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Der Benzinmotor macht Boden gut

Der Benziner macht Boden gut. Nachdem Diesel den Aggregaten in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen hatten, soll eine zweite Generation der direkten Kraftstoffeinspritzung den Verbrauchsnachteil des Benziners wett machen.

dpa/gms INGOLSTADT/BRüHL. Der Benziner macht Boden gut. Nachdem Diesel den Aggregaten in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen hatten, soll eine zweite Generation der direkten Kraftstoffeinspritzung den Verbrauchsnachteil des Benziners wett machen.

Während sich die Direkteinspritzung beim Diesel in vielen Teilen der Welt bereits als Standard etabliert hat, steckt sie beim Benziner noch in den Kinderschuhen: „Die erste Generation konnte die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen“, sagt Renault-Sprecher Thomas May-Englert in Brühl bei Köln. Der Mehrpreis habe sich nicht durch eine nennenswerte Verbrauchsreduzierung rechtfertigen lassen.

Nachdem nun aber die gesamte Branche von einem mageren Verbrennungsverfahren mit erhöhtem Sauerstoffanteil im Kraftstoff auf eine homogene Verbrennung umgestellt hat, scheint die Zeit reif für einen neuen Anlauf: So erwartet Christian Eiglmeier, Entwickler bei Audi in Ingolstadt, für den so genannten FSI-Motor einen ähnlichen Siegeszug wie vor 16 Jahren bei den TDI-Dieselaggregaten.

Vor allem in Kombination mit einem Turbolader wie bei dem mit dem Motoren-Oscar „Engine of the Year“ ausgezeichneten 2.0-T-FSI-Aggregat im Golf GTI oder im A4 kann die Technik laut Eiglmeier ihre Vorteile voll ausspielen: „Die Direkteinspritzung ermöglicht mehr Leistung ohne Verbrauchsanstieg, und der Turbolader sorgt bei niedrigen Drehzahlen für ein hohes Drehmoment.“

Audi-Partner Bosch stellt für derartige Motoren mehr Fahrspaß und Ökonomie in Aussicht: „In Zukunft sind bei aufgeladenen Direkteinspritzern Drehmomente von 175 bis 200 Newtonmeter und Leistungen von 100 Kilowatt pro Liter möglich“, sagt Rolf Leonhard von Bosch in Stuttgart. Weil damit ein kleinerer Motor mehr Leistung bringt, könne das Auto um rund 15 Prozent sparsamer bewegt werden.

Noch mehr Einsparpotenzial sieht Klaus Egger, Vorstand beim Zulieferer Siemens VDO in Schwalbach (Hessen), dank neuer Einspritzdüsen, die wie moderne Diesel so genannte Piezo-Ventile bekommen: Mit schnellen und fein dosierten Einspritzvorgängen sollen sie erstmals ein strahlgeführtes Verbrennungsverfahren ermöglichen, wodurch der Verbrauch um 20 und mehr Prozent sinken könne.

Im Wettlauf mit dem Diesel muss der Benziner allerdings Gas geben, wenn er seine Vormachtstellung halten möchte. Zwar hat die Diskussion um Feinstaub und Partikelfilter nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg die Begeisterung der Deutschen etwas gebremst. Doch liegt der Anteil der Selbstzünder unter den Neuzulassungen im ersten Quartal 2005 bereits bei 44,5 Prozent und damit 3,5 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

„Langfristig wird das Rennen zwischen beiden Motorenkonzepten auf ein Unentschieden hinaus laufen“, sagt Prof. Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg. Weil der Benziner seinen Verbrauchsnachteil wett mache und der Diesel seine Stigmatisierung als Ruß- und Dreckschleuder verliere, würden sich die Absatzzahlen beider Konzepte in Europa die Waage halten.

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