Saab 9000 2,3-16
Alter Schwede aus dem Europa-Baukasten

Saab in der ursprünglichen Form ist Geschichte, doch Saab hat Geschichte. Bald feiert die obere Mittelklasse 9000 ihren 30. Geburtstag. Ein Auto, das von den echten Markenfans immer kritisch betrachtet wurde.
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Was ist ein echter Saab? Mit dieser Frage hatten sich die Liebhaber der schrulligen Automarke 1985 erstmals auseinanderzusetzen, denn die seinerzeit neu eingeführte Businessklasse musste sich ihre DNA teilen: Auch Alfa 164, Fiat Croma und Lancia Thema bauten nämlich auf der gleichen Bodengruppe auf. Und selbst manche Karosserieteile waren gleich – Menschen mit einem feinen Gespür für Formen werden bei Nachbars Croma oder Thema beispielsweise identische Türen identifizieren. Alleine der Alfa 164 ging eigene Wege. Doch es steckt auch jede Menge Saab im 9000.

Neben der eigenwilligen Innenarchitektur duldeten die Schweden auch bei der Antriebsdisziplin keine Verwässerung. Man braucht keinen Sechszylinder, und um Leistung zu generieren, bedarf es ausgeklügelter Technik.

So kamen nicht nur Turbolader zum Einsatz, sondern ebenso Vierventiltechnik, und zwar zu Zeiten, als solche Auswüchse der Motorenbaukunst für Normalsterbliche gedanklich noch im Dunstkreis von Ferrari und dergleichen angesiedelt waren. Beim Fahrwerk gingen die Ingenieure von damals indes den Weg der alten Schule und pflanzten der Limousine eine starre Hinterachse ein.

Sie soll ja auch keine Dynamik-Rekorde brechen, dafür aber komfortabel von A nach B fahren. Schon beim Entern des 89er-Exemplares von Händler Linnebank aus Hamm fällt auf, dass den Machern aus Trollhättan kommodes Reisen besonders am Herzen lag: rein in die himmlisch weichen Ledersessel und versinken.

Der betagte Erstbesteller hatte keine Ampelsprints im Sinn – er verzichtete auf den Turbo. Wenn die großen Saab schon nicht mehr als vier Töpfe haben sollten, gönnten die Techniker ihnen ab 1989 wenigstens etwas mehr Hubraum. Neben der Zweiliter-Basisvariante gab es von nun an auch eine zweite Sauger-Version mit 2,3 Litern Volumen und 107 kW/146 PS.

Das war durchaus genügend Punch, um mit dem 1,3-Tonner klarzukommen. Bis zu 205 km/h schnell wurde der Schwede und dürfte seinerzeit oft auf der linken Autobahnspur unterwegs gewesen sein. Die frühen Ausgaben waren noch frei von General Motors-Erbgut, denn der amerikanische Autoriese hatte sich erst Ende 1989 eingeklinkt, um den inzwischen klamm gewordenen Skandinaviern wieder auf die Beine zu helfen. Klar, dass irgendwann auch ein V6 in den 9000 eingepflanzt wurde – 1995, drei Jahre vor Bauende, war es so weit.

Dabei war der mit Ausgleichswellen ausgestattete Vierventiler geschmeidig genug, um die obere Mittelklasse angemessen voranzutreiben. Gleichmäßig in der Kraftentfaltung und moderat im Ton rotiert der Benziner sogar noch heute durch das Drehzahlband und lässt den Jubilar (25 Jahre) behände durch den Verkehr flitzen, als sei er ein moderner fahrbarer Untersatz.

Die fünf Übersetzungen lassen sich leichtgängig einlegen; das können selbst manche Neuwagen nicht besser. Wer einen 9000er pflegt und nicht ständig extremer Witterung aussetzt, kann ihn ohne Probleme als Klassiker im Alltag fahren. Das Platzangebot geht in Ordnung, vier Personen kommen sich in diesem Saab keineswegs ins Gehege.

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