„Gigaliner“
Bund will „Monster-Lkw“ von der Straße holen

In Niedersachsen bewegt sich mit Genehmigung des Landes zu Testzwecken ein Lastwagen über die Straßen, der 25 Meter lang und beladen 40 Tonnen schwer ist. Dafür hat sich das Land nun einen Rüffel aus Berlin eingeholt: Der Test hätte nie genehmigt werden dürfen, Hannover solle die Riesenfuhre so schnell wie möglich auf den Hof beordern.

HB BERLIN/HANNOVER. Das Bundesverkehrsministerium forderte Niedersachen in einem Schreiben auf, den Modellversuch mit dem als Gigaliner bezeichneten Lkw abzubrechen. Der Bund wirft dem Verkehrsministerium in Hannover vor, sich über seine „nachdrückliche Bitte“ hinweggesetzt zu haben, auf eine Zulassung der Fahrzeuge zunächst zu verzichten. Bei den Gigalinern handelt es sich um Sattelzüge mit Anhänger: Eine Zugmaschine mit Dreiachs-Auflieger, an den ein wiederum ein zwei- oder dreiachsiger Anhänger angehängt ist. Beladen können sie sogar 60 Tonnen schwer werden; in Niedersachsen dürfen nur zwei Drittel davon erreicht werden.

Eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, die Risiken für die Verkehrssicherheit seien noch nicht abschließend geklärt. Unklar seien die Auswirkungen der schweren Laster auf Straßen, Brücken und die Innenstädte. Derzeit bereitet die Bundesanstalt für Straßenwesen eine Studie zu dem Thema vor. Zudem hält der Bund die von Niedersachsen für den Modellversuch erteilte Zulassung „Gigaliner“ für rechtswidrig.

Das Güterverkehrsunternehmen Kombiverkehr kritisierte ebenfalls die in Niedersachsen erfolgte Genehmigung. „Das Hauptargument für diese Gigaliner, eine Reduzierung der Fahrten auf Fernverkehrstraßen, trifft nicht zu“, sagte Geschäftsführer Armin Riedl. Eine Studie habe ergeben, dass mehr als die Hälfte der Güter, die derzeit mit einer Kombination aus Bahn und Lastwagen transportiert werden, wieder allein auf die Straße verlagert.

„Weil der Transport mit Gigalinern 20 bis 25 Prozent billiger als mit herkömmlichen Lkw ist, würde es eine massive Rückverlagerung geben“, erläuterte der Autor der Studie, Björn Klippel, Geschäftsführer des Beratungshauses TIM Consult in Mannheim. Die Frankfurter Kombiverkehr KG mit rund 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr ist ein Zusammenschluss von Speditionen und koordiniert den gemeinsamen Transport auf Straße und Schienen.

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