Jetzt im Herbst ist die Gefahr besonders groß
Bei Wildwechsel ausweichen oder draufhalten

Plötzlich taucht ein Reh im Scheinwerferkegel auf: Bremsen und ausweichen oder draufhalten? Laut ADAC in München werden pro Jahr bei Wildunfällen in Deutschland rund 2 500 Menschen verletzt, bis zu 30 kommen ums Leben.

dpa/gms MÜNCHEN. Plötzlich taucht ein Reh im Scheinwerferkegel auf: Bremsen und ausweichen oder draufhalten? Laut Adac in München werden pro Jahr bei Wildunfällen in Deutschland rund 2 500 Menschen verletzt, bis zu 30 kommen ums Leben.

Die tatsächlichen Zahlen dürften noch höher liegen, schätzt Thomas Hessling, Wildexperte des Clubs. Nicht immer würden Wildunfälle als solche erfasst. Wie gefährlich Wild für Autofahrer ist, wird durch eine andere Zahl deutlicher: Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin wurden im Jahr 2003 rund 235 000 Wildunfälle gemeldet, sagt GDV-Sprecher Stephan Schweda.

„Jetzt im Herbst ist die Gefahr besonders groß“, sagt Adac-Experte Hessling. Da fast alle Felder abgeerntet sind, haben die Tiere kaum noch Äsungsflächen. „Wild zieht dorthin, wo es was zu fressen gibt.“ Unglücklicherweise ist dies mitunter am Straßenrand der Fall. Zudem wird Wild im Herbst wegen der schlechten Sicht oft erst spät erkannt.

Gerade in der Dämmerung ist Wild oft unterwegs, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Die Experten raten daher in dieser Tageszeit zu besonderer Vorsicht: Warnschilder sollten beachtet, das Tempo verringert und der Abstand zum Vordermann vergrößert werden. Zudem sei es ratsam, die Fahrbahnränder genau zu beobachten.

Es wäre aber trügerisch, sich nur auf Warnschilder zu verlassen. So hat der Adac laut Hessling festgestellt, dass es bei drei Viertel der ermittelten Unfallschwerpunkte keine Schilder gab. Besser sei es daher, auf Straßen mit Wald und Büschen generell mit Wild zu rechnen.

Trotz aller Vorsicht lässt sich aber nicht ausschließen, dass doch einmal ein Reh vor der Motorhaube auftaucht. Der DVR rät, dann sofort zu bremsen. Zusätzlich sollten Autofahrer hupen und nachts die Scheinwerfer abblenden. So erkennt das Tier, wohin es flüchten kann. Wichtig ist auch, immer mit nachfolgenden Tieren zu rechnen.

Was zu tun ist, wenn sich ein Crash nicht mehr vermeiden lässt, dafür gibt es kein Patentrezept: „Draufhalten oder bremsen - das muss der Autofahrer immer selbst entscheiden“, sagt Hessling. Wenn die Straße feucht ist oder viel Verkehr herrscht, sei von Vollbremsungen oder Ausweichmanövern eher abzuraten. Doch auch die Folgen einer Kollision können verheerend sein, besonders bei hohem Tempo.

„Im Zweifel ist es besser, das Steuer gut festzuhalten und einen Zusammenstoß in Kauf zu nehmen, als ein Ausweichmanöver zu versuchen“, rät dennoch der DVR. Beim Ausweichen sei das Risiko groß, den Gegenverkehr zu gefährden und im Graben zu landen. Nach einem Wildunfall muss die Unfallstelle gesichert und die Polizei verständigt werden. Überfahrene Tiere sollten nicht angefasst werden, da sie laut Adac-Experte Hessling Tollwut haben können.

Anschließend muss der Schaden der Versicherung gemeldet werden. Wildschäden mit Rehen, Hirschen, Damwild, Wildschweinen sowie Hasen und Kaninchen werden von der Teil- oder Vollkasko ersetzt, erklärt GDV-Sprecher Schweda. Der Geschädigte sei aber in der Beweispflicht. Der Beweis, dass der Schaden tatsächlich durch Wild entstanden ist, kann gerade bei missglückten Ausweichmanövern schwierig werden - wenn etwa der Wagen am Baum landet und das Reh im Wald verschwindet.

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