KBA und VZR
Die Hölle der Verkehrssünder

„Punkte in Flensburg“ - jeder kennt sie, keiner will sie. Viele Flensburger wünschen sicjh ein netteres Aushängeschild für ihre Stadt. Das sieht man beim Kraftfahrt-Bundesamt natürlich ein wenig anders.
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FlensburgDer Punkt kommt ganz unspektakulär nach Flensburg. Als digitale Meldung etwa einer Bußgeldbehörde läuft er im Kraftfahrtbundesamt (KBA) ein, versehen mit Tat, Tatzeit, -ort und -fahrzeug. Das System gleicht dann ab, ob der Punkt zu einer bereits erfassten Person gehört, dann kommt er auf ihr Konto. Wenn er der erste für seinen Verursacher ist, wird ein neuer Vorgang eröffnet, der bekommt eine Nummer.

Und in Flensburg hängt er dann, im Verkehrszentralregister. In einer der 24 Registergruppen. Zwar hat das digitale Zeitalter auch in der „Verkehrssünderdatei“ Einzug gehalten, doch 30 Prozent der Vorgänge gibt es bis heute nur in der Papierversion, der mit bunten Ziffern versehen Mappe in blassem apricot. 500 Meter Regalwand in verschiedenen Büros füllen die Punkte in dem achtgeschossigen KBA-Gebäude, Tendenz abnehmend.

Neben dem Verkehrszentralregister führt das KBA noch drei weitere Register. So werden etwa alle seit 1999 ausgestellten Führerscheine erfasst. Weithin bekannt ist die Behörde jedoch für die „Punkte in Flensburg“ - die aber längst nicht von allen negativ gesehen werden.

Im Gegenteil, sagt Pressesprecher Stephan Immen. Auf Messen gebe es „sehr viele Sympathien“ und die Erkenntnis, „auf den Straßen ginge es schlimmer zu“ ohne das Sündenregister. „Ich habe keine Punktegegner kennengelernt.“ Die meisten Menschen würden ihr Fehlverhalten erkennen und eher Kritik daran üben, wo geblitzt wird. „Aber das ist nicht Aufgabe des KBA.“

So habe er auch „noch nie“ Briefe von Verkehrssündern in die Finger bekommen, in denen abenteuerliche Ausreden oder herzzerreißende Bitten ans KBA gerichtet wurden. Zwar gebe es wohl manchmal Ausreden, in denen etwa eine kurz vor der Niederkunft stehende Gattin als Erklärung für Raserei herhalten muss, „aber das nutzt bei uns nichts mehr, dann ist der Kuchen gefrühstückt“ - denn Widersprüche müssen an die Bußgeldbehörde gehen, nicht ans KBA. Einen Einbruch von Verzweifelten, die ihre Punkte löschen wollten, hat es denn laut Immen auch noch nie gegeben.

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