier und Spieltrieb.

Manchmal leben die Räuber unter der Motorhaube laut Nabu zudem Aggressionen aus. Vermutlich trügen Rüden auch über die Gefährte der Zweibeiner ihre Revier-Auseinandersetzungen aus. Die Beißwut kommt demnach dann auf, wenn Autobesitzer ihre von einem Steinmarder „markierten“ Wagen in einem fremden Marderrevier abstellen. Der angestammte Revier-Inhaber fühlt sich dadurch provoziert und verbeißt sich wütend in Kabel, Schläuche und Dämmmatten.

Die Folgen bemerken Autofahrer im günstigsten Fall bereits am nächsten Morgen, wenn der Motor beim Drehen des Zündschlüssels keinen Mucks mehr macht. Dann hat der Marder die Zündkabel durchgebissen - was bereits sehr ärgerlich ist, weil es eine teure Reparatur nach sich zieht. „Die anderen Dinge können aber gemeiner sein“, sagt Bert Korporal, Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover: Nicht selten würden die Marderaktivitäten so spät offenbar, dass bereits teure Folgeschäden entstanden sind.

So werde etwa ein beschädigter Kühlwasserschlauch oft erst entdeckt, wenn der Motor plötzlich überhitzt. Auch beschädigte Achs- oder Lenkmanschetten fallen meist erst bei der nächsten Inspektion auf. Dann können bereits Schmutz und Wasser eingedrungen sein und das Bauteil beschädigt haben, was die Reparatur verteuert. Brenzlig wird es laut Korporal, wenn sich ein Marder an Hydraulikschläuchen ausgelassen hat: „Leckagen an Bremsschläuchen sind sehr gefährlich. In kritischen Situationen kann dadurch die Bremsfunktion versagen.“

Wirklich sicher vor den spitzen Marderzähnen ist im Motorraum laut Korporal kein einziges Kunststoff- oder Gummiteil - woraus sich eine große Anzahl möglicher Pannen ergibt. Die Pannenhelfer des Adac haben nach Angaben von Manfred Groß jährlich mit etwa 11 000 bis 17 000 Marderschäden zu tun - wobei die genaue Zahl schwer zu beziffern ist, da häufig nur die Folgeschäden registriert werden.

Immerhin kommt nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin die Teil- oder Vollkaskoversicherung für die Reparatur eines Marderschadens auf. Besser wäre Vorbeugung. Doch nach den Erfahrungen von TÜV-Mitarbeiter Korporal gibt es kein Patentrezept gegen Marderbiss: „Nur in abgeschlossenen Garagen wird ein Auto halbwegs sicher sein.“

Auch Adac-Experte Groß rät von vermeintlichen Wundermitteln wie im Motorraum deponierten Hundehaaren, Mottenkugeln oder anderen Geruchsstoffen ab: „Das ist alles unbrauchbar.“ Mit Wellschläuchen zur Ummantelung einzelner Motorteile ließen sich nur erreichbare Teile schützen und flexible ohnehin nicht. Der Nabu empfiehlt als Abwehrmaßnahme, den Boden unter dem Motor mit Maschendraht auszulegen - was für Laternenparker ohne eigenen Stellplatz kaum praktikabel sein dürfte. Restliche Duftspuren ließen sich nach einem Marderschaden zumindest durch eine gründliche Motorwäsche beseitigen.

„Ziemlich zuverlässig“ sind laut Manfred Groß spezielle „Marder-Abwehrgeräte“, die mit Ultraschall oder Elektroschocks arbeiten. Sie schnitten bei einem Test des Adac am besten ab. Die Ultraschallgeräte senden hochfrequente Töne aus, die Marder vom Auto fern halten sollen. Elektroschock-Geräte verpassen dem Eindringling Stromstöße mit hoher Spannung, um ihn zu vertreiben. Die Vorrichtungen können nachträglich eingebaut werden und kosten laut Groß rund 130 Euro. Das sei zwar teuer - wenn man bedenke, wie teuer die Reparatur eines Marderschadens sein kann, rechne sich die Anschaffung aber.

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