Simulator erspart zusätzliche Fahrstunden
Fahrschüler üben am Computer Autofahren

Kupplung treten, zünden, Gang einlegen, langsam Kupplung kommen lassen, Blick in den Rückspiegel, Gas geben – das sind seit Jahrzehnten die ersten Schritte jedes Fahrschülers. Einige Fahrneulinge absolvieren diese Lenkversuche nicht mehr im realen Verkehr, sondern an einem Simulator. Bereits eine Hand voll von Fahrschulen bieten ihren Schülern diese Art von Trockenübung an.

STUTTGART. Uwe Tauterat, Fahrlehrer in Stuttgart, ist einer von ihnen. Sein Simulator besteht aus einem Fahrersitz samt Lenkrad, Cockpit und Pedalen. Die Schüler blicken vom Autositz auf eine gewölbte, zirka 2,50 Meter lange Wand aus Spezialglas. Dahinter steht ein Netzwerk mit vier Rechnerpaaren und einem Beamer. Von jedem Rechnerpaar wird ein Teil des Fahrszenarios erstellt und auf die Scheibe projiziert.

Die Schüler beziehungsweise die Fahrlehrer haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Fahrsitutationen. Das Anfahren am Berg und der Stadtverkehr gehören ebenso dazu wie Ausnahmebedingungen wie Glatteis. Das System, das vom Rüstungsexperten Krauss-Maffei stammt, war nicht ganz billig: 130 000 Euro hat Tauterat bezahlt – im Vergleich zu knapp 20 000 Euro für ein Fahrschulauto eine Menge Geld.

Der Fahrlehrer geht davon aus, dass sich die Investition auszahlt. Die Laufzeit des Rechners ist nicht wie die Arbeitszeit der Fahrlehrer auf acht Stunden begrenzt, deshalb kann Tauterat mehr Schüler annehmen. Die Türen zu seiner Fahrschule sind mit einem Chip gesichert, so haben die Fahrschüler auch Sonntags die Möglichkeit, zu üben und ihre Fertigkeiten beim Autofahren zu erweitern. Auch für die Fahrschüler lohnt sich das Angebot. Sie benötigen durch das Üben am Simulator weniger Fahrstunden und könnten zwischen 150 und 200 Euro sparen, so Tauterat. Das haben erste Erfahrungen mit dem System in einer Fahrschule in Kassel gezeigt.

Die Schüler bezahlen bei der Anmeldung in seiner Fahrschule eine Pauschale von 220 Euro für die Benutzung des Simulators. Im Prinzip können sie dann üben, so oft sie wollen, müssen sich dazu allerdings in einer Liste eintragen. Die Stunden am Simulator ersetzen zwar keine der 20 Pflichtstunden, aber Zusatzfahrstunden. Im Schnitt sitzen Jugendliche derzeit 34 Stunden im Fahrschulauto, bevor sie die Prüfung machen.

Wollen sie diese Zahl der Fahrstunden reduzieren, dürfen sie allerdings am Simulator nicht spielen, sondern müssen ernsthaft üben. „Wir besprechen, welche Einheiten sie fahren sollen, denn diese bauen sinnvoll aufeinander auf“, sagt Tauterat. Unumstritten ist die Ausbildung aber nicht. Während Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat das Üben schwieriger Situationen als Ergänzung von Fahrten im realen Verkehr für sinnvoll hält, warnt Gerhard von Bressensdorf vom Bundesverband der Fahrlehrerverbände vor zu viel Optimismus: Die Systeme seien noch nicht ausgereift.

Außerdem bildeten die Szenarien Gefahrensituationen nicht gut genug ab: „Vor allem beim Überholen ist die Abschätzung der Entfernungen wegen der fehlenden Tiefenschärfe nicht realistisch“, so sein Einwand. Auch bei Glatteis sei die Simulation nicht wirklichkeitsnah. Tauterat kontert dagegen mit einem Plus an Sicherheit: „Die Schüler können sehr viel mehr Strecke fahren als sie dies sonst vor Erwerb des Führerscheins tun.“

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