Toyotas erstes Nachkriegsauto
Toyopet mit Käfer-Genen

Vor 65 Jahren begann Toyota mit der Nachkriegsproduktion. Die Ingenieure hatten Deutschland vor dem Krieg bereist und sich gründlich bei VW umgesehen. Das sieht man auch der ersten Limousine an.
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KölnDer größte japanische Autobauer Toyota kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Automobilproduktion nur langsam in Bewegung. 1947 stellte der Hersteller das erste neu entwickelte Auto der Nachkriegszeit vor. Der als "Toyopet SA" bezeichnete Wagen war eine zweitürige Limousine mit rundlicher Form, die deutlich an einen VW Käfer erinnerte.

Doch das kam nicht von ungefähr. In den frühen Jahren der Unternehmensgeschichte beider Autobauer Volkswagen und Toyota Motor Company gab es etliche Berührungspunkte. Beide Firmen waren erst in den späten Dreißigern des letzten Jahrhunderts entstanden. Toyota offiziell am 28. August 1937. Beide Heimatländer standen damals unter der Herrschaft stramm nationalistisch orientierter Diktaturen, die sich politisch immer stärker annäherten und dabei einen intensiven Austausch betrieben. Der umfasste natürlich auch alle Bereiche der Technik.

So war vor dem Krieg eine Delegation japanischer Techniker nach Stuttgart zu Ferdinand Porsche gereist, geleitet vom Toyota-Ingenieur Dr. Kazuo Kumabe. Die Japaner beschäftigten sie sich dort intensiv mit konstruktiven Merkmalen des Auto-Union-Rennwagens wie der Einzelradaufhängung. Großes Interesse fanden auch die Innovationen, die Porsche für den künftigen Volkswagen entwickelt hatte. Dazu zählte der selbsttragende Karosserieaufbau und vor allem seine günstigen Fertigungskosten, die stromlinienförmige Karosseriegestaltung, der luftgekühlte Heckmotor und natürlich auch die Einzelradaufhängung für einen Pkw.

Nach dem Krieg lagen Deutschland und Japan gleichermaßen in Trümmern, hatten die totale Niederlage in dem von Ihnen selbst vom Zaun gebrochenen Krieg akzeptieren müssen. Während Volkswagen nicht zuletzt dank der Interessen der englischen Militärverwaltung wieder schnell auf die Beine kam, erhielt die japanische Nachkriegswirtschaft keine Aufbauhilfen von Seiten ihrer amerikanischen Besatzer. Schließlich lag Japan nicht an der frischen Schnittstelle, die sich im Rahmen des Kalten Kriegs zwischen beiden beteiligten Blöcken mitten durch Deutschland bildete. Und den japanischen Überfall auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 sahen die Amerikaner unverändert als ruchlose Schandtat, die freiwillige Wohltaten gegenüber den Besiegten ausschloss.

Japanische Unternehmen und die Wirtschaft des Landes waren somit beim Wiederaufbau im Wesentlichen auf sich selbst gestellt. Toyota hatte im Rahmen der Kriegskatastrophe noch riesiges Glück gehabt. Die Bombardierung der Werke durch die amerikanische Luftwaffe war fest für den 22. August 1945 geplant. Am 15. August 1945 erklärte Kaiser Hirohito die bedingungslose Kapitulation, was zum sofortigen Ende aller Kampfhandlungen führte.

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