IAA - Nur wenig Kunden ordern die Sicherheitstechnik
Elektronische Helfer bleiben zu teuer

Fahrer-Assistenzsysteme wie Geschwindigkeitsregler und Abstandssensoren werden längst nicht mehr nur für Luxuslimousinen angeboten. Mit Aufpreis können sie inzwischen auch für viele der so genannten Volumenmodelle bestellt werden. Doch die Nachfrage ist bisher gering.

FRANKFURT. Die meisten Autofahrer wollen die Sicherheitstechnik nicht, weil sie entweder zu teuer ist oder weil die Käufer über den Nutzen nicht Bescheid wissen, sagen Experten.

ESP, das Elektronische Stabilitätsprogramm, das Fahrzeuge auch bei schwierigen Straßenverhältnissen in der Spur hält, ist zwar eine Erfolgsstory - laut Bosch werden inzwischen zwei Drittel aller Neufahrzeuge mit der Technik ausgestattet. Doch andere Assistenzsysteme wie beispielsweise das Adaptive Light, mit dem die Straße bei Kurvenfahrten besser ausgeleuchtet wird, sind längst nicht so erfolgreich. "Der Elchtest hat das ESP populär gemacht", sagt Michael Lütz, Leiter der Produktentwicklung für Fahrer-Assistenzsysteme bei Siemens VDO. Dieser Erfolg ließe sich nicht so leicht wiederholen.

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Gehören Sicherheitssysteme nicht zur Standardausrüstung, finden sie auch kaum Käufer. ACC (Adaptive Cruise Control) - ein System, das automatisch den Abstand zum Vordermann hält, ist seit 1999 auf dem Markt und findet kaum Interesse. "ACC ist nur in kleinen Stückzahlen in Luxuslimousinen zu finden. Obwohl angeboten, wird es von Käufern der Volumenmodelle ignoriert", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte an der FH Gelsenkirchen.

Der Grund: Autokäufer fühlen sich über den Nutzen der angebotenen Assistenzsysteme schlecht informiert und sind daher nicht bereit, mehrere Tausend Euro zusätzlich für die Sicherheit auszugeben. "Nicht nur die Automobilhersteller haben da ein massives Kommunikationsproblem, auch die Zulieferer kümmern sich zu wenig um den Endkunden", sagt Dudenhöffer.

Die EU-Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr bis zum Jahr 2010 in Europa zu halbieren. Fahrerassistenzsysteme sollen helfen, dieses Ziel zu realisieren. "Das wird nicht gelingen, wenn die Sicherheitstechnik bis zu Ende des Jahrzehnts nur in Fahrzeugen der Oberklasse eingebaut wird", sagt James Remfey, Produktmanager bei Continental Teves. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeige wie lange es dauern kann, bis sich eine sinnvolle Technik durchsetzt. "Das ABS-System hatte selbst zwölf Jahre nach seiner Einführung nur eine Ausrüstungsrate von zehn Prozent erreicht", sagt Remfrey.

Die Zulieferer suchen daher nach Wegen, mit denen Fahrer-Assistenzsysteme nicht erst über hohe Stückzahlen billiger produziert werden können. Dies könnte mit einfacherer Technik gelingen. Beispiel Abstandskontrolle: Hier werden die teuren 77-Gigaherz-Radarsensoren zunehmend durch die billigere Infrarottechnik ersetzt. Darüber hinaus könnte die Vernetzung von bereits vorhandener Sensorik im Auto dazu beitragen, den Preis zu drücken. "Nicht mehr Elektronik ins Auto, sondern die vorhandene besser nutzen", heißt die Parole. So könnten mit Hilfe von Software neue Assistenten entstehen, an die heute noch keiner denkt.

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