US-Autohersteller setzen auf Zielgruppen-Marketing
Himmel hilf!

Sogar in Kirchen suchen Amerikas Autokonzerne Auswege aus ihrer tiefen Absatzkrise. Ob dabei kreatives Marketing General Motors, Ford und Chrysler noch helfen kann, ist allerdings zumindest fraglich.

NEW YORK. „Hallo, Gott segne Sie“, grüßt der Herr im blauen Blazer andächtig. Lächelnd steht er vor einem cremefarbenen zweistöckigen Gebäude, das aussieht wie eine Mischung aus Einkaufszentrum und Madison Square Garden. Eingekeilt von 20-stöckigen Backsteinfassaden in einem tristen Viertel südöstlich von Manhattan deutet hier nichts auf ein Gotteshaus hin: kein Kirchturm, nicht einmal ein großes Kreuz.

Doch von drinnen aus wacht Reverend A.R. Bernard, ein Ex-Angestellter von Bankers Trust, über 26 000 Schäfchen. Sein Gotteshaus gehört zur Champions League amerikanischer Megakirchen – Gemeinden, deren Messen regelmäßig von mehr als 2 000 Gläubigen besucht werden. Die Gläubigen hoffen auf das göttliche Heil, und nun hat auch ein US- Autokonzern die Riesenkirchen als Heilsbringer entdeckt.

Draußen vor Pastor Bernards Kirche findet an diesem sonnigen Samstag eine Messe der anderen Art statt. Luxuriös ausgestattete Fahrzeuge der Marke Chrysler, die wie an einer Perlenkette aufgereiht die Flatlands Avenue besiedeln, laden zu Testfahrten ein – gratis natürlich.

Testfahrt und Ticket fürs Gospelkonzert

An der Spitze der eindrucksvollen Flotte spiegeln sich die silbernen Felgen eines neuen Geländewagens vom Typ 2007 Chrysler Aspen derart im Licht der Sonne, als habe Meister Proper höchstpersönlich frühmorgens noch mal drüber gewienert.

„Lust auf eine Spritztour?“ fragt ein junger Mann mit beigefarbener Jacke und Chrysler-Logo: „Steigen Sie ein: Wir sind heute bis 17 Uhr für Sie da.“ Gemeinsam mit einer Schar Kolleginnen steht er vor einem weißen Plastikpavillon mit Glücksrad und spendiert den Testfahrern noch ein Ticket fürs Gospelkonzert – wenn man denn nur einsteigt.

Auf der Suche nach Kundschaft für 335 PS schwere Acht-Zylinder-Karossen macht der schwer kriselnde Chrysler-Konzern derzeit vor 14 Megakirchen in den USA Station mit seinem Verkaufstreck – von der Kirche in New York über den Greater Grace Temple im US-Automekka Detroit bis nach Los Angeles, St. Louis, Cleveland und Denver. Mit dabei als Zusatzattraktion ist die populäre Soulsängerin Patti LaBelle.

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