Harley Earl
Der Vater der Heckflosse

Er gilt als der erste echte Autodesigner und hat das Aussehen ganzer Fahrzeuggenerationen maßgeblich geprägt. Dabei begann die Karriere von Harley Earl mit einem Fahrzeug, das heute in Europa kaum noch jemand kennt.
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DüsseldorfDie Qualität der Formgebung bestimmt seit jeher entscheidend den Erfolg eines Automobils. Bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts vertrauten Autohersteller darauf, dass ihre Karosseriebauer handwerkliches Können möglichst kongenial mit gestalterischem Geschmack verbanden. Je mehr sich die Fahrzeugproduktion in die Höhe schraubte, desto dringender erwies sich die Notwendigkeit, professionelle Formen für die Großserie zu entwickeln. Mit dem Aufbau der ersten spezialisierten Designabteilung setzte General Motors ab 1925 einen Trend für die Autoindustrie. Der Leiter und spätere Großmeister des Autodesigns war der Kalifornier Harley Earl.

Der seit Mitte der Zwanziger amtierende GM-Vorstandsvorsitzende Alfred P. Sloan hatte 1925 im Konzernangebot eine Lücke zwischen den beiden Konzernmarken Buick und Cadillac ausgemacht. Unter der Federführung von Cadillac entstand eine neue Marke mit dem Namen LaSalle. Die Marke revolutionierte den Autobau, denn der 1927 vorgestellte 303 war nicht nur das erste amerikanische Serienauto, dessen Form von einem spezialisierten Automobil-Designer in einem eigenen Designzentrum entwickelt worden war. Die Baureihe mit 75 PS starkem Fünfliter-V8 setzte damit auch weltweit einen Trend.

Der Karosserieentwurf des LaSalle 303 stammte aus der Feder von Harley Earl. Earls Vater hatte schon 1889 in Kalifornien damit begonnen, als Stellmacher Karosserien für Pferdekutschen zu bauen. Vier Jahre vor der Geburt seines Sohnes Harley. Ab 1908 wandte er sich Automobilen zu. Die Sonderkarosserien des Hauses fanden schnell Anklang bei den Stars im erblühenden Hollywood der Stummfilm-Ära. Harley Earl wuchs von Beginn an in den väterlichen Betrieb hinein und entwickelte seine Kreativität unter anderem durch Gestaltung römischer Streitwagen oder historischer Kutschen für die Filmindustrie. Der junge Harley brach aufgrund dieser Erfolge sein Studium an der Stafford University ab und baute lieber mit seinem Vater automobile Spezialanfertigungen für die Superstars des Stummfilms wie Tom Mix (1880 – 1940) oder Roscoe „Fatty“ Arbuckle (1887 – 1933), dem ersten Filmstar der Geschichte, der eine Million Dollar Gage im Jahr verdiente.

Nachdem der Cadillac-Großhändler Don Lee die „Earl Automotive Works“ aufgekauft hatte, beschäftigte er Harley Earl weiter. Cadillac-Boß Lawrence B. Fisher, der regelmäßig seine Händler besuchte, wurde auf Harley Earl aufmerksam. Der junge Designer hatte eine Methode entwickelt, Entwürfe zuerst in Tonmodellen umzusetzen, um ihre räumliche Wirkung optimal überprüfen zu können. Fisher engagierte Earl, um die Form für die erste Limousine der neuen Cadillac-Marke LaSalle  zu entwerfen. Der Erfolg veranlasste GM-Chef Alfred P. Sloan zur Gründung der weltweit ersten eigenständigen Designabteilung eines Autoherstellers. Die Leitung erhielt Harley Earl.

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