Gran Turismo-Entwickler Yamauchi
Der rasende Perfektionist

Für Gran Turismo-Fans ist er eine Ikone, denn niemand bildet die Realität in Videospielen präziser nach als Sony-Entwickler Kazunori Yamauchi. Realität und virtuelle Welt schrammen bei ihm dicht aneinander.
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Ungezählte Male hat der 44-jährige Spieledesigner das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. Allerdings nur an der Spielekonsole, in der virtuellen Wirklichkeit der von ihm entwickelten Rennsimulation Gran Turismo 5. Ende Juni aber siegte der Schöpfer des weltbekannten Rennspiels endlich auch in der Realität: Mit einem Nissan-GT-R-Sportwagen raste Yamauchi nach 24 Stunden als Führender in dieser Fahrzeugklasse über die Ziellinie des Traditionskurses in der Eifel. Yamauchi stand mit seinem vierköpfigen deutsch-japanischen Team erstmals ganz oben auf dem echten Podium. "Das Rennen war dramatisch, danke für die Glückwünsche", twitterte der Chef der zum Sony-Konzern gehörenden Spieleschmiede Polyphony danach in die Welt.

Mit dem Sieg erfüllte sich für Yamauchi ein Traum. Schließlich kannte er die Strecke schon lange besser als viele Rennfahrer: Von der Fahrphysik der Boliden bis zur Neigung der Straßen hat er sie in Gran Turismo exakt nachgebildet.

Vettel fährt mit

Bilder und Fahrverhalten sind so realistisch, dass selbst Spitzenrennfahrer mit dem Spiel trainieren. Formel-1-Doppelweltmeister Sebastian Vettel etwa nutzt das Programm, um sich auf neue Rennstrecken vorzubereiten. Erst vor wenigen Tagen ist eine nochmals verbesserte Fassung der fünften Gran-Turismo-Version erschienen. Mit ihr wirkt selbst der Bummel durch die Team-Lounges oder die Boxengasse echt.

Gran Turismo ist eines der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten. Seit 1997 wurden rund 64 Millionen Exemplare verkauft - gut sieben Millionen allein in den vergangenen zwölf Monaten. Vor allem aber steht die aufwendige Simulation für den tief greifenden Umbruch der Branche.

Zwei Spielvarianten setzen sich durch. In sozialen Netzwerken wie Facebook finden Millionen Kurzzeit-Gamer Gefallen an simpel gestrickten und grafisch einfach gehaltenen Spielen wie Farmville oder Mafia Wars. Ihnen gegenüber stehen die Kassenschlager der Spieleszene. Sie werden aufwendig produziert wie Kinofilme. Und Yamauchi ist einer der angesehensten Regisseure dieses exklusiven Genres.

Megaseller wie seine Gran-Turismo-Simulation sind komplexe, durchkomponierte Werke, die die Realität immer genauer abbilden. Umgerechnet 60 Millionen Dollar hat die Entwicklung von Gran Turismo 5 verschlungen. Das entspricht dem Budget vieler Hollywood-Streifen.

Fünf Jahre lang feilten 150 Polyphony-Entwickler und -Ingenieure in Tokio an der jüngsten Auflage der Rennsimulation. Getrieben vom fast schon fanatischen Drang Yamauchis, eine perfekte digitale Kopie der Rennsportwelt zu erschaffen. Dass er dabei Kompromisse eingehen musste, schmerzt den Star-Regisseur: "Bei der Planung habe ich Hunderte Ideen, aber verwirklichen können wir leider nur einen Bruchteil."

Das perfekte virtuelle Autorennen zu schaffen ist das Projekt seines Lebens. Schon die Arbeit an der ersten Version von Gran Turismo für Sonys Playstation dauerte fünf Jahre. Anregungen holte sich Yamauchi damals bei illegalen Rennen auf Tokioter Autobahnen. "Wir rasten nach Mitternacht die 80 Kilometer zum Berg Fuji und zurück", erinnert sich der 44-Jährige, der am liebsten Jeans und T-Shirt trägt.

Das gefährliche Hobby hat er eingestellt. Schnelle Autos liebt er weiterhin. Neben einem Mercedes SL 55 AMG fährt er unter anderem einen Porsche 911 GT3. Geld hat Yamauchi genug, seit Sony sein GT-Entwicklungsteam 1998 kaufte und ihn zum Vizepräsident der Spielesparte ernannte.

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