Kommentar zu Opel
Marke ohne Macht

Opel baut gute Autos, aber das allein reicht nicht. Es wird für die Rüsselsheimer - und andere europäische Hersteller ohne echte Markenstärke nun wahr, was sich seit Jahren abzeichnet: Ihre Zeit ist vorbei.
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BerlinManchmal ist das Leben wie in der Schule. Dem fleißigen und begabten Schüler wird gern mal ein Fehlleistung verziehen, dem unauffälligen und weniger begabten wird selbst eine gute Leistung nicht immer honoriert. Beide profitieren von ihrem Image bzw. leiden darunter. Im richtigen Leben sind es auch nicht immer die Leistungen, die zählen, sondern der Ruf, in dem sie stehen. Heute bestimmen die Marken mehr denn je die Marktchancen.

Das Denken und – nicht zu vergessen – Fühlen in Marken spielt beim Autokauf wider alle Vernunft weiterhin eine große Rolle, wiewohl junge Menschen zunehmend auch sehr praktisch kaufen können. Aber junge Menschen kaufen wenig neue Autos.

Und wenn sie welche kaufen, dann schauen sie vor allem auf den Preis. Die preiswerten kommen nicht von deutschen Herstellern. Wer in dieser Käuferschicht dagegen etwas auf sich hält, „in“ sein möchte, entscheidet sich mehrheitlich und zunehmend für ein Produkt aus dem Hause Volkswagen – habe ich mir von jungen Leuten sagen lassen.

Erst kürzlich konnte ich mich auf einer Opel-Veranstaltung von der technischen Güte der Opel-Flotte überzeugen. Vom Corsa bis zum Insignia bietet Opel Autos an, die gut zu fahren sind, die mit guten Verbrauchswerten aufwarten und durchaus gefallen können. Aber wie gut auch Opel sein mag – VW ist immer besser oder wird zumindest so gesehen.

Alle strategischen Diskussionen und Entscheidungen von oder über Opel bis zum jüngsten Rücktritt des deutschen Opel-Chefs haben die Lage des Unternehmens noch verschlechtert. So viel Unruhe kann auf die Dauer nicht gut gehen.

Aber den Hauptgrund für die wirtschaftliche Situation des Unternehmens sehe ich in der ungeklärten Positionierung, in der Klemme zwischen VW als anerkannter Marke im Sektor der Massenhersteller und den zahlreichen No-Names, den Herstellern, die vor allem über den Preis agieren.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise in Südeuropa trifft Opel zusätzlich. Sie ist aber nicht die Ursache, sondern nur ein Brandbeschleuniger. Es wird für Opel und andere europäische Hersteller ohne Markenstärke wahr, was sich seit Jahren abzeichnet: Ihre Zeit ist vorbei. Das ist bitter, aber eben das Leben. Meine nähere sächsische Heimat lebte Jahrzehnte von der Textilindustrie. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Alle Betroffenen und Zuständigen täten gut daran, sich darauf einzustellen, dass es diesem Sektor der Automobilindustrie in Deutschland nicht anders ergehen wird.

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  • Billig der blöd
    Autos werden billig gekauft oder blöd dem Herdentrieb folgend. "Wenn alle einen VW fahren und das toll finden muß ich auch so einen haben". Komisch finde ich nur "Millionen Fliegen fressen Sche..." Also los ihr VW Herdentrieb folgern - guten Appetit. Heute hat kaum mehr einer den Mut seine eigene Meinung zu vertreten.
    Übrigens, ich habe in der Garage einen Opel stehen. Und auf der Straße steht noch einer.
    Sollte es Opel wirklich irgendwann nicht mehr geben weiß ich nicht was ich dann kaufen soll, aber ich weiß was ich NICHT kaufe, einen VW. Da sieht einer genauso aus wie der andere LANGWEILIG.

  • Gute Antwort "AbstatzDämmerung".
    Opel hat längst wieder gute Autos im Angebot und das Design ist auch nicht schlechter als bei anderen Massenherstellern. Doch der Herdentrieb veranlasst viele dazu, das zu kaufen, was angesagt ist. VW hat zum Teil große Qualitätsprobleme, siehe der 1.4 ltr. Motor, trotzdem verkaufen sich die Autos wie warme Semmeln. Autokauf ist selten rational. Und würde VW seine Autos auch hauptsächlich in Europa verkaufen, wären die Probleme ähnlich wie bei Opel. Und jeder, der mit Krododilstränen jammert, weil Opels Absätze einbrechen und Arbeitsplätze verloren gehen, sollte schauen, was er zuhause in der Garage stehen hat.

  • Der letzte Satz ist doch ein bißchen verfrüht.

    Natürlch wächst die Konkurrenz und bereits vor 100 Jahren gab es bereits sehr viele Marken, wovon nur wenige überlebten. Es ist halt ein ständiger Selektionsprozeß. Nur der Marktteilnehmer kann überleben, dessen Produkte gefragt und gekauft sind.

    Natürlich werden nicht alle europaischen Marken überleben ... zumindest nicht ihre europäischen Fabriken. Auf die gut eingeführten Namen sind trotzdem vor allem chinesische und indische Unternehmen interessiert. SAAB, Rover und VOLVO folgen nun chinesischen Eigentümern; Jaguar und RangeRover folgen indischen Eientümern.

    Auch der Erfolg der sog. Premiummarken ist keine Garantie für die Ewigkeit.In langen Zeiträumen ist ein Kommen und Gehen zu bobachten. Aber Premiummarken haben halt den Megavorteil, dass sie besser eine Durststrecke überleben können. Die Rendite je Fahrzeug ist einfach höher.
    Das ... sichert das Überleben. Noch über viele Jahrzehnte.

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