Luxus oder Einsteigermodell
Motorradbranche wächst zweigeteilt

Die Motorradindustrie will ihren leichten Aufwärtstrend auch 2014 fortsetzen. Da kaum noch junge Leute auf die Bikes steigen, schauen die Marketingleute auf ältere Luxus-Konsumenten und Wiedereinsteiger.
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Frankfurt/MainDer milde Winter lässt die Motorradgemeinde schon im Februar unruhig werden. Vor dem offiziellen Saisonstart am 15. März hoffen die Hersteller, den leichten Positivtrend aus den Vorjahren fortsetzen zu können. Sie verkaufen in Deutschland in einem reifen, gesättigten Markt.

Laut Kraftfahrtbundesamt gibt es rund 4 Millionen zugelassene Krafträder, von denen ungefähr ein Zehntel pro Jahr als Gebrauchtbike zu meist moderaten Preisen den Besitzer wechselt. Im vergangenen Jahr brachten die Hersteller dem Branchenverband IVM zufolge genau 129.357 neue Motorräder und Roller (+1,3 Prozent) an Mann und Frau.

Davon gehörte etwa jedes vierte Gefährt in die Klasse der Leichtkrafträder oder -roller mit bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum, die bereits von 16-Jährigen gefahren werden dürfen. Weil für diese Modelle im vergangenen Jahr die 80 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung gefallen ist, verzeichneten die Unternehmen einen kräftigen Nachfrageanstieg von über 30 Prozent bei den kleinen Motorrädern, die nun in der Regel rund 120 km/h schaffen. Leichte Roller sind hingegen deutlich weniger gefragt.

Gut zwei Drittel der Verkäufe entfielen auf die stärkeren Motorräder mit 87.423 Stück (plus 2,65 Prozent). Seit Jahren unangefochtener Marktführer ist BMW mit seiner gerade neu aufgelegten Reise-Enduro GS 1200, die mit 7.875 Verkäufen wieder mit weitem Abstand die beliebteste Maschine der Deutschen war.

Weltweit verkaufte BMW knapp 30 000 GS-Maschinen. Sie definiert die Klasse der «Big Bikes», die mit immer mehr Assistenzsystemen, elektronischen Fahrwerkmodifikationen und luxuriösen Extras wie Griffheizungen und Navigationsgeräten zu haben sind.

Die Easy Rider sind in die Jahre gekommen und wissen einen gewissen Luxus zu schätzen, den sie auch bereit sind zu bezahlen. Längst fordern andere Hersteller wie Triumph, KTM oder die VW-Tochter Ducati mit eigenen Groß-Enduros den BMW-Platzhirschen heraus.

Honda serviert mit seinem DCT-Doppelkupplungsgetriebe gar eine Vollautomatik, die bei dem großen Reise-Motorrad «Crosstourer» schon fast die Hälfte der Kunden geordert haben. «Das Thema hat auf jeden Fall Zukunft», sagt Honda-Sprecher Oliver Franz.

Die Anbieter konzentrieren sich zudem auf das wachsende Marktsegment der Einsteigermaschinen mit bis zu 35 kW (48 PS). Bis Anfang 2013 waren für Neulinge nur 25 kW (34 PS) erlaubt, seitdem ist das Interesse deutlich angestiegen.

Die erstarkten Maschinen sind interessant für Wiedereinsteiger und Neulinge gleichermaßen, der Frauenanteil ist deutlich höher als bei den schwereren Modellen. Für Inhaber eines alten Auto-Führerscheins (abgelegt vor dem 1.4.1980) ist es zudem seit dem vergangenen Jahr einfacher, nur mit einer praktischen Prüfung die für die 48PS-Bikes notwendige erste Stufe der Motorradlizenz (A2) nachzuholen.

Globale Fertigung ermöglicht niedrige Einstiegspreise und auch in diesem Jahr überraschend viele neue Modelle. Nach längerer Stagnation ist auch Yamaha zurück mit Drei-Zylinder-Bikes und dem Retro-Modell SR 400, das dem Klassiker SR 500 nachempfunden ist. Kawasaki setzt weiter auf aggressives Streetfighter-Design.

Marktführer BMW startet zudem den mutmaßlich nächsten Zweirad-Trend in den Ballungsgebieten. Mit dem Roller C Evolution stellen die Bayern zum Kleinwagenpreis von rund 15 000 Euro ein vollelektrisches Modell mit rund 100 Kilometer Reichweite auf die Räder, das ab Mai ausgeliefert werden soll. Innerhalb von drei Stunden soll die Batterie wieder voll geladen werden können. «Da schauen alle sehr genau hin. Wenn das ein Erfolg wird, werden alle anderen nachziehen», sagt IVM-Sprecher Achim Marten.

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