Tumminellis Designkritik
Geschlossener MX-5: Mazda topfit

Dem erfolgreichsten Roadster der Automobilgeschichte wurde kürzlich ein Hard Top aufgesetzt. Die Operation gelingt nahezu perfekt.

Als 1989 der Mazda MX-5 auf den Markt kam, war es einfach, ihm eine rosige Zukunft vorherzusagen. Fünf Jahre hatte die Entwicklung in Kalifornien, Großbritannien und Japan gedauert, das Resultat stand da als perfekte Synthese aller Eigenschaften eines offenen Zweisitzers, wie ihn die Engländer (MG, Triumph, Lotus) und die Italiener (Alfa Romeo, Fiat) immer gebaut hatten und nicht mehr hatten bauen wollen.

Hört sich heute zwar erstaunlich an, aber in den 80ern dachte kein Hersteller mehr an offene Autos. Selbst Mercedes-Benz ließ seine verehrte Kundschaft 18 Jahre auf einen Ersatz des 1972 eingeführten SL warten. Von dem Oldtimer-Trend inspiriert, war der Miata – dessen Name so viel bedeutet wie Belohnung – der Wendepunkt hin zu einer kulturellen Revolution ohnegleichen in der Automobilindustrie. Bildhübsch war er und in seiner neuartigen, romantischen Interpretation klassischer Stilelemente einfach einmalig.

Der erste MX-5 hat eine große Fangemeinschaft und wird bereits als Klassiker gefeiert. Selbst in Pixar-Disneys Film „Cars“ wurde „die Miata“ als süßes Automobilchen neben wenigen weiteren Ikonen verewigt. Allerdings wurde das Nachfolgemodell von 1998 von den Liebhabern nie richtig akzeptiert. Mit der dritten Serie brachte Mazda 2005 daher ein Remake des Urmodells: bulliger, größer und leicht overdesigned. Kaum ein Jahr ist vorbei, da überrascht Mazda mit einer weiteren Neuheit: Statt mit dem üblichen Stoffverdeck gibt es nun den MX-5 als RHT-Version (Retractable Hard Top) nach dem Vorbild des Mercedes SLK. Die gute Nachricht lautet: Die Operation ist im ästhetischen Sinne perfekt gelungen. Zwar wirkt das Heck etwas aufgeblasen, doch bleibt die Windschutzscheibe, wie sie war – der Laie wird den Unterschied kaum merken. Die Einfachheit der Bedienung, die Leichtigkeit der Konstruktion und das Kofferraum-Angebot wurden kaum beeinträchtigt.

Bleibt die Frage: Warum baut Mazda zwei Versionen, die sich kaum voneinander unterscheiden – eine Schwäche in der Designstrategie? Einerseits haben wir den Mythos Miata, und der verlangt nach Stoff – für Puristen, die Mazda so gerne behalten will. Andererseits akzeptieren die Neukunden seit mindestens drei Jahren nur RHT-Konstruktionen. Es ist anzunehmen, dass Mazda diesen Trend zu spät erkannt hat und nun die neue Modellvariante ins Rennen geschickt hat. Trotzdem kann nur eines der beiden Modelle langfristig überleben. Zusammen mit einigen hunderttausend Puristen wette ich nach wie vor auf die Variante mit dem Stoff.

Der Autor, Paolo Tumminelli, ist Professor für Design an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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