Premiummarke geht auf Kunden zu und verlängert Gewährleistung für Elektronikpannen
Mercedes will das Image aufpolieren

Der Autokonzern Daimler-Chrysler zieht Konsequenzen aus den Qualitätsproblemen der Premiummarke Mercedes. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat sich der Hersteller zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Er will die Gewährleistung bei Elektronik-Pannen aus Kulanz über die vorgesehene Frist von zwei Jahren hinaus verlängern. Das gilt etwa für betroffene Baureihen wie der Startauflage der 2002 eingeführten E-Klasse.

FRANKFURT/M. Das Daimler-Management hatte bisher lediglich bei der Vorlage der Halbjahreszahlen angekündigt, dass das Unternehmen zusätzliche Maßnahmen zur Qualitätssicherung ergreifen wolle. Sie würden das Ergebnis der wichtigsten Daimler-Ertragssäule zusätzlich belasten. Mit dem jetzigen Entschluss beweist der künftige Mercedes-Chef Eckhard Cordes bereits vor seinem Amtsantritt, dass für ihn das Thema Qualität Priorität hat. Ein Daimler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Experten schätzten die zusätzlichen Belastungen durch die Qualitätssicherung auf mindestens einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Mercedes leidet in jüngster Zeit unter Elektronikpannen und schneidet bei Pannenstatistiken nur mittelmäßig ab (siehe „Japaner vorn“). Danach landete die Marke im jüngsten Qualitätstest des Automobilclubs ADAC für das Jahr 2003 nur auf Rang elf und damit zwei Plätze hinter dem Erzrivalen BMW. Auch in der einflussreichen US-Studie von J. D. Power zur Kundenzufriedenheit belegen die Stuttgarter nur einen Mittelplatz.

Nun geht Daimler auf seine Kunden zu und versucht, das Image von Mercedes als Qualitätshersteller zu sichern. Den Stuttgartern machten zeitweise vor allem Probleme mit der Elektronik-Architektur in der gehobenen Mittelklasse, der Mercedes E-Klasse, zu schaffen. Daimler betont, dass die Fehler bei neuen Fahrzeugen der E-Klasse inzwischen abgestellt seien. Doch offenbar sind die Elektronikmängel der aktuellen Baureihen noch nicht restlos behoben.

Erste Konsequenzen in der Fahrzeugentwicklung zog der schwäbische Autobauer bereits vor Monaten: Vor allem auf die Elektronik-Architektur legen die Schwaben künftig größeres Augenmerk und verschärften die Qualitätsansprüche. Das Umsteuern ist überfällig: Gerade erst fiel Mercedes bei den wertvollsten Marken der Welt von Platz zehn auf den elften Platz. Toyota dagegen, die seit Jahren mit besten Pannenreports glänzen, rückte im Markenranking auf Platz neun vor.

Die Stuttgarter wollen jedoch bereits in wenigen Jahren mit Mercedes wieder einen Top-Platz in den Zuverlässigkeitsstatistiken erreichen. „Jeder bei Mercedes ist verpflichtet, dieses Ziel zu verfolgen, deshalb werden wir es auch erreichen“, sagte der scheidende Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, der am 1. Oktober von Cordes an der Spitze der Premiummarke abgelöst wird. Experten vermuten hinter der Garantie-Aktion bereits die Handschrift des bisherigen Daimler-Nutzfahrzeugchefs.

Schon als Daimlers LKW-Chef hatte Cordes bei der japanischen Daimler-LKW-Tochter Fuso zusammen mit Fuso-Chef Wilfried Porth eine komplette Notfall-Inspektion der Nutzfahrzeuge angeordnet, nachdem vom Vorbesitzer Mitsubishi Motors lange vertuschte Mängel offenbar geworden waren.

Auch bei Mercedes legt Cordes nun ein Eiltempo vor. Der kommende Chef hat dazu allerdings auch allen Grund, denn Mercedes steckt momentan mitten in der Anlaufphase seiner zweiten großen Modelloffensive. Qualitätsprobleme passen da schlecht ins Bild. Stimmt die Qualität der neuen Wagen, können die neuen Modelle Mercedes rasch wieder auf einen Spitzenplatz im Qualitäts-Ranking katapultieren. Doch Cordes muss dabei auf die Arbeit seines Vorgängers Hubbert bauen: Die kommende Modellpipeline trägt noch die Handschrift des bisherigen „Mr. Mercedes“ – sein Nachfolger kann daran höchstens noch Retuschen vornehmen.

Japaner vorn

Qualitätstest: Der ADAC- Auto-Marxx misst die Langzeitqualität von Autos an der Pannenstatistik. Über 500 000 Pannen hat der ADAC im vergangenen Jahr registriert und daraus die Qualität verschiedener Automarken analysiert.

Zuverlässige Japaner: Am zuverlässigsten sind die japanischen Automarken. Sie belegen die ersten sieben Plätze der aktuellen ADAC-Statistik. Mit 7,7 Pannen auf 1 000 Autos bleibt Mazda am seltensten liegen, gefolgt von Toyota mit 8,1 Pannen.

Deutsche Mitelmaß: Deutsche Automarken haben im Vergleich zum Vorjahr zwar aufgeholt, belegen aber keinen Spitzenplatz. Mercedes liegt mit 14,7 Pannen erst auf Rang elf. Mit Audi liegt die zuverlässigste deutsche Marke auf Platz acht, vor BMW und VW.

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