Handelsblatt-Report
Opel, er kommt aus dir

Als der verlorene Sohn, so berichtet es das Lukas-Evangelium, Kapitel 15, heimkehrte, „da sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Doch es gibt Tage, die sind nicht geschaffen für verlorene Söhne.

BOCHUM. So wie der vergangene Mittwoch. Da rollt ein verlorener Sohn vor das Tor I des Opel-Werks Bochum. Doch niemand herzt ihn, die wenigsten, die hier stehen, würdigen ihn eines Blickes. Ja, erkennen sie ihn nicht? Den, mit dem hier alles begann? Der wie kein anderer steht für Aufstieg und Fall der Marke Opel? Den Kadett A? Fast möchte man in Anlehnung an Herbert Grönemeyer brüllen: „Opel, er kommt aus dir!“

Zugegeben, die Sorgen sind an diesem Tag andere. Gerade wurde bekannt, dass die Opelaner wieder arbeiten wollen, zwei Minuten später ist das Informationszelt vor dem Werkstor abgebaut, kommen die Ersten zur Schicht – und erkennen nicht den verlorenen Sohn. „Guck ma, dat is ein Kadett“, ruhrpottet wenigstens einer. „Ein B is dat.“

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Gut, dass Georg Simon das nicht gehört hat. Denn sein Kadett ist ein A, darauf legt er Wert. Fahrgestellnummer 68 226 – ein älterer dürfte nicht mehr durch Deutschland rollen. Caribagrün ist er, „die Farbe, die damals keiner wollte“. Seit rund 20 Jahren pflegt der Gärtnermeister aus Dorsten den Wagen, zusammen mit zwei andere A-Varianten: „Ich wollte den schon immer haben.“

192 000 Kilometer hat der Kadett schon hinter sich, doch davon merkt man nichts. Kein Stottern beim Anlassen, kein Spucken oder Spotzen des 40-PS-Motors. „Nähmaschinchen“ nannte man den Kadett einst. Heute schnurrt er vom Parkplatz des Werks, weg von den Streikenden, die sich so wenig um ihn kümmerten. Fast als wolle er ihnen sagen: „Baut erst mal so was wie mich.“

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