Technikmuseum
Ein Denkmal für den Unimog

Kein anderes Fahrzeug dürfte dermaßen den Spieltrieb beim Manne wecken wie der Unimog. Porsche hin, Ferrari her. Wer einmal auf dem Bock dieser Mischung aus Gelände- und Lastwagen gesessen und gespürt hat, zu was das Fahrzeug fähig ist, der will keinen Sportwagen mehr. Zu Ehren des Bestellers von Daimler-Chrysler öffnet nun ein Museum.

HB GAGGENAU. „Ein Unimog fährt da weiter, wo andere Fahrzeuge gar nicht erst hinkommen“, sagt Michael Wessel. Wie Recht der Vorsitzende des Unimog-Clubs Gaggenau, einem Städtchen in Baden-Württemberg damit hat, zeigt sich bei einem Blick auf die Mischung aus Lkw und Geländewagen: Der Unimog steuert scheinbar mühelos einen 60 Prozent steilen Hügel hinauf, fährt rückwärts wieder hinunter und überwindet dabei zwei dicke Baumstämme. Was der Unimog – Langfassung: Universalmotorgerät – in Forst- und Landwirtschaft oder beim Militär leistet, kann von diesem Samstag an (3. Juni) im badischen Gaggenau erkundet werden. Genau 55 Jahre nachdem der erste „Unimog 2010“ die Montagehalle des dortigen Daimler-Benz-Werks verlassen hat, öffnet hier das neue Unimog-Museum seine Pforten.

Die Idee für das Haus stammt aus dem Jahr 2002, als die Unimog-Produktion ins Daimler-Chrysler Werk nach Wörth in Rheinland-Pfalz verlegt wurde. In den folgenden Jahren wurde das 3,2 Mill. Euro teure Museumsprojekt allein durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Sponsoren finanziert. „Ohne das große ehrenamtliche Engagement in der Region hätte das Museum nicht realisiert werden können“, betont Stefan Schwaab, Vorsitzender des Unimog-Museums. So konnten allein mit einem ideellen Verkauf des Museumsgrundstücks für 15 Euro pro Quadratmeter 70 000 Euro eingenommen werden. Über die Hälfte der rund 8000 Quadratmeter seien bereits auf diese Art und Weise veräußert worden.

Das schlicht-modern gestaltete Museum ist eine Liebeserklärung an den Unimog: Vom ersten Prototyp „U 5“ aus dem Jahr 1946 über den Traktor-Ableger „MB-trac“ bis zur neuesten, hoch modernen „U 500 Black Edition“ bietet das Museum alles, was das Herz des Liebhabers begehrt. Viele Exponate sind Leihgaben anderer Museen oder von Unimog-Fans. „Wir legen Wert darauf, ein Museum der ständigen Bewegung zu sein“, sagt Schwaab. Daher sei geplant, die Ausstellungsstücke immer wieder zu wechseln und beispielsweise auch Sonderthemen wie „Unimog und Feuerwehr“ anzubieten.

Neben den Fahrzeugen soll auch die Geschichte nicht zu kurz kommen. „Uns war es wichtig, ein Familienmuseum zu schaffen“, erklärt Ute Kretschmer-Risché, Geschäftsführerin der Agentur „exakt“, die das Museumskonzept umsetzte. So geht der Besucher eine Zeitleiste entlang und verfolgt neben der Entwicklung des Unimogs auch die der Welt- und Technikgeschichte ab 1945. Auf dem Außenparcours sollen spezielle Fahrertrainings angeboten werden – für Unimog-Besitzer und solche, die es werden wollen.

Für Unterhaltung sorgen vor allem die vielen kleinen Geschichten rund um das Fahrzeug: So war es ein Unimog, der 1964 die Olympischen Winterspiele in Innsbruck rettete, indem er künstlichen Schnee herankarrte. Auch die Besitzer und Fans sind etwas Besonderes: Allein der Unimog-Club Gaggenau zählt mittlerweile 5 000 Mitglieder in mehr als 30 Ländern. „Unser kuriosestes Mitglied ist ein Japaner, ein buddhistischer Mönch. Er besitzt mittlerweile 15 Unimogs und hat sich jetzt einen MB-trac bestellt“, erzählt Wessel. Platzprobleme habe der Unimog-Fan nach eigenen Angaben nicht, die Klosteranlage sei weitläufig genug.

Die Öffnungszeiten und weitere Einzelheiten zum Museum finden Sie unter » http://www.unimog-museum.de.

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