Elektronik-Anteil in Nutzfahrzeugen wird zunehmen
Chips bestimmen, wo es lang geht

Die Rechenleistung eines modernen Automobils ist deutlich höher als die des Raumfahrzeugs Apollo 13. Und auch in LKWs setzt sich moderne Elektronik immer stärker durch. Waren 1989 in Nutzfahrzeugen nur drei Busteilnehmer im Datennetzwerk angemeldet, so gebe es mittlerweile mehr als siebzig Steuergeräte, sagt Peter Schuler, Geschäftsführer der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher KFZ-Sachverständiger (KÜS).

DÜSSELDORF. Gerade in den vergangenen Jahren ist die Anzahl der elektronischen Komponenten in Nutzfahrzeugen deutlich angewachsen und hat sich jetzt den Verhältnissen in PKWs angenähert. In Relation zur gesamten Wertschöpfung eines Nutzfahrzeuges lag der Anteil der Elektronik 2002 bei sieben Prozent, im Jahr 2010 sollen es Prognosen zufolge zehn bis 15 Prozent sein. Zum Vergleich: Bei Personenwagen werden für 2010 sogar 35 Prozent erwartet nach 22 Prozent in 2002.

Für Anbieter von elektronischen Komponenten ist die Nutzfahrzeugbranche ein Markt mit besonderen Anforderungen. "Der Nutzfahrzeugmarkt ist noch stärker kostenorientiert als der PKW-Markt. Komfortelektronik hat daher nicht den Stellenwert wie im PKW", sagt Günther Alberter, Leiter Vernetzte Systeme im Geschäftsbereich Antrieb und Fahrwerk von Continental Automotive Systems. "Andererseits werden die Systeme im LKW von Anfang an nach einer streng hierarchisch strukturierten Architektur gebaut".

Beim PKW gibt es zur Zeit keine zentrale Regelung von Motor-, Getriebe- und Bremsensteuerung, beim LKW leistet dies der Fahrzeugregler, der nebenbei als zentrale Steuerungsinstanz die Variantenvielfalt beim LKW beherrschbarer macht. Die Fahrzeugregelung kann zum Beispiel bei der Beschleunigung parallel Informationen an Motor- und Getriebesteuerung sowie zur Bremse weitergeben und somit die Aggregate optimal einsetzen. "Dieses Design ist ein Grund dafür, dass die Anfälligkeit der Elektronik in Nutzfahrzeugen deutlich geringer ist", so Alberter. Ein wesentlicher Faktor - schließlich kann die Laufleistung manches Lasters ein oder zwei Millionen Kilometer erreichen.

Der Einzug der Elektronik in die Nutzfahrzeugbranche ist heute insgesamt weit fortgeschritten, hohe Wachstumsraten sind daher aus Sicht der Zulieferer in diesem Segment derzeit nicht zu erwarten. Ändern könnte sich das, wenn Fahrerassistenzsysteme stärker nachgefragt würden. Continental-Manager Alberter sieht in den erweiterten Sicherheitssystemen einen Riesen-Markt. So könnten zum Beispiel Unfälle am Ende eines Staus dadurch weitgehend vermieden werden. Für eine breite Marktdurchdringung müsste aber der Gesetzgeber aktiv werden. Ein finanzieller Anreiz zur Investition in Assistenzsysteme besteht derzeit bei den Transportunternehmen nicht. Unter den Innovationen, die auf der IAA zu sehen sind, trägt die Elektronik vor allem zur Einhaltung der Abgasvorschriften und zur Reduktion des Dieselverbrauchs bei.

Stark verbessert werden müssen aus Sicht von KÜS-Geschäftsführer Schuler die Möglichkeiten zur Prüfung der Elektronik. Gefragt seien neue Systeme, die Fahrzeuge weniger anfällig für Elektronikmängel machen. Allerdings sei dieses Problem bei Nutzfahrzeugen weniger dringlich als bei PKWs, bei denen Elektronikprobleme einen Großteil der Pannen verursachen. Wichtig für die Überprüfung der Elektronik ist die Vereinheitlichung der Standards. Die Branche arbeitet derzeit an weltweit einheitlichen Architekturen der Fahrzeug-Netzwerke. An oberster Stelle steht die Wiederverwendbarkeit von Hardware, Software und Netzwerken; weitere Aspekte sind Dezentralisierung, Zuverlässigkeit und fehlertolerante Systeme.

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