Chinesen steigen bei Peugeot ein
Dongfeng - der große Unbekannte

Abermals haben Chinesen bei einem europäischen Autobauer zugegriffen. Hierzulande kennt Dongfeng jedoch kaum jemand. In seiner vielversprechenden Heimat ist das Unternehmen dagegen ein wichtiger Spieler.
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PekingNach der Übernahme des schwedischen Autoherstellers Saab durch chinesische Investoren und der Übernahme des schwedischen Autobauer Volvo durch den chinesischen Automobil-Produzenten Geely steigt nun der chinesische Autobauer Dongfeng beim französischen Konzern PSA Peugeot Citroën ein. Am Mittwoch verkündeten die Konzerne den Deal offiziell.

Bisher kennt das Unternehmen jedoch kaum jemand in Europa - in China erreicht Dongfeng dagegen bereits einen Marktanteil von 16 Prozent. Peugeot hat also einen starken Partner gefunden. Der 1969 - mitten in der Kulturrevolution - von der damaligen maoistischen Regierung gegründete Staatskonzern ist heute der zweitgrößte Autohersteller Chinas, nach seinem Konkurrenten SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation).

China bleibt für die weltweite Automobilindustrie ein wesentlicher Absatzmarkt: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der verkauften Neuwagen um fast 14 Prozent auf knapp 22 Millionen - dies war ein neuer Rekord.

Die beiden künftig eng verbundenen Konzerne kennen sich gut. Denn bereits 1992 gründeten PSA und Dongfeng ein gemeinsames Unternehmen, das heute drei Fabriken in der zentralchinesischen Stadt Wuhan betreibt, dem Sitz des chinesischen Autobauers.

DCPA (Dongfeng Peugeot Citroën Automobile) beschäftigt derzeit rund 15.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen 550.000 Fahrzeuge - ein Viertel mehr als im Jahr zuvor.

Außerdem gründete Dongfeng Gemeinschaftsunternehmen mit mehreren anderen Autoherstellern wie den japanischen Konzernen Nissan und Honda, dem Koreaner Kia, Taiwans größtem Autobauer Yulong sowie dem französischen PSA-Konkurrenten Renault.

Anfang des Jahres vereinbarte der chinesische Konzern zudem eine Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen AB Volvo - mit dem erklärten Ziel, weltweiter Branchenführer beim Bau von Lastkraftwagen zu werden.
Von der nun anstehenden engeren Zusammenarbeit würden sowohl PSA als auch Dongfeng profitieren, meint Klaus Paur, der beim Markforscher Ipsos für den Automarkt zuständig ist.

PSA brauche dringend frisches Kapital, im nächsten Jahr laufen Staatsgarantien über sieben Milliarden Euro aus, die den Renault-Rivalen bislang über Wasser halten.

Für Dongfeng gehe es um neue Technologien und Kenntnisse über ausländische Märkte, sagt Paur. „Die fehlen den chinesischen Autobauern“. Die bisherigen Partnerschaften des Staatskonzerns Dongfeng hätten sich auf die Produktion in China konzentriert.

In Europa hatte die Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass deutlich weniger neue Autos gekauft wurden. Während die deutschen Premium-Hersteller BMW und Audi dies in Asien und Amerika mehr als ausgleichen konnten, kamen viele Hersteller für den Massenmarkt unter die Räder, darunter Opel und Peugeot. Die Franzosen haben darauf mit Kostensenkungen reagiert.

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