Internationale Automobil-Ausstellung
Hersteller überschreiten Tempo-250-Grenze

Seit den achtziger Jahren fahren deutsche Autos nicht schneller als 250 Stundenkilometer. Ausnahmen sind nur exotische Supersportwagen und Porsche. Doch die freiwillige Selbstbeschränkung der Hersteller bekommt nun insgesamt Risse.

dpa/gms RüSSELSHEIM/MüNCHEN. Seit den achtziger Jahren fahren deutsche Autos nicht schneller als 250 Stundenkilometer (km/h). Ausnahmen sind nur exotische Supersportwagen und Porsche. Doch die freiwillige Selbstbeschränkung der Hersteller bekommt Risse.

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt (15. bis 25. September) steht manches Modell, das mehr als Tempo 250 macht. Als ein Pionier bei der Überbrückung der Tempobeschränkung kann Mercedes gelten. Zwar findet sich im Serienprogramm nichts, was mit mehr als 250 km/h unterwegs ist - vom Supersportwagen SLR einmal abgesehen. Tatsächlich gibt es aber sehr wohl merklich schnellere Neuwagen: Die werden über die hauseigene Tuning-Schmiede AMG angeboten. "Auch die sind ab Werk auf Tempo 250 begrenzt", erklärt Pietro Zellino von Daimler-Chrysler in Stuttgart. Auf Kundenwunsch lässt sich die Drosselung aber aufheben. "Fahrzeuge ohne Kompressormotor werden dann bis zu 280 km/h freigegeben." Mit Kompressor reicht die Freigabe sogar bis Tempo 300.

Bei BMW in München dagegen hat man lange auf 250 km/h als Obergrenze beharrt. Was sich nun aber gerade ändert - ohne dies groß in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. "Ein entsprechendes Paket ist jetzt für die Modelle M5 und M6 erhältlich", sagt BMW-Sprecher Friedbert Holz. Bis zu 305 km/h sind möglich. Allerdings erst, wenn die Fahrzeuge in der Werkstatt waren. Dort wird die elektronische Motorsteuerung ausgebaut und im Werk umprogrammiert.

Eine Überraschung in der Liga der Schnellen ist Opel. Der Vectra OPC, eine Sport-Ausführung der Mittelklasse-Limousine, soll bis zu 260 km/h fahren. Gründe für die Nichteinhaltung der Selbstbeschränkung braucht Opel nicht einmal zu suchen: "Opel hat die freiwillige Selbstbeschränkung nie unterschrieben", erklärt Malte Dringenberg vom Opel Performance Center (OPC). Dahinter steckte jedoch keine Verweigerungshaltung - vielmehr hat bis vor kurzem niemand mit einem solchen Opel gerechnet.

Bei Audi in Ingolstadt hält man laut Sprecher Josef Schlossmacher weiterhin selbst für kräftigste Modelle am Tempolimit fest. Ausnahmen bestätigen die Regel: Im Jahr 2004 legte Audi auf Basis des A6 die auf 999 Exemplare limitierte Sonderserie RS sechs Plus auf - 280 km/h schnell. Wiederholen will man so etwas aber vorerst nicht.

Verkehrsexperten stehen den möglichen Geschwindigkeiten der entfesselten Automobile kritisch gegenüber. "Bei so hohem Tempo hat man nur noch eine eingeschränkte Wahrnehmung", warnt Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Der Fahrer kann zwar nach vorne noch etwas erkennen, seitlich verschwimmt die Sicht aber. Mögliche Folgen sind Probleme bei Ausweichmanövern.

Maximilian Maurer vom Adac in München weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass jeder Autofahrer Rücksicht auf die übrigen Verkehrsteilnehmer nehmen muss. Immerhin dürfte das Verkehrsgeschehen dafür sorgen, dass Tempo 300 eher die Ausnahme bleibt.

Die Hersteller selber wollen ihre Kunden unterschiedlich auf die neuen Möglichkeiten und Risiken vorbereiten. BMW wird ein spezielles Sportfahrertraining anbieten, Opel plant ein "Performance Training". Und bei Mercedes müssen Interessierte für die Tempo-Freigabe eine besondere Einverständniserklärung unterschreiben.

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