Unfallforschung
Das größte Risiko bleibt der Mensch

In unsere Autos kommt immer mehr Sicherheitstechnik. Doch bei den Unfallzahlen hat sich leider fast gar nichts verändert.
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Grundsätzlich sinkt seit Jahren die Zahl der Unfalltoten. Aber: „Geringer fällt der Rückgang bei den Schwer- und Leichtverletzten aus. Und bei den Unfallzahlen hat sich leider fast gar nichts verändert“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer.

Die Verbesserungen gehen vor allem auf die Sicherheitstechnik zurück. "Die Anschnallpflicht ist beim Rückgang der Todeszahlen ganz sicher Nummer eins. Der Gurt ist mit Abstand der größte Lebensretter. Der Airbag hat nicht ganz so entscheidende Auswirkungen. Insbesondere, wenn jemand meint, er könne unangeschnallt fahren. Schleuderverhinderer (wie ESP) haben positiven Einfluss. Und die Fahrgastzelle schützt eindeutig immer besser."

Neben der Sicherheitstechnik in den Autos spielen die Infrastruktur und eben die Menschen am Steuer eine Rolle. Die Autofahrer hätten sich am wenigsten verändert, sagt Brockmann. Am problematischsten seien die 18- bis 24-Jährigen. Obwohl ihnen die Erfahrung fehle, wären sie auf der Straße sehr risikoreich: „Selbst wenn sie fahren können, müssen sie den wilden Max machen und schnell fahren, weil die Freundin im Auto sitzt. Dann wird es ganz gefährlich.“ Hoffnung macht dem Forscher der Führerschein mit 17, bei dem eine Begleitperson Pflicht ist. Sie würde vorausschauendes und verantwortungsvolles Fahren fördern.

Ob die Autofahrer sich heutzutage zu sehr auf die Sicherheitstechnik in ihrem Auto verlassen und unvorsichtiger werden ist umstritten. Siegfried Brockmann sieht es unproblematisch: „Bei Systemen, die man beim Fahren nicht bemerkt, Beispiel ESP, gibt es diesen Effekt gar nicht. Aber selbst wo er existieren mag, überwiegen die positiven Wirkungen der Technik jedenfalls deutlich. Mehr Unfälle durch Technik? Ein klares Nein.“

Beim Blick auf Deutschlands Infrastruktur wird deutlich, dass Leitplanken tödliche Unfälle besser verhinderten. Bei rund einem Viertel dieser Unfälle sterben die Fahrer, weil sie gegen einen Baum prallen. Leitplanken seien da eine effektive Maßnahme meint Brockmann, ganz im Gegensatz zu warnenden Plakaten: „Es gibt psychologische Untersuchungen, die belegen, dass sich das Fahrverhalten durch sie nicht nachhaltig verändert.“ Im Stadtverkehr seien vor allem Tempo-30-Zonen und eigene Grünphasen für Linksabbieger sinnvolle Maßnahmen. Schwierig sei es indes, Unfälle mit Radfahren zu verhindern, da viele von ihnen sich nicht an die Verkehrsordnung halten würden.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist nach eigenen Angaben einer der größten Auftraggeber für universitäre und außeruniversitäre Verkehrssicherheitsforschung. Seit 2004 ist der UDV als Nachfolger des Instituts für Fahrzeugsicherheit (München) und des Instituts für Straßenverkehr (Köln) für die Verbesserung der Sicherheit und die Unfallvermeidung auf Deutschlands Straßen tätig.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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