Drei deutsche Messepremieren
Weltneuheiten und Kopien auf der „Auto China“

dpa/gms PEKING. Der Messezirkus der internationalen Automobilindustrie hat eine neue Station. Weil sich nach den Worten von VW-Chef Wolfgang Bernhard die „Räder derzeit nirgends schneller drehen als in China“ wird Pekings Branchengipfel „Auto China“ immer wichtiger.

„Von hier aus schauen die westlichen Marken nach Osten und die Chinesen nach Westen“, sagt Nick Margetts, Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics in Limburg.

„Insbesondere die deutschen Hersteller orientieren sich dabei immer stärker an den Bedürfnissen der chinesischen Kunden“, sagt der Marktforscher und verweist vor allem auf den VW-Konzern, der Statistiken aus China zufolge den Markt mit seinen lokalen Kooperationspartnern dominiert. VW feiert auf der Messe gleich eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal zeigt die Marke eine Studie als Weltneuheit, die komplett von den VW-Kollegen in Schanghai entworfen wurde. Der ebenfalls als Neuheit gefeierte Magotan dagegen ist nichts anderes als der in Europa bekannte Passat.

Die neue Studie trägt den Namen Neeza und ist eine Kombination aus Coupé, Sport- und Geländewagen: Deutlich kleiner als etwa der Auto Q7 aber höher als der Passat Variant bietet das Konzeptfahrzeug entgegen der Fahrtrichtung angeschlagene Hecktüren und einen hellen Innenraum, in dem die vorderen Sitze bei einer Pause gedreht werden können.

Auch BMW hat eine Neuheit im Programm, die nach Angaben des Herstellers allein für den chinesischen Markt gedacht ist. Mit einem im Radstand um 14 Zentimeter verlängerten 5er kommen die Bayern dem erhöhten Raumbedarf der Chinesen entgegen, die Limousinen dieses Formats häufig als regierungs- oder Chauffeursfahrzeug einsetzen. Neu ist die Idee der Stretch-Version allerdings nicht, denn Audi verkauft nach Angaben von Sprecher Joachim Cordshagen bereits die zweite Generation des ausschließlich in China erhältlichen A6L, bei dem ebenfalls der Radstand verlängert wurde.

Die dritte deutsche Messepremiere in Peking ist der Maybach 62S, bei dem die Leistung des Zwölfzylinders laut Sprecher Stefan Diehl um gut zehn Prozent auf 450 kW/612 PS angehoben wurde. Auch diese Neuheit wird nicht ohne Grund in China präsentiert: Denn in den Millionenstädten des Milliardenreiches gibt es laut Marktforscher Margetts eine wachsende Zahl reicher Menschen.

Neben diesen Autos aus Deutschland sieht man beim Rundgang durch die Messehallen auch eine Reihe unbekannter Modelle europäischer Marken. So präsentiert etwa Fiat in Peking ein winziges Stufenheck namens Perla, und bei Citroën gibt es einen C2, den man in Europa nur als Peugeot 206 kennt. Außerdem verkaufen die Franzosen im fernen Osten die Limousine C-Triomphe, die an einen verlängerten C4 mit Stufenheck erinnert. Ebenfalls für westliche Augen ein neues Bild bietet der Nissan Geniss, für den die Japaner den Note verlängert und um eine dritte Sitzreihe ergänzt haben.

Die Messe in der chinesischen Hauptstadt ist aber kein reines Gipfeltreffen der Importeure: Weil das Land nach Angaben des internationalen Automobilherstellerverbandes mit einer Produktion von 3,6 Mill. Fahrzeugen allein im ersten Halbjahr 2005 vor Deutschland auf Platz drei in der Weltrangliste vorgerückt ist, bestimmen längst die heimischen Hersteller das Bild. Auch wenn viele von ihnen bereits den Export in die USA oder nach Europa angekündigt haben, zeigen sie daheim für westliche Augen zum Teil gewöhnungsbedürftige Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine.

Dabei werden die Chinesen häufig dem Klischee vom hemmungslosen Ideenklau gerecht. So trägt etwa das BYD-Cabriocoupé F8 die nahezu unveränderte Frontpartie der Mercedes C-Klasse. Der von Great Wall Motors präsentierte Peri geht als Kopie des Fiat Panda durch, und den Florid des gleichen Unternehmens kann man leicht mit dem Toyota Yaris verwechseln. Ebenfalls inspirieren lassen haben sich die Designer offensichtlich vom Hummer und von europäischen Oberklasse-Limousinen: Denn im neuen Flaggschiff der Edelmarke „Rote Fahne“ finden sich sicherlich nicht umsonst viele Zitate von BMW und Bentley, während der Ssangyong Chairman den Spuren der alten S- und E-Klasse folgt.

„Allerdings dürfen diese Imitate nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Chinesen von Jahr zu Jahr besser werden“, sagt Branchenexperte Margetts und verweist auf geringere Spaltmaße, die steigende Qualität im Innenraum und die immer bessere Ausstattung. „Was die Koreaner oder die Japaner in fünf bis zehn Jahren geschafft haben, machen die Chinesen mit einem Generationswechsel.“

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